Start / Ausgaben / bioPress 116 - Juli 2023 / Bereit für höhere Fleisch- und Milchpreise?

Nachhaltigkeit

Bereit für höhere Fleisch- und Milchpreise?

TAPP-Koalition fordert neue Mehrwertsteuerregelung: null Prozent auf Obst und Gemüse, 19 Prozent auf tierische Produkte

Die niederländische ‚True Animal Protein Price Coalition‘, Koalition für einen wahren Preis für tierisches Eiweiß, hat in Berlin einen Aktionsplan mit politischen Maßnahmen vorgestellt, die darauf abzielen, die Lebensmittelpreise umzustrukturieren. So soll die Mehrwertsteuer auf Fleisch, Milchprodukte und Eier auf 19 Prozent gehoben werden und gleichzeitig für Obst und Gemüse komplett wegfallen. Laut eines Berichts des Marktforschungsunternehmens Ipsos wären 56 Prozent der deutschen Verbraucher bereit, einen höheren Preis für tierische Produkte zu zahlen, um die Preise für pflanzliche oder ökologisch erzeugte Lebensmittel zu senken.

Durch die vorgeschlagenen Steuersätze erhofft sich die TAPP-Koalition eine realistischere Preisgestaltung, die sich positiv auf die Gesundheit, das Klima, den Tierschutz und die Qualität der Landwirtschaft auswirkt. Den Landwirten werde es ermöglicht, auf nachhaltige Anbaumethoden umzustellen und ein besseres Einkommen zu erzielen. Gleichzeitig trage der Plan dazu bei, den Verzehr gesunder Lebensmittel zu erhöhen und den Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch zu reduzieren, was die öffentliche Gesundheit fördere und die Gesundheitskosten senke.

Die TAPP-Koalition übergab den Vorschlag und den Ipsos-Forschungsbericht Ende Mai an Christiane Seidel, Leiterin des Teams Lebensmittel beim Bundesverband der Verbraucherzentrale (vzbv).
Der Vorschlag der TAPP-Koalition in Kurzform:

  1. Null Prozent Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse sowie gesunde/nachhaltige Lebensmittel
    Dieser Satz soll auch für pflanzliche Fleisch- und Milchersatzprodukte, Nüsse, Brot, Vollkornprodukte und ökologische Lebensmittel gelten.
  2. Ein fairer, etwas höherer Preis für Fleisch, der alle Kosten mit einschließt
    Entweder durch die Anwendung eines fairen Fleischpreises, bei dem alle Umweltkosten wie CO2 mit einbezogen werden, oder durch die Anwendung des normalen Mehrwertsteuersatzes.
  3. Finanzieller Ausgleich für Gruppen mit niedrigem Einkommen
    Für einkommensschwache Haushalte wird ein Ausgleich gewährt, um sicherzustellen, dass sich alle Verbraucher den Kauf von Fleisch zu seinem tatsächlichen Preis leisten können. Sie sollen 120 Euro pro Jahr und Kopf erhalten, in Form von Geld oder in Form von kostenlosen Lebensmittelgutscheinen, wie es sie bereits im Vereinigten Königreich gibt.
  4. Subventionen für Landwirte
    Die Tierhalter sollen mindestens 10.000 Euro zusätzlich pro Jahr erhalten, wenn sie nach höheren Standards für Tierschutz und/oder Nachhaltigkeit produzieren.
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