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Corona/Ausbeutung

Jetzt trifft es auch die PHW-Gruppe

Corona bringt Praktiken der Schlachtbranche immer mehr in die Diskussion

Von heute an werden rund 1.100 Mitarbeiter im niedersächsischen Puten-Schlachtbetrieb Geestland in Wildeshausen auf eine Corona-Infektion getestet. Bei einer Stichprobe war bei über zwanzig Mitarbeitern das Virus gefunden worden. Geestland gehört zur PHW-Gruppe, bekannt für die Marke Wiesenhof.

Das Image der Schlachtbranche wurde in den vergangenen Monaten immer schlechter. Die dort herrschenden Arbeits- und Wohnbedingungen, vor allem die Branchen-üblichen Werkverträge, sind durch Corona wieder einmal in den Blick von Öffentlichkeit und Politik geraten.

Schon Mitte April wurden zunächst rund 300 Beschäftigte von Müller Fleisch in Birkenfeld positiv auf das SARS-CoV-2-Virus getestet. Im Mai 2020 wurden über 80 weitere Virusinfektionen festgestellt. Anfang Mai hatte das Westfleisch-Werk im nordrhein-westfälischen Coesfeld vorübergehend schließen müssen, weil sich eine große Zahl von Werksarbeitern mit dem Corona-Virus infiziert. Auch mehr als 90 Mitarbeiter der Westfleisch-Tochter Westcrown in Dissen wurden positiv getestet. Ebenfalls im Mai wurden 600 Mitarbeiter der niederländischen Schlachthof-Gruppe Vion in Quarantäne geschickt und weitere in anderen Niederlassungen folgten.

Am 23. Juni verkündete Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, dass nach mindestens 1.550 Corona-Fällen in Deutschlands größtem Schlachthof der Stammsitz von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück vorläufig geschlossen werde.

Der Aufschrei in Öffentlichkeit und Politik ist groß. Die Bundesregierung will als Konsequenz die Werkverträge über Subunternehmen zum Jahresende verbieten. Gleichzeitig kündigten die Schlachtkonzerne PHW, Tönnies und Westfleisch am Dienstag an, ebenfalls zum Jahresende in großem Maße sowieso auf die umstrittene Werkarbeit zu verzichten.

Versprechungen gab es schon in der Vergangenheit und die in der Fleischbranche herrschenden Verhältnisse waren in der Politik längst bekannt:

Vor sechs Jahren verpflichtete sich die Fleischwirtschaft in einem Verhaltenskodex selbst, soziale Standards bei der Unterbringung ihrer Arbeitnehmer einzuhalten, es folgte eine weitere Selbstverpflichtung gegen Sozialdumping. Alle Arbeitnehmer sollten bis Juli 2016 in sozialversicherungspflichtige Anstellungen übernommen werden. Unterschrieben hatten unter anderen Tönnies, Westfleisch und die PHW-Gruppe.


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