Start / Ausgaben / bioPress 101 - Oktober 2019 / Anuga-Organic Forum

Messe

Anuga-Organic Forum

bioPress veranstaltet zum neunten Mal das Anuga Bio-Kompetenzzentrum

Rund 30 Veranstaltungen, ein neuer Veranstaltungsplatz direkt beim Organic Market – das langjährige Bio-Kompetenzzentrum weitet seine wichtige Stellung im Rahmenprogramm der Anuga noch weiter aus. Von Samstag bis Dienstag findet sich hier ein Vortragsforum für die Experten der Branche, und genauso eine Networking- und Diskussionsplattform für alle, die sich mit Bio auseinandersetzen.

In diesem Jahr findet das Anuga Organic Forum erstmals auf einer neuen Veranstaltungsfläche direkt beim Anuga Organic Market statt: Vorträge von hochkarätigen Referenten wechseln sich ab mit Diskussionsrunden, in denen sich auch internationale Experten zu aktuellen und zukunftsweisenden Themen der Bio-Branche äußern. Alle Veranstaltungen werden simultan Deutsch-Englisch übersetzt.

Die Gesprächsrunden moderiert am Montag und Dienstag Bernward Geier, Publizist, Filme­macher und ehemaliger lang­jähriger Direktor der IFOAM, Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen.

Programm schon ab Samstag

Der erste Tag im Organic Forum ist vornehmlich den Themen gewidmet, die den Bio-Kunden beim Kauf wichtig sein könnten. Sei es, Verpackungsmüll zu vermeiden, seinem Körper oder auch Gewissen etwas Gutes zu tun, und sich vegan zu ernähren oder ungesunde Stoffe in Lebensmitteln zu vermeiden.

Die Referenten gehen darauf ein, wie Vermarktungsstrategien vom Vegan-Trend abgeleitet werden können (Sa., 13:00 Uhr) oder welche Potenziale sich für Bio im Bereich Clean Label ergeben (Sa., 14:00 Uhr). Vom BÖLN (Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft) gibt es eine Veranstaltung zum Trend-Thema Unverpackt (Sa. 11:00 Uhr).

Verkaufsargumente für Bio

Welche Bedeutung diese Themen als Verkaufsargumente besitzen, betont auch Katya Witham vom Meinungsforschungsinstitut Mintel in ihrem Vortrag (Mo., 15:30 Uhr). Sie stellt aktuelle Umfrage-Ergebnisse zu den Anforderungen heutiger Verbraucher an Bio-Produkte vor. Danach werde in Europa gerade die Gruppe der 16 bis 24jährigen Bio-Käufer stark von ökologischen und ethischen Überlegungen angetrieben.

Gut für Initiativen wie die Bruderhahn Initiative Deutschland mit ihrem Einsatz gegen das Küken-Töten. Die stellen nicht nur im Organic Market die entsprechenden Produkte aus Bruderhahnfleisch aus, sondern referieren hier auch die Hintergründe (Di., 16:00 Uhr).

Weniger um den Privatkonsumenten sondern um die Gemeinschaftsverpflegung geht es bei ,Meeresschutz auf dem Teller‘. Hier wird am konkreten Beispiel ökologische Aquakultur vorgestellt und über den ,richtigen Fisch in der Betriebs- und Systemgastronomie‘ diskutiert (Mo., 16:00 Uhr).

Veranstaltungen der BLE, Bundesanstalt für Ernährung

Vom BÖLN organisiert gibt es auch Expertenvorträge über Biowein und die Produktion von Trockenfrüchten. Am Sonntag können sich die Besucher aus erster Hand über die neuen Förderrichtlinien für Bio-Wertschöpfungsketten informieren lassen. Diese unterstützen den Aufbau und die Weiterentwicklung von Wertschöpfungskettenpartnerschaften für biologisch erzeugte Produkte und sind erst Anfang August durch eine zweite Richtlinie ergänzt worden.

Auch eine Auszeichnung findet statt im Organic Market: Nach der Vorstellung des Projekts ProSpecieRara erfolgt die Preisverleihung Biologische Vielfalt durch die UN Dekade (Mo., 13:15 Uhr).

Fairer Handel

Der Sonntag steht im Zeichen des Fairen Handels, mit maßgeblichen Vertretern der GEPA vor Ort. Sie zeigen Beispiele für die positiven Wirkungen von fairen Partnerschaften und wie durch Fair und Bio Kleinbauern-Organisationen bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützt werden. Wie ,100 Prozent Faire Unternehmen‘ funktionieren könnten, das wird dann in einer Runde aus GEPA-Experten und leitenden Vertretern des Forum Fairer Handel und der World Fair Trade Organisation diskutiert.

Das Thema Fairness wird auch von Winfried Fuchshofen von der FairTSA (The Fair Trade Sustainability Alliance New Lebanon, New York State) aufgegriffen (Mo., 12:00 Uhr). Er stellt die soziale Wirkung von selbstbestimmten ländlichen Projekten an Beispielen aus der Dominikanischen Republik, Kambodscha, dem Sudan oder den Philippinen vor. Anschließend wird sich eine Expertenrunde über Sozialstandards, Fair Trade und die wesentlichen Komponenten einer langfristigen Liefersicherheit auseinandersetzen.

Der Bio-Markt und sein Potential

Montagmorgen wird die Marktexpertin Helga Willer vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) die neuesten Zahlen zum Biolandbau in Europa und weltweit vorstellen und welche Entwicklungen es in jüngster Zeit in der Datenverfügbarkeit gegeben hat (Mo., 10:45 Uhr). Das FiBL ist eines der führenden Forschungs- und Informationszentren für Biolandbau und erhebt seit fast zwanzig Jahren gemeinsam mit der IFOAM Daten zum Biolandbau weltweit. Die Ergebnisse werden jährlich im Buch ‚The World of Organic Agriculture‘ veröffentlicht.

Um die Qualität angebotener Bio-Produkte von Anbau und Tieraufzucht bis zu Transparenz in der Verarbeitung und den sozialen Bedingungen innerhalb der Wertschöpfungskette geht es der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Lebensmittelhersteller AöL. Hier stellt sich die Frage ,Was ist anders an Bio?‘ (Mo., 11:30 Uhr). In der AöL sind über 100 europäische Bio-Hersteller versammelt, die mit ihren Bio-Produkten einen Umsatz von rund vier Milliarden Euro im Jahr erwirtschaften.

Speziell um die Bio-Frische geht es bei ,Bio-Marktpotentiale erschließen‘. Henning Niemann von der KÖN moderiert das Gespräch zwischen Albert Fuhs, dem Geschäftsführer bei Landgard Bio, und Marcus Wewer, zuständig Qualitätssicherung Bio-Eigenmarke Rewe Group – die Expertenrunde zeigt unter vielen anderen Bio-Vermarktungsaspekten wie durch den Austausch von konventionellen durch Bio-Produkte bei der Frische die Kundenbeziehungen gestärkt werden (Mo., 10:00 Uhr). Weitere Fragen sind, ob Bedienung bei O+G mehr Kundennähe bringt und damit Bio-Beratung ermöglicht.

Die Rolle des Handels in der Bio-Vermarktung

Wichtiges Thema am Montag und Dienstag ist die Frage, wie die Kaufleute den Aufwand der Bio-Beschaffung bewältigen und an die für ein Bio-Vollsortiment notwendigen Produkte kommen können. Als Anstoß wird am Montagnachmittag eine ganz neu aufgebaute Internet-Datenbank mit 20.000 und mehr Bio-Artikeln präsentiert: Beruhend auf Daten von Ecoinform wird das Projekt vorgestellt vom Entwickler Tobias Arnoldt und von Erich Margrander, dem Herausgeber der bioPress (Mo., 14.00 Uhr). Die Datenbank ist auch für regionale Anbieter interessant und Händler, die genau nach solchen Angeboten suchen. Per Filter können genaue Umkreise definiert und die entsprechenden Produkte selektiert werden.

Erich Margrander nimmt auch als Experte an einer Diskussionsrunde zum Thema Bio-Beschaffung teil (Di., 11:15 Uhr). Am Gespräch beteiligt sind der Bio-Großhändler Matthias Kraushaar von Rhein-Main-Reformwaren und Prof. Dr. Nicole Graf, die im Organic Market über die Rolle des Handels in der Biovermarktung referiert (Di., 10:30 Uhr). Sie kennt sich aus mit Bio in allen Kanälen und hat einen Überblick über den nationalen und internationalen Bio-Handel. Nicole Graf leitet seit Mitte 2014 als Gründerin und Rektorin die DHBW Heilbronn. Diese gilt mit den Studiengängen BWL-Handel und -Food Management als Kaderschmiede der Lebensmittelbranche und kooperiert mit Unternehmen von der Schwarz Gruppe bis Denns. Bis 2017 war Nicole Graf auch als Aufsichtsratsvorsitzende von Basic tätig.

Explizit über die internationale Bio-Beschaffung sprechen dann am Dienstagmittag der niederländische DO-IT-Geschäftsführer Poppe Braam und Azam Kadeer, Geschäftsführer von AKC Commodities und Taj Food aus Pakistan (Di., 12:30 Uhr). Beide importieren Bio-Rohwaren teils aus entlegenen und natürlichen, unberührten Gegenden der Welt, in denen Agrochemie einfach noch nie vorgekommen ist. Der Bio-Pionier Poppe Braam findet diese Schätze seit drei Jahrzehnten, führt mit den Bauern die Öko-Zertifizierung ein und ermöglicht ihnen, dann Bio-Waren auf den Weltmarkt zu bringen. Hier wird mit Vorurteilen gegen nicht-regionales Bio aufgeräumt und gezeigt, dass Bio-Handel nicht einseitig verlaufen kann und soll.

Den Bio-Konsumenten an sich binden

Wie werden Verbraucher besser über Bio aufgeklärt und wie können Lebensmittelkaufleute Bindungen zu Bio-Konsumenten schaffen? Dieser Frage nachzugehen, haben sich vorgenommen Prof. Dr. Jan Niessen, Leiter der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, Betriebswirtschaftliche Fakultät mit dem neuen Studiengang Management in der Biobranche, sowie Thomas Gutberlet, Geschäftsführer von tegut… und Peter Boguschewski, der bis zum letzten Jahr Geschäftsführer beim Biogroßhändler Phoenix war (Mo., 14:45 Uhr). Es sind bis zu 7.500 Bio-Produkte im LEH zu finden. Nicht ganz einfach, deren Eigenschaften dem Publikum verständlich zu machen.

Mit dem Zukunftsforscher Eike Wenzel geht es um das große Ganze (Di., 13:15 Uhr). Er redet über die sich verändernde Ökonomie im Lebensmittelhandel und spannt den Bogen zu zukünftigen Erwartungen. Kommen die Konsumenten der Zukunft überhaupt noch in den Supermarkt oder fallen die Kaufleute den virtuellen Angeboten zum Opfer? Mit welchen Dienstleistungen können Lebensmittelkaufleute heute verschmelzen und damit neues Lebensgefühl fördern? Anschließend findet ein moderiertes Gespräch zwischen Eike Wenzel und dem Marketingexperten Johannes M. Mauss, Geschäftsführer der Bio-Zentrale, statt.

100 Prozent Bio

Ein Highlight des Forums wird eine  Rede der früheren Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Renate Künast (Di., 14:30 Uhr) sein. Sie diskutiert außerdem mit in der Gesprächsrunde zu ,100 Prozent Bio – gaga oder machbar‘, die sich an einen Vortrag zum Thema von Bernward Geier anschließt (Di., 15:00 Uhr).

Renate Künast war nicht nur die erste Frau und grüne Politikerin, die das Landwirtschafts­ministerium eroberte; die heutigen Entwicklungen im Biomarkt wurden auch durch ihre Forderung nach 20 Prozent Bio los getreten – jetzt wird sie als derzeitige Sprecherin für Ernährungspolitik Bündnis 90/Die Grünen ihre Meinung zu 100 Prozent Bio darstellen – einer Utopie, die in einigen Weltgegenden bereits umgesetzt ist.

Bio-Abendempfang mit Bio-Büffet

Wer sich bei guten Bio-Gaumenfreuden mit Bio-Fachleuten zu interessanten Gesprächen treffen oder andere Bio-Interessierte aus der Lebens- mittelbranche kennenlernen möchte, der ist herzlich zum Bio-Abendempfang eingeladen (Di., 18:00 Uhr). Als Begrüßungsrednerin findet sich unter anderem Renate Künast ein. Genussvoll verwöhnt werden die Gäste von den Kochkünsten von Mayoori Buchhalter vom BioGourmetClub.

Elke Reinecke

zum Programm:
Organic Forum Programm[54 KB]

 


Ticker Anzeigen

Das könnte Sie auch interessieren

100 Prozent Bio – nicht gaga sondern notwendig

Eine ökologische Wende als einzig gangbarer Weg

100 Prozent Bio – nicht gaga sondern notwendig

Wollen wir eine lebenswerte Zukunft haben, dann führt an 100 Prozent Bio kein Weg vorbei. Darüber waren sich Grünen-Sprecherin Renate Künast, Naturland-Geschäftsführer Steffen Reese und der ehemalige IFOAM-Präsident Bernward Geier einig. Der Höhepunkt des Anuga Organic Forum 2019 fand vor vollen Sitzreihen statt. Die Expertenrunde diskutierte über die Ernährungs- und Agrarwende und stellte die Frage, wie die Ziele erreicht werden können.

24.01.2020mehr...
Stichwörter: Anuga, Messe

Anuga 2019: Bio und Nachhaltigkeit in neuer Dimension

Anuga Organic Market und Organic Forum als Publikumsattraktion

Anuga 2019: Bio und Nachhaltigkeit in neuer Dimension

Seit 100 Jahren existiert die inzwischen größte internationale Fachmesse für Lebensmittel und Getränke. 2019 waren es rund 7.500 Aussteller aus 106 Ländern, die an den fünf Messetagen ihre Produkte aus aller Welt präsentierten. Die Anzahl der Fachbesucher legte noch einmal um drei Prozent zu, verglichen mit 2017: Es kamen über 170.000 Fachbesucher, drei Viertel davon aus dem Ausland. Bio war in allen Hallen, bei 3.000 Ausstellern zu finden.

24.01.2020mehr...
Stichwörter: Anuga, Messe

Anuga Organic Market 2019 Bildergalerie

Sortimentsübersicht der rund 150 Teilnehmer

Anuga Organic Market 2019 Bildergalerie

Die Beteiligung auf dem Organic Market war noch nie so hoch. Rund 150 deutsche und internationale Teilnehmer zeigten ihre Bio-Produkte auf der Anuga in Köln. Das waren annähernd doppelt so viele wie noch im Jahr 2017. Teilgenommen haben Anuga-Aussteller mit Zweitplatzierung, für die dann am Regal der Hinweis auf die Halle und Standnummer zu finden war. Rund die Hälfte waren auch NICHT-Aussteller, die erst einmal in die Anuga hinein geschnuppert haben. Sie profitierten vom Katalog-Eintrag und dem elektronischen Ausstellerverzeichnis und vom Hinweis am Produkt selbst auf die Internetseiten ihrer Firma.

Weiter zur Bildübersicht

29.10.2019mehr...
Stichwörter: Anuga, Messe