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Faszination Regenwurm

Über Humusaufbau, Tauwurm und Bodenbearbeitung

Regenwürmer sind wahre Multitalente und tun alles Erdenkliche für ein ungestörtes, gesundes Pflanzenwachstum. Für die Aufrechterhaltung wichtiger Bodenfunktionen sind sie unverzichtbar. Der Bodenexperte Christoph Felgentreu, Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft gesunder Boden e.V., beleuchtet in einem Artikel die wichtigsten Funktionen und Arten des Regenwurms und klärt über die richtige Bodenbearbeitung auf.

Regenwürmer durchmischen, durchlüften und entwässern den Boden. Sie bauen Röhren für eine schnelle und tiefe Durchwurzelung, unterstützen die Schädlingsabwehr von Pflanzen und entsorgen Schadstoffe. Dazu sind sie für die Mineralisierung, die Lebendverbauung sowie die Steuerung der Bodenbiologie verantwortlich. Eine ihrer wichtigsten Funktionen ist der Humusaufbau. 600 Regenwürmer wandeln von Herbst bis Frühjahr pro Quadratmeter bis zu 80 Dezitonnen Ernterückstände in Wurmhumus um.

Weltweit gibt es mehr als 7.000 Regenwurm-Arten mit ihren speziellen Eigenschaften sowie Lebens- und Ernährungsweisen. Laut Felgentreu unterscheidet man in Mitteleuropa im Wesentlichen drei Lebensformtypen:

Die epigäischen Streubewohner leben von den abgefallenen Blättern der Laubbäume und sind für den Ackerbau nicht interessant. Endogäische Arten sind flachgrabend. Sie nehmen unter feuchten Bedingungen Bodenpartikel auf und leben von allem, was im Boden an bereits zerkleinertem oder vorverdautem organischen Material vorhanden ist. Sehr wichtig für den Ackerbau sind die anözischen, tiefgrabenden Arten. Sie leben in 1,5 bis 2 Metern Tiefe und ernähren sich ausschließlich von der Streu auf der Bodenoberfläche.

Dabei könne die Landbewirtschaftung den Regenwürmern zum Verhängnis werden. Durch die Bodenbearbeitung werden die flachgrabenden Arten dezimiert und die wichtigen Tiefgräber finden kaum und vor allem nach dem Einsatz vom Pflug im Herbst keine Nahrung.

Felgentreu rät daher, besonders in der aktiven Zeit von Mitte September bis Mitte Juli auf eine tiefe und häufige Bodenbearbeitung weitgehend zu verzichten. Gut für die Regenwürmer sei eine weite Fruchtfolge mit möglichst langen Phasen von Bodenruhe. Auch Gärtner sollen so flach wie möglich arbeiten und dabei eine Grabegabel und keinen Spaten benutzen. Es empfehle sich, die Fläche nach der Bearbeitung wieder mit ein wenig Mulch abzudecken und den Boden immer schön feucht zu halten.

Eine besondere Bedeutung misst Felgentreu dem bekannten Tauwurm (auch Gemeiner Regenwurm) bei. Bevor dieser organisches Material in seine Wohnröhre zieht, ‚weidet‘ er es regelrecht ab und macht es so frei von krankmachenden Keimen. Gleichzeitig ‚beimpft‘ er das Stroh mit Lombricin, einem Enzym, welches synthetisierende Bakterienarten fördert und abbauende Arten wie etwa Fäulnisbakterien hemmt. Die Röhren des Wurms sind wichtig für die Infiltration von Wasser, für den Wurzeltiefgang der Pflanzen und den Gasaustausch bis in tiefe Bodenschichten.

Ein anderer bekannter Vertreter der Regenwürmer ist der Kompostwurm, der alles frisst, was ihm an anorganischem Material angeboten wird (wie Mist, Küchen- und Gartenabfälle). Heute wurde der Kompostwurm regelrecht domestiziert und es gibt überall auf der Welt Kompostwurmfarmen.


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