Agrarwende
Bio-Empfang auf der Grünen Woche: Streit um Umweltstandards und Gentechnik
Bundesumweltminister pocht auf Honorierung von Umweltleistungen
© BÖLW
Der 10. Bio-Empfang des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) auf der Grünen Woche in Berlin führte zu einem Schlagabtausch über richtige Wege in der Land- und Lebensmittelwirtschaft. Während Bundesumweltminister Carsten Schneider sich für die Honorierung von Umweltleistungen in der Agrarpolitik aussprach, warb das Bundeslandwirtschaftsministerium für gentechnische Lösungen. Alle Referenten hoben die Bedeutung der Bio-Branche für die Transformation der Landwirtschaft hervor.
Die BÖLW-Vorsitzende Tina Andres mahnte als Gastgeberin, keines der „großen Probleme“ würde gelöst, wenn alle Verordnungen der letzten 20 Jahre zum Schutz von Natur und Umwelt „vom Tisch gewischt“ würden.
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) unterstützte diese Ansicht und kritisierte, dass Umweltstandards im Vorschlag der Kommission zur nächsten Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nicht vorkämen. Ein fester Anteil der Direktzahlungen der GAP müsse für Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen verwendet werden. Schneider lehnte zudem die EU-Pläne zur Deregulierung Neuer Gentechnik ab, da Verbraucher damit nicht mehr erkennen könnten, ob ein Produkt Gentechnik enthalte. Auch für die Bio-Landwirtschaft bedeute das Vorhaben eine deutliche Verschlechterung.
„Die Bio-Lebensmittelwirtschaft ist eine Erfolgsgeschichte, die wir fortschreiben möchten“, beteuerte der BMLEH-Staatssekretär Markus Schick. Es werde auch weiterhin ein Bundesprogramm Ökologische Landwirtschaft geben. Dennoch müsse die Bundesregierung angesichts von Einsparverpflichtungen priorisieren. Was den Ökolandbau angeht, wolle sie sich in dieser Legislaturperiode auf die Gemeinschaftsverpflegung und die Unterstützung der Kommunen konzentrieren. In Neuer Gentechnik der Kategorie 1, deren Mutationen auch auf natürlichem Weg zustande kommen könnten, sieht Schick Innovationsmöglichkeiten für die Züchtung klimaangepasster Sorten.
Zur Unterstützung der Wachstumsbranche Bio rief Ophelia Nick, agrarpolitische Sprecherin der Grünen, auf. Die Entwicklung des Ökolandbaus dürfe nicht verschlafen werden, wie es im Bereich der Elektromobilität geschehen sei. Für das Tierhaltungsgesetz, das nun nochmal um ein Jahr verschoben wurde, hätten viele Schweinehalter bereits Investitionen getätigt. Sie bräuchten ein Kennzeichen, auf das Verbraucher vertrauen können.
„Die Klimakrise ist da, das Artensterben ist da, wir haben die Wasserbelastung: All diese Probleme sind da und müssen gelöst werden“, betonte Nick. „Hier bei Bio sind Menschen, die das selber in die Hand nehmen, die innovativ sind, die Modelle zeigen, wie das geht. Lassen Sie uns auch weiter für Unterstützung kämpfen.“







