Start / News / Mercosur-Abkommen gefährdet Klima, Umweltschutz und Menschenrechte

Gesellschaft

Mercosur-Abkommen gefährdet Klima, Umweltschutz und Menschenrechte

Neue Studie von MISEREOR und Greenpeace kritisiert geplanten EU-Handelsdeal mit Staaten in Südamerika

(Aachen/ Hamburg, 23.6.2020) In wenigen Tagen übernimmt Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft. Laut Programmentwurf will die Bundesregierung die Präsidentschaft nutzen, um die Unterzeichnung des EU-Handelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten voranzutreiben.

MISEREOR und Greenpeace warnen in einer neuen Studie [ https://www.misereor.de/fileadmin/publikationen/studie-EU-mercosur-abkommen-risiken-fuer-klimaschutz-und-menschenrechte.pdf ] vor gravierenden ökologischen und menschenrechtlichen Folgen. Sie fordern die Bundesregierung daher auf, den Plan zur Unterzeichnung des Abkommens aufzugeben und sich für eine grundlegende Reform der EU-Handelspolitik auszusprechen. Einen möglichen Deal mit dem rechtspopulistischen Präsidenten Brasiliens, Jair Bolsonaro, bezeichnen sie als "folgenschweren Tabubruch" und eine "Abkehr von europäischen Werten". 

Wirtschaftswachstum um jeden Preis

Die zollbegünstigten Einfuhrquoten der EU aus dem Mercosur würden für Rind- und Hühnerfleisch um die Hälfte, für Bioethanol auf Zuckerrohrbasis sogar um das Sechsfache ansteigen. Durch eine Halbierung von Exportabgaben würden auch argentinische Sojaexporte zunehmen. "Das Handelsabkommen würde in Südamerika die Expansion von Zuckerplantagen, Sojafeldern und Weideflächen beschleunigen. Das sind Haupttreiber von Waldzerstörung, Landvertreibungen indigener Völker und Menschenrechtsverletzungen", kritisiert Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von MISEREOR. Ähnliches gelte für Eisenerz und Bauxit. "Durch ein Verbot von Exportabgaben im Mercosur will die EU europäischen Unternehmen den günstigen Zugang zu Rohstoffen sichern, ohne sie zur Achtung von Umwelt und Menschenrechten zu verpflichten."

Gift für das Klima

"Der Handelsdeal der EU ist ein Brandbeschleuniger, der die Zerstörung des Regenwaldes weiter vorantreibt", warnt Martin Kaiser, Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland. "Die Amazonasregion braucht dringend unser aller Schutz, denn die ersten Feuer der Saison lodern bereits und die Welt wird in Kürze mit der nächsten, gigantischen Waldbrandkatastrophe konfrontiert sein. Die EU hat nun gemeinsam mit anderen die Pflicht, diese Katastrophe zu verhindern." Laut Studie ereigneten sich im letzten Jahr 70 Prozent der Amazonasbrände in Brasilien in den Herkunftsregionen für Schlachtfleisch. "Wenn Frau Merkel als Ratspräsidentin für besseren Klimaschutz eintreten will, darf sie den Deal mit Bolsonaro nicht zulassen. Der Abschluss wäre nicht nur eine klimapolitische Bankrotterklärung der EU, sondern würde gleich zu Beginn der Ratspräsidentschaft einen völligen Vertrauensverlust in die Versprechen Angela Merkels bedeuten", betont Kaiser.

Jetzt ist Deutschland gefordert, sich gegen dieses Abkommen auszusprechen und damit dem Beispiel anderer Länder zu folgen. So kündigten in Österreich, Frankreich, den Niederlanden, Irland und Belgien Parlamente oder Regierungen Widerstand an. Statt Bolsonaros Politik zu legitimieren, sollte sich die Bundesregierung für eine sozial-ökologische Neuausrichtung von Handelsabkommen stark machen. Die von EU-Handelskommissar Phil Hogan in der vergangenen Woche angekündigte Konsultation über eine Reform der EU-Handelspolitik bietet dafür eine gute Gelegenheit.

[ Artikel drucken ]

Ticker

Das könnte Sie auch interessieren

Fragwürdiges Geschäft auf Kosten der Gesundheit

Bayer- und BASF-Gifte zerstören Gesundheit  von Landarbeitern und ganzen indigenen Gemeinden

Miseror, Aachen /Berlin /Johannesburg, 23. April 2020 | Die deutschen Konzerne Bayer und BASF sind mitverantwortlich für Pestizidvergiftungen bei Landarbeiter*innen in Südafrika und indigenen Gruppen in Brasilien. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die die Rosa-Luxemburg-Stiftung, MISEREOR und INKOTA anlässlich der Bayer-Hauptversammlung veröffentlichen. Die Organisationen fordern das Bundeslandwirtschaftsministerium auf, seine rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen und den Export von in der EU nicht genehmigten Pestizidwirkstoffen zu verbieten. 

23.04.2020mehr...
Stichwörter: Greenpeace, Handelsabkommen, Klima, Menschenrechte, Indigene, Miseror, Mercosur-Staaten, Fleischexporte, Sojaexporte, Bioethanol, Waldzerstörung, Landvertreibung, Gesellschaft

EU-Bürgerinitiative fordert Recht auf Nahrung

Breites Bündnis will Ernährung als Menschenrecht verankern

EU-Bürgerinitiative fordert Recht auf Nahrung © stock.adobe.com/monticellllo

Millionen Menschen in Europa sind von Ernährungsunsicherheit betroffen, während ein Drittel der produzierten Lebensmittel verschwendet wird und Ökosysteme durch intensive Landwirtschaft werden. Gleichzeitig haben viele Landwirte Schwierigkeiten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, und für eine nachhaltige Bewirtschaftung fehlt es an Ressourcen und politischem Willen. Eine Europäische Bürgerinitiative, die Anfang des Jahres gestartet wurde, will das ändern. Die EU wird damit aufgefordert, Nahrung als grundlegendes Menschenrecht anzuerkennen – und damit allen Menschen in der EU den Zugang zu gesunder und nachhaltiger Nahrung zu garantieren.

10.04.2026mehr...
Stichwörter: Greenpeace, Handelsabkommen, Klima, Menschenrechte, Indigene, Miseror, Mercosur-Staaten, Fleischexporte, Sojaexporte, Bioethanol, Waldzerstörung, Landvertreibung, Gesellschaft

Neue Gentechnik: Über 130.000 Bürger fordern klare Regeln

Petition an Bundeslandwirtschaftsministerium übergeben

Neue Gentechnik: Über 130.000 Bürger fordern klare Regeln © Nick Jaussi

Zwei bayerische Demeter-Bäuerinnen sowie Vertreter von 14 Organisationen und Verbänden haben heute in Berlin eine Petition gegen die geplante Deregulierung Neuer Gentechnik an eine Vertreterin des Bundeslandwirtschaftsministeriums übergeben. Über 130.000 Menschen fordern die Bundesregierung damit auf, die geltenden Gentechnikregeln auch für Neue Gentechnik beizubehalten – inklusive Kennzeichnungspflicht, Risikoprüfung, Koexistenzmaßnahmen und eines Verbots von Patenten.

26.11.2025mehr...
Stichwörter: Greenpeace, Handelsabkommen, Klima, Menschenrechte, Indigene, Miseror, Mercosur-Staaten, Fleischexporte, Sojaexporte, Bioethanol, Waldzerstörung, Landvertreibung, Gesellschaft

Gemeinsam gegen Mangelernährung

Malnutrition Awareness Week 2023

25.10.2023mehr...
Stichwörter: Greenpeace, Handelsabkommen, Klima, Menschenrechte, Indigene, Miseror, Mercosur-Staaten, Fleischexporte, Sojaexporte, Bioethanol, Waldzerstörung, Landvertreibung, Gesellschaft

‚Detox Handelspolitik‘

Aufruf gegen das EU-Mercosur-Abkommen

08.11.2022mehr...
Stichwörter: Greenpeace, Handelsabkommen, Klima, Menschenrechte, Indigene, Miseror, Mercosur-Staaten, Fleischexporte, Sojaexporte, Bioethanol, Waldzerstörung, Landvertreibung, Gesellschaft

FIAN und ECCHR klagen gegen Entwicklungsbank DEG

DEG verweigert Einsicht in Umweltpläne bei Investitionen in Paraguay

06.10.2021mehr...
Stichwörter: Greenpeace, Handelsabkommen, Klima, Menschenrechte, Indigene, Miseror, Mercosur-Staaten, Fleischexporte, Sojaexporte, Bioethanol, Waldzerstörung, Landvertreibung, Gesellschaft