Podcast
Foodynsider Bio: Symposium Essen und Trinken trifft bioPress
Edmund Pillekamp im Gespräch mit Erich Margrander
Warum greifen Verbraucher zu Bio-Produkten? Wieso sind Eigenmarken gefragt, aber nicht der beste Weg der Bio-Vermarktung? Und weshalb braucht es alle Kanäle, um Bio für die Leute zugänglich zu machen? In der ersten Ausgabe seines neuen Podcasts ‚Foodynsider‘ hatte das Symposium Essen und Trinken (SET) bioPress-Herausgeber Erich Margrander zu Gast.
Als „wichtiges Gewinnerthema, an dem viele partizipieren wollen“ führte der SET-Geschäftsführer Edmund Pillekamp das Gesprächsthema Bio ein. Zwischen sechs und acht Prozent lege der Bio-Umsatz in Deutschland aktuell zu – das Wachstum finde hauptsächlich im Mainstream statt. Zu den Menschen, die mindestens einmal im Jahr Bio erwerben, gehörten mittlerweile 97 Prozent der Haushalte.
Egoismus trifft Idealismus: Motive des Bio-Kaufs
Aber warum kaufen die Leute eigentlich Bio? „Der Mensch ist zuallererst ein egoistisches Wesen“, weiß Margrander. Der primäre Kaufgrund bleibe daher die eigene Gesundheit – Bio werde gekauft, weil es einem gut tut. Als zweites kämen dazu auch altruistische Gründe und die Motivation, gleichzeitig der Natur etwas Gutes zu tun.
Aus einem besseren Verständnis für die Hintergründe von Bio folgt für den bioPress-Herausgeber auch eine höhere Zahlungsbereitschaft – allerdings sei sie nicht grenzenlos. „Verbraucher sind immer preissensibel, selbst intensive Bio-Käufer achten auf den Preis und kaufen saisonal ein“, erklärt Margrander. Der Vormarsch der Bio-Eigenmarken zeige, wie die Masse mit billig bewegt wird, und offenbare gleichzeitig das grundsätzliche Interesse der Verbraucher an Bio. Der Handel wiederum könne mit Bio-Trockensortimenten aus wirtschaftlicher Sicht wenig falsch machen – er brauche keine Anlaufinvestitionen und habe keine Abschriften zu befürchten.
Bio-Wachstum bei Kaufleuten, Discountern und Fachhandel
Dennoch ist diese „Bequem-Spirale“ für Margrander nicht der richtige Weg für die Bio-Vermarktung. „Richtig gute Erträge gewinnen Kaufleute mit Bio-Marken“, ist er überzeugt. Bio-Wachstum werde nicht mit „viel vom Gleichen“ erreicht, sondern finde statt, wenn die Kunden Bio-Vollsortimente in den Theken, Regalen und Truhen finden. „Sie wollen nicht nur den kleinen Auszug, den Einkäufer günstig auf die Reihe bekommen“, meint er. Was nicht im Regal liegt, könne auch nicht gekauft werden.
Im Moment fehle für Bio-Kunden im LEH allerdings noch so einiges, speziell im Frische-Bereich: Brot, Obst und Gemüse, Salate, Fleisch, Wurst und Käse. „Wenn Bio nicht zwischen den Kapitalinteressen zerrieben werden soll, kann die Entwicklung nicht allein den Einkäufern überlassen werden“, stellt Margrander fest. Der richtige Partner, um die Lücken im Sortiment zu füllen, sind für ihn die Kaufleute. Der selbstständige Einzelhandel könne flexibler agieren als seine Vorstufe oder Filialbetriebe und der Bio-Entwicklung so den nötigen Schub bringen. „Der Handel muss sich freistrampeln“, so der Experte.
Derweil wachse der Bio-Umsatz auch über das Engagement der Discounter, die dem Image vom teuren Premium-Bio entgegenstünden. Aldi schneide etwa mit seiner Bio-Auswahl nicht schlecht ab und hätte den Ruf vom größten Bio-Vermarkter in Deutschland nicht umsonst erworben.
Und der Fachhandel? Der werde seinen Platz als Bio-Vollsortimenter auch in einer veränderten Marktlandschaft behalten, ist Margrander zuversichtlich. So hätten etwa regionale Bio-Tomaten angesichts der billigen Konkurrenz aus Spanien keine Chance auf einen Regalplatz im LEH. Der Fachhändler könne bei seinen Kunden demgegenüber ausreichend mit dem Mehrwert Regionalität punkten, um die Ware auch für einen gehobenen Preis zu verkaufen.
Bio-Versorgung europäisch denken
Wird der Bio-Markt sein Wachstum in den nächsten Jahren halten können?, fragte Pillekamp und verwies dabei auf die stagnierende Produktion, die in Deutschland momentan nicht mit der Nachfrage mitzieht. Man müsse eher europäisch als national denken, riet dazu Margrander. Landwirte seien seit jeher konservativ und – obwohl sich Bio wirtschaftlich auszahle – sei die Umstellung stets mit einem existenziellen Risiko verbunden. Alte Gewohnheiten mit Blick auf Dünger und Pestizide zu überwinden, sei nicht einfach, junge Hofnachfolger stünden dem Ökolandbau aber häufig offener gegenüber und entschieden sich dann für Bio. Ein Beispiel wie Österreich, wo der Anteil des Ökolandbaus bereits auf die 30 Prozent zugeht, zeige, dass die Umstellung machbar ist. Derweil sieht Margrander in Bio-Importen weniger ein Risiko als vielmehr große Chancen. So hätten Rumänien und die Ukraine mit ihrer Schwarzerde beste Voraussetzungen für den Ökolandbau und könnten den deutschen Markt mit ihren Erzeugnissen bereichern. „Wir müssen wegkommen von ‚Deutschland first‘“, meint der bioPress-Herausgeber.
Die komplette erste Folge des Podcasts Foodynsider können Sie auf YouTube kostenfrei ansehen und -hören. Die nächste Folge wird am 16. April erscheinen.
Lena Renner







