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Nachhaltigkeit

Faire Vielfalt von Süd bis Nord

Die Pioniere des Fairen Handels im Blickpunkt auf dem Anuga Organic Forum

Im Organic Forum der letztjährigen Anuga trafen die Pioniere des internationalen und auch regionalen Fairen Handels aufeinander. Winfried Fuchshofen, Executive Director des unabhängigen FairTrade-Siegels FairTSA, stellte einige seiner Projekte vor. In der Diskussion mit Fair-Verantwortlichen bei Naturland und dem Verein FairBio sowie bei Gepa ging es vor allem auch um die vielen Varianten von Fair und deren Sinn.

„Eine faire Entwicklung kann nur stattfinden, wenn man die Menschen mitnimmt und sie auch für ihre eigenen Interessen arbeiten.“ Diese Überzeugung von Winfried Fuchshofen, Geschäftsführer der in New York State (USA) beheimateten The Fair Trade Sustainability Alliance New Libanon (FairTSA), steht hinter jedem der Projekte, die von ihm und seiner zehnköpfigen Frau-/Mannschaft betreut werden. Sein Vortrag im Organic Forum lautete ‚Was Reis, Bananen und Hibiskus gemeinsam haben‘ und er nutzte seinen Auftritt, um exemplarisch an drei Projekten die ganze Bandbreite der jeweiligen Probleme vor Ort vorzustellen. Er zog den Bogen von Kambodscha über die Dominikanische Republik bis in den Sudan.

In Kambodscha ging es um die Einführung eines Anbausystems für Reispflanzen, in dem diese als Einzelpflanzen gesetzt werden – mit enormen positiven Wirkungen für Wasserverbrauch, Methanproduktion, Flächenertrag und Saatkosten. In der Dominikanischen Republik konnte diskriminierten haitianischen Landarbeitern geholfen werden, unter anderem eine legale Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. Und die Unterstützung des Hibiskus-Anbaus im Sudan konnte beginnen, obwohl am Anfang des Projektes weder Eigentumsverhältnisse noch Bezahlung dokumentiert waren. Fuchshofens Schlussfolgerung: „Was Reis, Bananen und Hibiskus gemeinsam haben, ist das Engagement der Bauern, der Projekt-Mitarbeiter und des Managements der beteiligten Organisationen.“

Wertschöpfung in die Ursprungsländer

Für Peter Schaumberger von der Gepa mbH zeigte gerade das Kambodschanische Reisprojekt einen ganz zentralen Punkt von fairem Handel auf, verbunden mit Entwicklungshilfe. Denn in Kambodscha wurde durch FairTSA auch eine Reismühle vor Ort aufgebaut. Für Schaumberger sei die Kernfrage: „Wie können wir vermehrt Wertschöpfung, sprich Weiterverarbeitung, in die Rohstoffherkunftsländer bringen?“ Daran arbeite die Gepa.

So hatte Schaumberger in einem anderen Vortrag vorgestellt, dass die Gepa jetzt drei Kaffees aus verschiedenen Ländern im Sortiment hat, die vor Ort sowohl geröstet als auch verpackt und erst dann nach Deutschland verschifft werden – bislang unüblich in der Kaffeebranche.

Pioniere unter sich

Mit der Gepa mbH und der ebenfalls in der Diskussionsrunde vertretenen Fair & Sozial Naturland haben sich auf dem Podium zwei der Pioniere des Fairen Handels getroffen, die sogar auf eine lange gemeinsame Arbeit zurückblicken. Schon vor über dreißig Jahren stellten Gepa und Naturland gemeinsam die weltweit ersten Teeplantagen in Sri Lanka und Indien und auch Kaffeekooperativen in Mexiko und Peru auf ökologischen Anbau um. 2011 wurde zusammen eine 100 Prozent faire Vollmilch-Schokolade entwickelt mit Milch von der Genossenschaft Milchwerke Berchtesgadener Land.

Weniger dem typischen Bild von Fairem Handel entsprach die vierte auf dem Podium vertretene Organisation. Bei ihr geht es um heimischen Fairen Handel in Deutschland. Karin Arzt-Steinbrink gehörte zu den Gründungsmitgliedern, als vor elf Jahren der FairBio-Verein gegründet wurde, der Mitglieder aus den verschiedensten Branchen für faires und regionales Bio zusammenbringt. Sie ist Geschäftsführerin der Upländer Molkerei, einer Bio-Molkerei in Nordhessen, die eigenständig von regionalen Bauern betrieben wird und heute 40 Millionen Liter Biomilch im Jahr produziert.

Siegel-Vielfalt Pro und Contra

Gleich vier FairTrade-Organisationen waren auf dem Podium versammelt und der Moderator Bernward Geier, Publizist und früherer langjähriger IFOAM-Präsident, brachte es auf den Punkt: „Die vorgestellte Vielfalt ist wunderbar. Doch ist das auch die Kraft der Vielfalt (bezogen auf die vielen unterschiedlichen Siegel) oder wäre es nicht besser, das Thema Fairer Handel für den Verbraucher etwas verdaulicher zu machen?“

Schaumberger versuchte diese Frage für verschiedene Zielgruppen zu differenzieren. Für die Erzeuger mache es Sinn, wenn möglichst viele Siegel zusammengelegt werden, um den Kontroll- und Zertifizierungsaufwand und damit auch die Kosten im Rahmen zu halten. Die Verbraucher hätten ebenfalls gerne eine Vereinfachung, um leichter in schwarz oder weiß, gut oder schlecht klassifizieren zu können. Doch für das Unternehmen Gepa sei die Welt nicht so einfach. Er wies darauf hin, für Bio gebe es feste gesetzliche Vorschriften und Regelungen, für den Fairen Handel aber nicht. Die Gepa gehe einen eigenen Weg als Mittler. Es würden gute Zertifizierungen gebraucht, von denen die Gepa dann mit einigen kooperiere: „Wir wollen mit innovativen, modernen Standards zusammen arbeiten, die auch wegweisende Themen bearbeiten.“

Für FairTSA geht es ebenfalls nicht unbedingt um das eigene Label. „Es geht darum eine Vision zu verwirklichen. Unsere Marke ist zweitrangig“, betonte Winfried Fuchshofen. FairTSA arbeite auch mit Menschen zusammen, die die Marke nicht verwenden, und er sei gegen Monopole. Was er sich aber für den Fair-Bereich wünsche, seien gegenseitige Anerkennungen. Doch da er das in absehbarer Zukunft nicht sehe, würden die Konsumenten erst einmal weiter mit der Vielfalt leben müssen.

Nach Friedrun Sachs habe Naturland mit der Fair & Sozial-Zertifizierung auf Anfragen von Erzeugern begonnen. Als plötzlich beim Discounter Lidl Produkte mit Fairtrade-Siegel zu finden waren, sollte eine Alternative geboten werden. Außerdem wollten die Erzeuger auch eine spezielle Zertifizierung für die Rohstoffe des globalen Nordens.

Arzt-Steinbrink erklärte, dass bei der Gründung des FairBio-Vereins noch kein eigenes Zeichen geplant war. Dann sollte auf den Packungen dokumentiert werden, dass eine Kontrolle dahinter steht, aber es gab kein geeignetes schon existierendes Siegel, vor allem mit der Regionalität im Fokus. Für die Naturland Fair & Sozial-Zertifizierung kam noch dazu, dass im FairBio-Verein wenige Naturland-Betriebe waren, fast nur Bioland und Demeter. Der FairBio-Verein sei aber immer offen für andere Kooperationen und gerade dabei, nicht nur Herstellern, sondern auch Handel und Erzeugern die Mitgliedschaft zu ermöglichen. Es solle keine Lücke in der Wertschöpfungskette geben.

Die Krux mit den Regeln

Wenn es denn weiter so viele verschiedene Siegel gäbe, wäre dann nicht wenigstens eine gesetzliche Regelung angemessen, was fairer Handel ist und was nicht? Diese Anregung Bernward Geiers wird von den FairTrade-Experten eher kritisch gesehen.

Peter Schaumberger sagte es dann ganz deutlich: „Dann verlieren wir als Bewegung die Deutungshoheit. Die liegt dann in der Bürokratie und nicht mehr bei den Akteuren.“ Eine Aussicht, die die Pioniere nicht begeistert.

Elke Reinecke

 

Die Label des fairen Handels und ihr Charakteristika
Das am weitesten verbreitetste und wohl auch bekannteste FairTrade-Siegel ist das internationale Fairtrade-Siegel von Fairtrade Labelling Organizations International (kurz: Fairtrade International, FLO). Es wird für Deutschland von TransFair e.V. vergeben. Die Zertifizierung gilt ausschließlich für Produkte selbst, nicht für die Hersteller-Firma.
Das Fairtrade-Siegel der Flo können auch nicht Bio-zertifizierte Produkte tragen, ökologische Herstellung ist nicht vorgeschrieben. Dazu kommt, dass bei Mischprodukten der Anteil an fair produzierten Bestandteilen seit 2011 nur noch 20 Prozent betragen muss. Auch deswegen sind verschiedene Siegel mit höheren Ansprüchen entstanden.
Die Gepa als Vertreter des 100 Prozent Fairen Handel stellt bei ihren Produkten Gepa als Marke in den Vordergrund. Das Unternehmen ist geprüft nach dem WFTO-Garantie-System. Zusätzlich arbeitet die GEPA mit fünf weiteren Zertifizierungs- und Montitoring-Systemen zusammen, zum Beispiel. FLO-Cert und Naturland FAIR. Einige Produkte tragen das Unternehmens-Logo ‚fair+‘. Es soll darauf hinweisen, dass sich die GEPA über die Standards von Fairtrade International hinaus engagiert, etwa mit zusätzlichen Länderzuschlagen für Kaffeebauern oder Beratung bei der Bio-Umstellung. Ausdrückliches Ziel ist auch, neue Produkte mit fairen Zutaten aus Süd und Nord zu kreieren.
Der FairTSA-Grundstandard für Fairen Handel umfasst landwirtschaftliche Produkte und deren Verarbeitung sowie Kosmetika. Von Anfang an wurden die FairTSA-Standards so konzipiert, dass sie den Anforderungen der Internationalen Organisation für Normung (ISO) entsprechen. Die Norm versucht, feste und klare Anforderungen mit genügend Flexibilität zu kombinieren, um kulturell unterschiedliche Situationen abzudecken. Bei Produkten, die nach FairTSA zertifiziert sind, muss die gesamte Lieferkette im Ursprungsland zertifiziert werden.
Mit dem Siegel Fair & Sozial des Naturland-Verbands werden gleichzeitig ökologische als auch Kriterien des fairen Handels geprüft. Die Naturland Fair Richtlinien wurden gemeinsam mit den Fair-Handelsorganisationen Gepa, dwp und BanaFair entwickelt und stehen im Einklang mit den Fairtrade-Standards der FLO. Das Naturland-Siegel biete das erste Mal auch einzelnen Bauern oder Händlern die Möglichkeit, ihre Produkte zertifizieren zu lassen.
Wer bei FairBio mitmachen will, muss zu 100 Prozent Bio sein und mindestens nach der EG-Öko-Verordnung geprüft werden. Für FairBio-Mitglieder aus dem Handel gelten die aktuellen Sortimentsrichtlinien des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN). Es soll möglichst viel Wertschöpfung in der Region verbleiben, faire Erzeugerpreise und Transparenz gehören zu den Prinzipien und die FairBio-Unternehmen orientieren sich an dem Ansatz der Gemeinwohlökonomie. Die 2013 entwickelte Tierwohl Checkliste der Bio-Anbauverbände Bioland, Demeter und Naturland ist Bestandteil bei der jährlichen Verbandskontrolle.

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