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Forschung

Hanf als innovative Quelle für pflanzliches Eiweiß

Neues Forschungsprojekt der Uni Hohenheim

Hanf als innovative Quelle für pflanzliches Eiweiß © Universität Hohenheim / Corinna Schmid
Hanf hat Zukunft: Forscherinnen der Uni Hohenheim wollen zusammen mit dem Unternehmen Signature Products innovative Verfahren für die Produktion proteinreicher Lebensmittel aus regional angebautem Hanf entwickeln.

Eine überwiegend pflanzliche Ernährung gilt als gesünder für Mensch und Umwelt und der Markt für pflanzliche Proteinquellen wächst. Forscherinnen der Universität Hohenheim in Stuttgart haben sich nun mit dem Hanf-Verarbeiter Signature Products in Pforzheim zusammengetan, um Hanf-Samen als neue Eiweißlieferanten für die menschliche Ernährung zu erschließen. Im Projekt ‚SchniTzel, Hanftofu, PASTa & Co aus dem Reallabor Hanf – proteINbasierte Lebensmittel aus regiOnalem Hanfanbau‘ (TASTINO) entwickeln sie neue Verfahren für proteinreiche vegane Hanf-Lebensmittel.

„Die Hanf-Samen weisen bis zu 25 Prozent Protein auf, dessen Zusammensetzung der von Eiklar gleicht. Es enthält alle essentiellen Aminosäuren und weist damit eine hohe biologische Wertigkeit auf“, beschreibt Dr. Forough Khajehei, Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe Anbausysteme und Modellierung, die Vorteile von Hanf-Protein. „Es ist zudem leicht verdaulich und hat eine wünschenswerte, zähe, fleischähnliche Textur, die im Mund das Gefühl erzeugt, auf Fleisch zu beißen.“

Doch nicht jede Hanfsorte sei für jedes Produkt geeignet. Insgesamt testen die Wissenschaftlerinnen der Universität Hohenheim auf den Versuchsflächen des Ihinger Hofs bei Renningen derzeit rund 20 Sorten. Dabei interessieren sie sich beispielsweise dafür, wie die idealen Anbaubedingungen aussehen müssen, ob die Pflanzen für Krankheiten anfällig sind oder wie hoch der Ertrag ist. Ihr spezielles Augenmerk gilt aber den Inhaltsstoffen der Samen, insbesondere der Proteinzusammensetzung und dem Öl. Dadurch können sie ermitteln, welche Hanfsorten für welche Produkte am besten geeignet sind.

Für das Projekt kooperieren die Wissenschaftlerinnen am Institut für Kulturpflanzenwissenschaften der Universität Hohenheim mit einem der großen Hanfzulieferer in Europa, der zunächst in Form eines sogenannten Reallabors verschiedene Technologien oder Geschäftsmodelle unter realen Bedingungen erproben und zur Marktreife bringen wird.

Die Signature Products GmbH organisiert in Zusammenarbeit mit Landwirten, regionalen Verarbeitern, Vertretern der Gastronomie und des Lebensmitteleinzelhandels in Baden-Württemberg die vollständige regionale Wertschöpfungskette. So kümmert sich das Unternehmen um den gewerbsmäßigen Anbau des Hanfs, die Verarbeitung der Hanfsamen zu Protein und die Lebensmittelentwicklung sowie Abfüllung und Vertrieb.

Letztendlich soll das Projekt helfen, regionale Stoffkreisläufe zu schließen und die starke Nachfrage nach hochwertigen, protein-basierten, regional erzeugten Lebensmitteln zu erfüllen. Ein weiteres Ziel ist die Selbstversorgungsfähigkeit der Bevölkerung in Baden-Württemberg zu steigern und zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen. Parallel untersuchen die Forscherinnen auch die gesellschaftliche und wirtschaftliche Nachhaltigkeit sowie die Akzeptanz der Produkte durch den Verbraucher oder die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die Ergebnisse sollen in Empfehlungen für politische Entscheidungsträger münden.

Das Projekt wird vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) im Rahmen des Bioökonomie Innovations- und Investitionsprogramms für den Ländlichen Raum (BIPL BW) mit rund ein Million Euro gefördert. Davon entfallen rund 365.000 Euro auf die Universität Hohenheim.


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