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Bio wächst – BÖLW fordert Kurswechsel in der Agrarpolitik

Hohe Bio-Anteile im Online-Handel

Der Bio-Umsatz ist im Jahr 2025 nach Schätzungen verschiedener Forschungsinstitute um acht bis zehn Prozent auf mehr als 18 Milliarden Euro angestiegen. Besonders im Online-Handel zeigen neue Zahlen des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hohe Bio-Anteile. Dennoch bremse die Politik den Ausbau des Ökolandbaus, kritisieren der BÖLW und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auf der Grünen Woche in Berlin.

Während der BÖLW den aktuellen Bio-Anteil im gesamten Lebensmittelmarkt auf rund 7,5 Prozent schätzt, hat der Verband für den E-Commerce weit höhere Anteile ermittelt: 28 Prozent für den Online-Lieferservice von tegut, 26 Prozent für Knuspr und 20 Prozent für Rewe.

Auch der Bio-Arbeitsmarkt wächst weiter. Laut einer Erhebung im Auftrag des BÖLW beschäftigte die Branche im Jahr 2024 388.000 Menschen – ein Anstieg von 2,1 Prozent im Vergleich zu 2023. Zusammen mit den Erneuerbaren Energien gebe Bio mehr Menschen Arbeit als die Autoindustrie – 794.000 versus 773.000. Dabei meldeten 36 Prozent aller befragen Bio-Unternehmen momentan offene Stellen und 46 Prozent planten Neu-Einstellungen.

Trotz des Runs auf Bio-Produkte hält der BÖLW die Erfüllung des Bio-Ziels Deutschlands von 30 Prozent Ökolandbau im Jahr 2030 für fraglich. Großes Potenzial für den Bio-Ausbau sieht der Verband in Trinkwasserschutzgebieten. Nach Berechnungen des Forschungsunternehmens Ecozept werden dort noch rund 1,84 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche konventionell bewirtschaftet. Würden diese Flächen auf Bio umgestellt, könnte der Anteil der Öko-Flächen in Deutschland von 11,4 Prozent (2024) auf über 22 Prozent steigen.

BDEW-Hauptgeschäftsführer Martin Weyand betont, der Ökolandbau trage systematisch zur Reduzierung von Nitrat- und Pestizideinträgen bei. Seit der Novellierung der Düngeverordnung von 2017 habe sich die Gewässerqualität kaum verbessert, was bereits heute zu höheren Kosten in der Trinkwasseraufbereitung führe. Ohne einen wirksamen rechtlichen Rahmen würden sich die Herausforderungen für Wasserversorger weiter verschärfen.

„Die Politik darf den Run auf Bio nicht verschlafen, sondern muss die Signale auf Öko stellen!”, fordert die BÖLW-Vorsitzende Tina Andres. Die Mittel der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) müssten strikt an Umweltleistungen geknüpft werden. In Deutschland seien die Gelder für das Bundesprogramm Ökologischer Landbau blockiert, weil Verpflichtungsermächtigungen im Haushalt zu niedrig angesetzt wurden, was Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer schnell korrigieren müsse. Gute Politik für den ‚Boom-Sektor Bio‘ bedeute, Auflagen und Förderung an kleinen und mittelständischen Unternehmen auszurichten.

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