Start / News / Bio-Tops / Öko-Förderung oder Handbremse für die Agrarwende?

Agrarpolitik

Öko-Förderung oder Handbremse für die Agrarwende?

Bios und Grüne kommentieren den Koalitionsvertrag

Öko-Förderung oder Handbremse für die Agrarwende? © stock.adobe.com/maxbelchenko

Der Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD steht. Auf das gestern veröffentlichte Papier unter dem Titel ‚Verantwortung für Deutschland‘ gibt es von Seiten des Öko-Sektors und grünen Politikern gemischte Reaktionen. Die Bio-Branche begrüßt das Bekenntnis zum Ökolandbau, die Gentechnikfrei-Bewegung den Stellenwert von Verbraucherschutz und Transparenz. Insgesamt seien die Weichen für eine zukunftsfähige Agrarwende jedoch enttäuschend, bemängelt Staatssekretärin Ophelia Nick.

„Der Ökolandbau ist ein wichtiges Element einer nachhaltigen und klimaschonenden Landwirtschaft und ein wichtiger Innovationsmotor“, heißt es im Koalitionsvertrag. „Mit einer Biostrategie werden wir den Ausbau des Ökolandbaus deutlich stärken, indem wir die Mittel für die Forschung und Bildung für den Ökolandbau erhöhen, das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) und Nachfrageimpulse stärken, zum Beispiel durch Standards bei Gemeinschaftsverpflegungen. Gleichzeitig reduzieren wir Hindernisse bei Erhalt und Ausbau des Ökolandbaus.“

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) begrüßt, dass die Nachhaltigkeitsleistungen von Bio im Koalitionsvertrag anerkannt werden und die Ausweitung von Bio-Angeboten in der Gemeinschaftsverpflegung auf der Agenda steht. „Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln wächst, doch die Bio-Fläche stagniert und die mittelständisch geprägte Bio-Verarbeitungswirtschaft kämpft mit den Folgen von Inflation und Marktkonzentration“, stellt die BÖLW-Vorstandsvorsitzende Tina Andres fest. Die Koalition müsse deshalb in ihrer Agrarförder- und Wirtschaftspolitik deutliche Impulse für mehr Bio aus Deutschland setzen und – wie im Koalitionsvertrag versprochen – die Mittel für Forschung und Entwicklung für Bio deutlich erhöhen.

Sehr kritische Worte gibt es von Ophelia Nick, Grünen-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Mettmann und (geschäftsführende) Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Die neue Koalition ziehe die Handbremse für eine zukunftsfeste Landwirtschaft. Die schwierigen Fragen der Agrarpolitik würden im Koalitionsvertrag einfach ausgeklammert. Speziell kritisiert sie, dass das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz laut dem Papier nur noch ‚grundsätzlich reformiert‘ statt ausgeweitet werden soll, dass die geplante Förderung der Weidehaltung unkonkret bleibt und Grünland überhaupt keine Erwähnung findet. Ob die Vergabe von Geldern der Gemeinsamen europäischen Agrarpolitik (GAP) an Nachhaltigkeitskriterien geknüpft werden solle, stehe in den Sternen. „Ein wenig Glanz in das sonst so ideenlose Kapitel zu Landwirtschaft und Ernährung“ bringe lediglich das Bekenntnis der neuen Regierung zum Ökolandbau.

Der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) zeigt sich zufriedener mit dem Grundlagenpapier der neuen Regierung. Für die gentechnikfreie Lebensmittelwirtschaft und Verbraucher gebe es durchaus positive Signale. Zwar spricht sich der Vertrag dafür aus, dass die Anwendung Neuer Gentechnik „regulatorisch erleichtert“ werden soll, dies sei aber zu erwarten gewesen.

Als wichtiger betrachtet der Verband, dass Transparenz, Vorsorge und Selbstbestimmung für Verbraucher ausdrücklich adressiert würden. „Wir schützen den selbstbestimmten Verbraucher umfassend und vorsorgend“, heißt es im Papier. Und an anderer Stelle: „Verbraucherinnen und Verbraucher sollen selbstbestimmt entscheiden können. Wir unterstützen sie durch starke Rechte, Transparenz und Information, Beratung und Bildung, Schutz und Vorsorge.“

„Wenn die bisherige bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) neue Bundesagrarministerin wird, hat sie mit diesem Koalitionsvertrag eine gute Grundlage dafür, die ,Kennzeichnungspflicht von Pflanzen und Erzeugnissen aller NGT-Kategorien‘ umzusetzen, die sie erklärtermaßen ausdrücklich unterstützt“, erklärt VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting. Eine „vollkommen zügellose Gentechnik-Deregulierung“, wie die EU-Kommission sie wolle, könne die künftige Bundesregierung auf Basis dieses Koalitionsvertrags jedenfalls nicht unterstützen.

[ Artikel drucken ]

Ticker

Das könnte Sie auch interessieren

Bündnis fordert Maßnahmen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft

12-Punkte-Plan zum politischen Erntedank vorgestellt

Zum heutigen politischen Erntedank haben 20 Bio-, Umwelt- und Tierschutzverbände eine Zwölf-Punkte-Strategie für eine zukunftsfähige Ernährungs- und Agrarwirtschaft veröffentlicht. Gefordert wird die Honorierung von Umweltleistungen in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und die Abkehr von flächengebundenen Direktzahlungen. Die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur soll zügig umgesetzt und die Wiedervernässung landwirtschaftlich genutzter Moorflächen beschleunigt werden.

07.10.2025mehr...
Stichwörter: BÖLW, Agrarpolitik, Gemeinschaftsverpflegung, Ökolandbau, Verbraucherschutz, CDU, Koalitionsvertrag, Transparenz, GAP Gemeinsame EU-Agrarpolitik, Gentechnikfrei, Tierhaltungskennzeichnung, Agrarwende, SPD, VLOG, GAP, Öko-Forschung, BÖL, Ophelia Nick, Neue Gentechnik, Bio-Strategie

Bio-Empfang auf der Grünen Woche: Streit um Umweltstandards und Gentechnik

Bundesumweltminister pocht auf Honorierung von Umweltleistungen

Bio-Empfang auf der Grünen Woche: Streit um Umweltstandards und Gentechnik © BÖLW

Der 10. Bio-Empfang des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) auf der Grünen Woche in Berlin führte zu einem Schlagabtausch über richtige Wege in der Land- und Lebensmittelwirtschaft. Während Bundesumweltminister Carsten Schneider sich für die Honorierung von Umweltleistungen in der Agrarpolitik aussprach, warb das Bundeslandwirtschaftsministerium für gentechnische Lösungen. Alle Referenten hoben die Bedeutung der Bio-Branche für die Transformation der Landwirtschaft hervor.

20.01.2026mehr...
Stichwörter: BÖLW, Agrarpolitik, Gemeinschaftsverpflegung, Ökolandbau, Verbraucherschutz, CDU, Koalitionsvertrag, Transparenz, GAP Gemeinsame EU-Agrarpolitik, Gentechnikfrei, Tierhaltungskennzeichnung, Agrarwende, SPD, VLOG, GAP, Öko-Forschung, BÖL, Ophelia Nick, Neue Gentechnik, Bio-Strategie

Verbände fordern Kurswechsel für eine krisenfeste Landwirtschaft

BÖLW und AbL positionieren sich vor der Agrarministerkonferenz

Vor der am morgigen Mittwoch beginnenden Agrarministerkonferenz (AMK) fordern der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) die Stärkung einer krisenfesten Landwirtschaft. Der BÖLW betont die Bedeutung des Ökolandbaus für eine resiliente Lebensmittelwirtschaft, die AbL die Wichtigkeit von vielfältigen Landwirtschaftsbetrieben und regionalen Wirtschaftskreisläufen.

17.03.2026mehr...
Stichwörter: BÖLW, Agrarpolitik, Gemeinschaftsverpflegung, Ökolandbau, Verbraucherschutz, CDU, Koalitionsvertrag, Transparenz, GAP Gemeinsame EU-Agrarpolitik, Gentechnikfrei, Tierhaltungskennzeichnung, Agrarwende, SPD, VLOG, GAP, Öko-Forschung, BÖL, Ophelia Nick, Neue Gentechnik, Bio-Strategie

45 Organisationen fordern Ablehnung der neuen EU-Gentechnik-Verordnung

Bündnis pocht auf Kennzeichnungspflicht und Wahlfreiheit

13.01.2026mehr...
Stichwörter: BÖLW, Agrarpolitik, Gemeinschaftsverpflegung, Ökolandbau, Verbraucherschutz, CDU, Koalitionsvertrag, Transparenz, GAP Gemeinsame EU-Agrarpolitik, Gentechnikfrei, Tierhaltungskennzeichnung, Agrarwende, SPD, VLOG, GAP, Öko-Forschung, BÖL, Ophelia Nick, Neue Gentechnik, Bio-Strategie

GAP-Vereinfachung: Bio-Branche begrüßt Rückkehr zu ‚green by definition‘

AbL kritisiert „massiven Rückbau ökologischer Mindeststandards“

15.05.2025mehr...
Stichwörter: BÖLW, Agrarpolitik, Gemeinschaftsverpflegung, Ökolandbau, Verbraucherschutz, CDU, Koalitionsvertrag, Transparenz, GAP Gemeinsame EU-Agrarpolitik, Gentechnikfrei, Tierhaltungskennzeichnung, Agrarwende, SPD, VLOG, GAP, Öko-Forschung, BÖL, Ophelia Nick, Neue Gentechnik, Bio-Strategie

„Nur starke Bauern machen starken Umweltschutz“

Thomas Lang spricht bei Anhörung im bayerischen Landtag zur Agrarförderung

03.04.2025mehr...
Stichwörter: BÖLW, Agrarpolitik, Gemeinschaftsverpflegung, Ökolandbau, Verbraucherschutz, CDU, Koalitionsvertrag, Transparenz, GAP Gemeinsame EU-Agrarpolitik, Gentechnikfrei, Tierhaltungskennzeichnung, Agrarwende, SPD, VLOG, GAP, Öko-Forschung, BÖL, Ophelia Nick, Neue Gentechnik, Bio-Strategie