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Mehrwert in Mehrweg

Der Bio-Getränkehersteller Voelkel präsentiert Innovationen in der Glasflasche

Mehrwert in Mehrweg
Seit Anfang der 80er Jahre leitet Stefan Voelkel (r.) die Geschäfte der Naturkostsafterei. Seine Söhne David, Boris, Jurek und Jacob (v.l.n.r.) sind alle mit im Boot des Familienunternehmens. Reisen durch die Welt liefern ihnen Inspiration für um die 30 neue Produkte pro Jahr.

Die Voelkel Naturkostsafterei gehört zu den ältesten Bio-Pionieren und ist heute der größte Produzent von Bio-Säften in Deutschland. Mit einem Sortiment von über 200 Artikeln liefert der Hersteller neben Obst- und Gemüse-Säften mittlerweile auch Erfrischungsgetränke, Punsch und Pflanzendrinks. Zu Bio- und Demeter-Qualität gibt es fast alle Produkte in nachhaltigen Mehrweg-Glasflaschen.

Direkt an der Elbe im niedersächsischen Dörfchen Pevestorf hat Voelkel seinen Unternehmenssitz. Die Gründer Karl und Margret Voelkel waren einst Teil der Wandervogelbewegung und haben sich schon früh mit den Anbaumethoden der biologisch-dynamischen Landwirtschaft beschäftigt. Bereits in den 20er Jahren begannen sie mit der Pressung und Gärung von Äpfeln und zogen mit einem mobilen ‚Mostmax‘ über die umliegenden Dörfer, wo sie Streuobstwiesen-Äpfel pressten und haltbar machten. Mit dem Erwerb einer alten Meierei folgte dann 1936 die offizielle Geburtsstunde der Naturkostsafterei.

In dritter Generation leitet heute Stefan Voelkel gemeinsam mit der vierten Generation, seinen Söhnen Boris, Jacob und Jurek, sowie dem Finanzchef Christian Harder das Unternehmen. Ebenfalls in der Firma arbeiten der vierte Sohn David und die Mutter der Söhne - Grita. Aktuell liegt der Umsatz bei rund 95 Millionen Euro. Zusätzlich zur Bio- und teilweise Demeter-Qualität hat sich Voelkel aufgrund des Nachhaltigkeitsgedankens der Verpackung in Mehrweg-Glasflaschen verschrieben. Als „Niedersachsens größte Spülmaschine“ bewirbt der Hersteller seine neue Flaschenwaschmaschine, die nur halb so viel Energie verbrauche wie ihre Vorgängerin und pro Stunde 22.000 Flaschen waschen kann.

Hafer, Bio, Mehrweg

Die bisher erfolgreichste Produkteinführung in seiner langjährigen Unternehmensgeschichte ist Voelkel laut eigenen Angaben 2020 mit dem neuen Haferdrink in der Mehrwegflasche geglückt. 200.000 Flaschen werden davon jeden Monat verkauft. Seit letztem Jahr trägt das Getränk das Demeter-Siegel und wurde mittlerweile um die Sorten Barista, Mandel und Calcium ergänzt. „Die Milchalternativen sind aktuell die größten Umsatztreiber im Biohandel“, erklärt der 31-jährige Jurek Voelkel, der in der Geschäftsführung für den Bereich Marketing und Vertrieb zuständig ist. Die Sparte soll daher noch enorm ausgebaut werden.

Seit Anfang des Jahres erweitert mit der ‚Hafer Cuisine‘ eine vegane Sahne mit regionalem Hafer aus Deutschland das Sortiment. Viel Anklang erhofft man sich außerdem vom ‚Hafer Golden Kurkuma‘, ebenfalls seit Januar erhältlich. Das sei ein tolles Lifestyle-Produkt und sehr beliebt unter Influencerinnen. Jetzt im Frühjahr sollen die Geschmacksrichtungen ‚Hafer Kakao‘ und ‚Hafer Vanille‘ auf den Markt kommen. „Den Kakao beziehen wir aus fairem Handel und gesüßt wird mit Ahornsirup“, so Voelkel. Anders als die Konkurrenz verwende man für den Vanille-Drink echte Bourbon-Vanille. Als weitere Milchalternative sei gerade ein Reis Drink unterwegs.

Für das Pfandsystem der Pflanzendrinks musste Voelkel eine eigene Pfandkiste konzipieren, da der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie die Pool-Kisten nur für Fruchtsaft und nicht für Pflanzendrinks vorsieht. Das sei eine riesige Investition gewesen. „Die Kisten und Flaschen kommen monatelang nicht zurück und das Geld ist erstmal weg“, legt Jurek Voelkel offen. Die Innovation bedeute für das Unternehmen daher zunächst einen wirtschaftlichen Nachteil.

Neue Shots, Säfte und Süßungsmittel

Als weitere besondere Neuheit neben den Pflanzendrinks hat Voelkel im vergangenen Herbst das nach eigenen Angaben erste Süßungsmittel in Mehrweg auf den Markt gebracht: einen Ahornsirup ohne Zusätze aus Kanada. Fürs Immunsystem gibt es neu einen Direktsaft aus Aroniabeeren, die von lokalen Erzeugern stammten.

Seit letztem Dezember erfüllen sortenreine Demeter-Apfelsäfte aus Topaz, Elstar oder Jonagold mit edler Flascheneinprägung Verbraucherwünsche nach heimischen Produkten . Ebenfalls seit Dezember finden Kunden einen gekühlten Mehrweg-Orangensaft in den Regalen. „Er ist schon noch erhitzt, aber schonender“, so Jacob Voelkel, in der Geschäftsführung für die Produktion verantwortlich. Im Unterschied zu ungekühlten Säften, für die ein Jahr Haltbarkeit garantiert wird, solle der neue Saft innerhalb von sechs Monaten getrunken werden, dafür mache sich die schonende Bearbeitung im Geschmack bemerkbar.

Nach dem Erfolg seiner Ingwer-Demeter-Shots führte Voelkel im März 2021 eine nachhaltigere Variante in der großen 0,75-Liter-Mehrwegflasche ein. „Der Handel wünscht sich jedoch auch die kleinen 60-ml-Shots als Impulsware an der Kasse“, erklärt Voelkel. Als Zwischenlösung bietet das Unternehmen jetzt neu auch eine Variante in der kleinen 0,2-Liter-Mehrwegflasche – praktisch zum Mitnehmen für unterwegs und trotzdem nachhaltiger als die Einwegfläschchen.

„Wir machen bei Voelkel 30 neue Produkte pro Jahr“, kommentiert Voelkel die Vielfalt der Innovationen. Da die Entscheidung über Neuheiten ausschließlich bei der Inhaber-Familie liege, gehe der Prozess viel schneller als bei anderen Unternehmen. Der Senior und di Voelkel-Geschwister holten sich bei Reisen durch die Welt Inspiration für Neues. Die Entwicklung gehe dann manchmal innerhalb weniger Wochen vonstatten.

Faire Preise, Gemeinwohl und Ökolandbau

Schon für die erste Generation des Familienbetriebs hätten soziale Fragen im Vordergrund gestanden, so erzählt Jurek Voelkel. Ende 2020 hat das Unternehmen eine erste Bilanzierung nach den Kriterien der Gemeinwohl-Ökonomie veröffentlicht. Mit 584 von 1.000 Punkten, die nach Kriterien wie Menschenwürde, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Transparenz vergeben werden, konnte Voelkel ein für das erste Audit überdurchschnittliches Ergebnis erzielen. Die Skala beginnt bei minus 3.600.

„Wir stehen voll dahinter, aber auch das ist viel Aufwand und kostet Geld“, so Voelkel. Man arbeite daran, den Grund für den im Vergleich zu Massenware höheren Preis der Produkte transparent zu kommunizieren. Auch das Marketing lässt das Unternehmen sich einiges kosten. Auf dem youtube-Kanal finden sich aufwendig produzierte Videos, Voelkel arbeitet mit nachhaltigen Influencern zusammen und finanziert attraktive Marketing-Kampagnen, die auf die Bedürfnisse des Fachhandels zugeschnitten seien, so etwa eine Veganuary-Aktion für Anfang 2022.

„Den größten gesellschaftlichen Einfluss haben wir darüber, was wir für Rohwaren ausgeben“, erklärt Boris Voelkel, der in der Geschäftsführung den Einkauf verantwortet. Das jährliche Einkaufsvolumen des Unternehmens liegt bei 60 Millionen Euro. Über faire Preise, langfristige Verträge und direkten Kontakt mit den Bauern könne Voelkel am meisten zur sozialen Gerechtigkeit beitragen.

Darüber hinaus engagiert sich der Familienbetrieb bei Initiativen wie ‚Bio hilft‘, die griechische Flüchtlingsstätten mit Lebensmitteln unterstützt, oder den Kältebussen für Obdachlose in Hamburg und Hannover. „Das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber jeder sollte ein bisschen etwas tun“, so Boris Voelkel.

Vor zehn Jahren hat die Familie eine sogenannte Purpose-Stiftung ins Leben gerufen, in der sich nun 90 Prozent des Unternehmenseigentums befindet. Damit soll die ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Produktion des Herstellers langfristig gesichert werden. Weitere zehn Prozent der Anteile an der Voelkel GmbH hält die gemeinnützige Stiftung ‚Verantwortung für Mensch und Natur‘, mit der soziale Projekte und der Ökolandbau gefördert werden. 90 Prozent des Gewinns fließen so zurück ins Unternehmen und die Mitarbeiter, 10 Prozent werden satzungsgemäß für gemeinwohlorientierte Zwecke gespendet.

„Mehr Ökofläche geht nur mit mehr Marktanteil“, so Jurek Voelkel. Dafür brauche es Veredler wie den Getränkehersteller. Und es brauche auch mehr Masse und Breite – ein Grund für Voelkel, seine Aktivitäten über den Naturkostfachhandel hinweg auszuweiten. „Der LEH prägt die Bio-Vorreiter von übermorgen“, so die Einschätzung des Juniorchefs. Fast jeder Bio-Großhändler liefere bereits an den konventionellen Einzelhandel. Solange man die Produkte nicht „verramscht“, sieht Voelkel darin kein Problem.

Was nicht bedeute, dass sich der Schwerpunktmarkt des Herstellers in Zukunft ändern soll. „Der Fachhandel hat uns groß gemacht“, betont Voelkel und fühlt sich weiterhin zu Treue verpflichtet. Man habe mit Edeka als Partner im Südwesten bislang positive Erfahrungen gemacht, aber Gerüchte über eine nationale Listung seien falsche Diffamierung. Der im LEH erzielte Umsatz liege aktuell erst bei acht bis neun Prozent.

Vom Fachhandel wünscht sich Voelkel, den Mehrwert der Produkte in den Vordergrund zu stellen. Eine vielfältige Auswahl – anstatt denselben Essig von fünf verschiedene Marken zu bekommen – bedeute für den Endverbraucher echten Nutzen.

Zur Zusammenarbeit mit jedem selbstständigen Bio-Händler sei die Naturkostsafterei zudem immer gerne bereit. „Ich hoffe wirklich auf eine Stärkung selbstständiger Einzelhändler“, so Voelkel. Die Kaufleute, mit denen der Hersteller zusammenarbeitet, seien im Geschäft am erfolgreichsten. Und am Ende gewinne das System, das Kundenbedürfnisse am flexibelsten erfüllen kann.

Lena Renner
 


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