Bier

Die Bio-Brauer

Nordbayern ist die Hochburg des Öko-Bieres

Marktführer unter den Bio-Brauern ist Neumarkter Lammsbräu. Der Familienbetrieb füllt jährlich 60.000 Hektoliter ab. Das Riedenburger Brauhaus und Pinkus aus Münster teilen sich mit 20.000 Hektoliter Ausstoß Platz zwei und drei. Pinkus hat seinen Vertriebsschwerpunkt im Westen und Norden der Republik. Die kleineren Mitspieler sind meist nur regional präsent. 50 Bio-Brauereien kennt Bioland. Etwa 20 spielen eine Rolle als Lieferanten für den Handel. Die anderen sind Brauerei-Gaststätten. Die Branche ist noch klein und überschaubar.

Hochburg der Öko-Brauer ist das nördliche Bayern. Hier sind mit Neumarkter Lammsbräu, Riedenburger, der Klosterbrauerei Weissenohe, Rother Bräu, der Privatbrauerei Peter und der Brauerei Hermann Michael ein Großteil der Hersteller angesiedelt. Bayern hat mit 620 die höchste Brauerei-Dichte mit überwiegend kleinen Familien-Betrieben. Sie finden in Bio eine Nische, um ihre Existenz im scharfen Wettbewerb zu sichern. Einige wenige haben sich ganz auf das biologische Brauen verlegt, die Mehrzahl sind Mischbetriebe.

Riedenburger mit breitem Sortiment

Das breiteste Sortiment führt das Riedenburger Brauhaus mit 16 Bieren. Neben den sieben bayerischen Klassikern und fünf Spezialitäten braut Michael Krieger in Kooperation mit der Benediktinerabtei Plankstetten noch vier weitere Spezialbiere wie Dunkles und Dinkel. Getreide und Hopfen liefern Bioland-Bauern an. Das Brau-Wasser sprudelt aus dem eigenem Tiefbrunnen und die Hefe stammt aus eigener Reinzucht. Zum Konzept gehört auch, dass die Biere grundsätzlich naturtrüb abgefüllt werden, dadurch bleiben sie frisch im Geschmack und sind bekömmlich. „Ökologisches Bier rechtfertigt allemal den etwas höheren Preis durch die Hochwertigkeit der Zutaten" so Krieger.

Das Familienunternehmen kehrt zu Urgetreide, reicher an Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen, zurück. Einkorn-Edelbier aus Einkorn- und Gerstenmalz, oder Fünf-Korn-Urbier aus Einkorn, Emmer, Dinkel, Weizen und Gerste, das an frisches duftendes Brot erinnert, sind etwas für Bier-Kenner. Geschäftsführer Krieger präsentiert sein Unternehmen auf dem Kölner Bio Handelsforum im September.

Marktführer Neumarkter hat mit 14 Sorten ebenfalls ein breites und tiefes Bier-Angebot. Mit fünf Weizenbieren steht das Unternehmen in der bayerischen Bier-Tradition. Inhaber Dr. Franz Ehrnsperger hat zur BioFach ein alkoholfreies Weizenbier vorgestellt. Ein isotonisches Getränk, das Sportler, Gesundheitsbewusste und Frauen anspricht und dessen Wirkung wissenschaftlich belegt ist. Die Oberpfälzer mälzen ihr Getreide selbst. Das können, ob der kleinen Mengen, nur die wenigsten Bio-Brauereien leisten. Die Schwankungen bei kleinen Chargen lässt das Bier jede Woche anders schmecken. Bei einem mehrstufigen Vertrieb im Handel funktioniert das nicht. Das Malz kommt meist von der Bioland-Mälzerei Weyermann in Bamberg.

Bier im Barrique gereift

Die Klosterbrauerei aus Weissenohe bei Nürnberg ist 2002 ins Bio-Geschäft eingestiegen. Mit 25 Prozent Umsatz-Anteil hat es schnell eine große betriebswirtschaftliche Bedeutung erlangt. Urban Winkler braut drei Sorten. Das Classic Export Bier, das Mischgetränk Cannabis Club und die Spezialität Barrique. Das Classic wird überwiegend regional über die konventionellen Verkaufskanäle vertrieben. Das Barrique in der 0,75 Liter Tonflasche mit Kronkorken und anhängendem Bügelverschluss in der Holzkiste ist die Spezialität für den Fachhandel. Das Cannabis Club wird für „Hanf und Natur", ein Vermarkter von Hanf-Lebensmitteln, produziert.

Allerdings sind die Franken im Fachhandel noch nicht flächendeckend gelistet. „Es ist generell leichter im konventionellen Getränkehandel Fuß zu fassen, da hier die Besonderheiten wie Pfandhandling, Lagerhaltung, Parkplätze, geeignete Einkaufswagen besser ausgerichtet ist als im Naturkosthandel", urteilt Braumeister Winkler. Auch die Kalkulationen lassen „die Kirche im Dorf".

Probeausschank, Werbung, Dreingaben, Rabatt-Aktionen, Präsentationen auf Messen fördern den Absatz. Die Brauerei ist zum Beispiel beim 2. Bio Handelsforum in Köln vertreten. Kommuniziert werden als Ziele die Wahrung der Natur durch ökologische Landwirtschaft, die Unterstützung der heimatlichen Mittelstandes und die Pflege traditioneller Braukunst.

Rother Bräu aus Hausen in der Rhön bietet vier Bio-Biere an: Öko Urtrunk, Öko Ur-Weizen, Öko Bier & Apfel und Öko Ur-Pils. Die Biere werden im Lebensmitteleinzelhandel, zum Beispiel bei tegut aus Fulda mit insgesamt 300 Filialen in Hessen, Thüringen und Bayern und im Getränkefachhandel, unter anderem von den Logo-Märkten vertrieben. Den Naturkosthandel erreichen die Rother über Dennree in Töpen. Die Brauerei kann sich weitere Kunden im klassischen LEH vorstellen, wenn die Konditionen stimmen. Neu auf dem Markt ist der Urtrunk in der Bügelflasche und mit Öko Bier & Apfel ist auch ein BiMi im Programm mit Apfelsaft aus der Rhön und einem Alkoholgehalt von 3,1 Prozent. „Da ist unsere Antwort auf das Radler", betont Juniorchef Xaver Weydringer.

Der Verkauf wird durch den Besuch von Messen, klassische Zeitungswerbung, und die Hauszeitung „Bierkurier" gefördert. Die Rohstoffe werden im Biosphärenreservat Rhön eingekauft. Damit wird auf direktem Weg etwas für den Umweltschutz getan. Ein Argument, dass auch gegenüber dem Handel und Verbraucher benutzt wird. Die Zukunft sieht Weydringer positiv.

Der Getränke-Betriebswirt Michael Ott übernahm 2001 die kurz vor der Schließung stehende Adlerbrauerei in Göggingen. Die Brauerei besaß die Markenrechte an Binger Lammbräu und produzierte neben ihren traditionellen Bieren auch die drei Sorten Bioland-Pilsner, Bioland-Woiza und Bioland-Schwarzes Schäfle sowie das in Lizenz gebraute Öko-Vollmondbier. Vor allem durch die Zusammenarbeit mit den regionalen Naturkost-Großhändlern Rinklin, Pax An und Bodan gewann die Marke wieder an Bedeutung und kann heute auf sehr gute Zuwachsraten blicken. Daneben werden kleinere Kunden im direkten Umfeld der Brauerei beliefert. Neu ist die Zusammenarbeit mit diversen Edeka-Händlern, die in ihren Aktiv-Märkten mehr und mehr auf regionale Produkte setzen und dem Verbraucher echte Spezialitäten bieten. So ist das Bioland-Pilsner in der traditionellen Bügelflasche jetzt auch über die Edeka-Großlager in Balingen erhältlich. In der Verkaufsförderung setzt die Brauerei auf klassische POS-Plakate und einen Sechser-Träger, den die Händler auf Wunsch mitbestellen können. In Zukunft will Ott mit seinen Bieren verstärkt in der Gastronomie aktiv werden. „Wir sind sehr zufrieden mit den Absätzen und sehen weiteren Steigerungen positiv entgegen", zieht Prokurist Berthold Porath Bilanz.

Mit BiMi auf dem Vormarsch

Die Härtsfelder Familienbrauerei Hald aus Dischingen auf der schwäbischen Alb produziert derzeit ÖkoKrone Export, ÖkoKrone Light, ÖkoKrone Weizen, die Bier-Misch-Getränke Cheer - Cherry+Beer und Cannabis mixed BEER. Die Biere werden in Mehrweg-Gebinden 20x0,5 bzw. 20x0,33, die Bier-Mischgetränke in 20x0,33 Liter angeboten. Regional wird an konventionelle Lebensmittel- und Getränkefachmärkte geliefert. Mit den neuartigen Bier-Misch-Getränken „Cheer" und „Cannabis mixed BEER" haben die Schwaben die junge Generation und die Frauenwelt erreicht. Weitere Kompositionen werden folgen.

Verbindung aus Regionalität und Handwerk

Härtsfelder überzeugt die Verbraucher mit Gratisproben von der hervorragenden Bio-Qualität seiner Biere. Der Verbraucher soll und muss wissen, woher die regionalen und nationalen Produkte kommen. Regionale Rohstoffe werden in Verbindung mit alter Handwerkskunst und neuester Technik im Einklang mit der Natur verarbeitet. Nachhaltiges Wirtschaften vom Acker bis hin zum Transport zur Endverkaufsstelle, damit auch unsere Nachfolge-Generationen noch was von unserer „Mutter Erde" haben, zählt zu den Firmengrundsätzen.

Grundsätzlich ist die Brauerei am Vertrieb im LEH interessiert, aber es muss für alle Beteiligten eine Wertschöpfung darstellen. Eine starke Nachfrage besonders nach den neuen Biermischgetränken besteht auch in Deutschland, wie Inhaber Christoph Hald auf der BioFach erlebt hat. „Nur sehen es eben die deutschen Bio-Großhändler, welchen es anscheinend noch immer sehr gut geht, nicht ein, solche interessante Artikel neu ins Sortiment aufzunehmen", beklagt sich Hald. Für ihn liegt die „Bio-Zukunft" mehr und mehr im Ausland, da hier die Wertigkeit von deutschem Bio-Bier wesentlich höher angesiedelt ist als in Deutschland.

Demeter-Bier von Pinkus Müller

Falls Anfragen aus dem klassischen Handel kommen bietet Pinkus aus Münster sein gesamtes Programm
an; es gibt keine Zweitmarken für den konventionellen Handel. Im Münsterland ist Pinkus in vielen Supermärkten und örtlichen Getränke-Verlegern etabliert. Alle bekannten Bio-Großhändler vertreiben das Bier.

Die Brauerei aus Münster in Westfalen stellt zehn Sorten Bio-Bier her. Für Friedhelm von Mering , Ressortleiter Verarbeitung bei Bioland, die klassische Brauerei mit den üblichen Sorten Pils, Weizenbier, Helles, Dunkles und Leicht. „Pinkus ist der Platzhirsch in Norddeutschland", urteilt von Mering. Die Münsteraner brauen auch ein alkoholfreies Bier und bieten als eine der wenigen Alt an, ein obergäriges, dunkles Bier, das überwiegend im Westen der Republik genossen wird. Das weltweit erste Bier mit dem Demeter-Warenzeichen, ist ein naturtrübes Lager aus der Münsteraner Bio-Brauerei.

Durch Einführungsaktion mit Pressebeteiligung, flankierende Maßnahmen am POS und in der Gastronomie sowie dem Besuch von Fach- und Hausmessen wird der Verkauf unterstützt.

Pinkus ist ein reiner Bio-Betrieb. Für viele Brauereien ist Bio ein Zusatzgeschäft zum konventionellen Produkt. Die Verhandlungen mit dem LEH scheitern oft am Preis. Diplom-.Brauingenieur Friedhelm Langfeld beharrt aber auf seiner Qualitätsstrategie. „Unser Erfolg ist stark daran geknüpft. Die Qualität und der Geschmack unserer Biere ist das beste Kundenbindungsinstrument", so Langfeld.

Bio-Bier hat Zukunft

Der Hirschbräu aus Sonthofen liefert unter der Marke Allgäuer Öko-Bier ein Export in der 0,5 Liter Bügelverschlussflasche und im Holzkasten. Die Allgäuer verkaufen im Getränkefachhandel und arbeiten mit klassischen Werbemaßnahmen wie Anzeigen, Fugblattwerbungen, Sonderplatzierungen mit Sechser Probierträgern, WKZ für Verkaufsförderungsmaßnahmen, Kistenzugaben, Gratisproben, Verkostungen, Kundendurchgänge etc. Am Vertrieb im LEH besteht Interesse. Marketingleiterin Ruth Zenz sieht ein großes Zukunftspotenzial für das Bio-Bier.

Seit 2004 füllt die Brauerei Hermann Michael aus Weißenstadt im Fichtelgebirge auch biologisch. Sie tauften die nach Bioland-Richtlinien hergestellten Biere Luchs nach dem Raubtier, das im Fichtelgebirge wieder heimisch wird. Die drei Sorten Pils, Dinkel und Hefeweißbier werden angeboten. Das Weizenbier ist in der 0,5 Liter-Flasche. Die beiden anderen in der 0,33 Liter Flasche. Vertrieben wird im Naturkosthandel, LEH und in der Gastronomie. Weißbräu Unertl aus Mühldorf, ebenfalls ein Bioland- Verarbeiter, braut ein Dinkel-Weißbier. Spezialitäten sind ein Weißbier Brand, der in Tonfässern reift und ein Weißbier-Likör.

Auch 2006 gab es einen Neueinstieger: Die Privatbrauerei Peter aus Ostheim v. d. Rhön vier Sorten unter der Marke Rhöner herausgebracht, das national angeboten wird. Es gibt Premium Pils, Schwarzer Peter und die Mischgetränke Rote Holle und Gelbe Lili mit Bionade Hollunder bzw. Litschi. Bio bringt die so oft vom Handel geforderten Innovationen, bunt abwechslungsreich und im Trend.

Anton Großkinsky


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