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Forschung

Neue Methode kann Echtheit von Bio-Eiern nachweisen

Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik nutzt Kernspinresonanz-Spektroskopie

Neue Methode kann Echtheit von Bio-Eiern nachweisen © stock.adobe.com/yanadjan

Ein Forscherteam am Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik hat eine neue Methode entwickelt, um nachzuweisen, ob ein Ei wirklich von ökologisch gehaltenen Legehennen stammt. Mittels Kernspinresonanz-Spektroskopie wurden Eigelb-Proben analysiert und mit einer Datenbank mit Referenzspektren verglichen. So könne mit einer Messgenauigkeit von nahezu 100 Prozent die tatsächliche Haltungsform ermittelt werden, berichtet das Institut.

Die Forscher vom Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DLI) in Quakenbrück (Niedersachsen) haben rund 4.500 Eigelb-Extrakt-Proben mit Hilfe von 1H-NMR-Spektroskopie untersucht, mit der sich die Zusammensetzung detailliert aufschlüsseln lässt. So erhielten die Wissenschaftler Einblick ins sogenannte Metabolom des Eigelbs: die gesamten Stoffwechselprodukte, die im Dotter eingelagert sind.

Mittels Künstlicher Intelligenz wurden charakteristische Muster in den molekularen Profilen identifiziert, die sich mit den verschiedenen Haltungsformen verknüpfen lassen. Aus diesen Referenzspektren haben die Forscher eine Datenbank sowie ein Authentizitäts-Modell erstellt, das wiederum zum Abgleich mit noch unbekannten Eigelb-Proben diente.

Im Ergebnis ließ sich das Metaboliten-Muster im Eigelb ökologisch gehaltener Hennen eindeutig von denen aus konventioneller Haltung unterscheiden: Laut Bericht der Forscher ermöglicht die Methode mit einer Genauigkeit von 99,9 Prozent die richtige Zuordnung. Das Modell könne sogar Aufschluss über die Rasse der Legehennen geben (Genauigkeit 98,4 Prozent) und alle vier Haltungsformen (Bio, Freiland, Boden und Käfig) über das Ei identifizieren (zu 97,1 Prozent).

Die Forscher sehen in den Ergebnissen ein großes Potenzial für die Lebensmittelüberwachung – in Verdachtsfällen oder bei Stichprobenuntersuchungen durch Handel und Verarbeiter. Unternehmen könnten entsprechende Analysen beauftragen und damit zuverlässig prüfen, ob der Stempelcode auf der Eischale stimmt. So könne das Vertrauen der Verbraucher in die Echtheit von Bio-Eiern gestärkt werden.

Damit sich das Verfahren etabliert und aussagekräftig bleibt, müssten die Modelle mit weiteren Proben ergänzt und stetig aktualisiert werden. Das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik ruft daher Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Verbände auf, sich zu beteiligen, um die weitere Entwicklung und Anwendung des Analyse-Verfahrens voranzubringen.

Das Projekt ‚Analyse des Einflusses einer nachhaltigen und ökologischen Haltung von Legehennen auf die Eiqualität mittels 1H-NMR-Spektroskopie‘ wurde durch das Bundeslandwirtschaftsministerium über das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) gefördert.

Den Abschlussbericht finden Sie hier.

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