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Einblick in den deutschen Bio-Milchmarkt

Wachsende Nachfrage kurbelt Bio-Milchproduktion an

Viele Landwirte sehen ihre Zukunft in der ökologischen Milchproduktion. Die Erzeugerpreise sind auf hohem Niveau und die Nachfrage nach Bio-Milch steigt weiter. Lieferten die Milchbauern 2015 noch 732 Millionen Kilo Bio-Milch an deutsche Molkereien, so erwartet die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) für dieses Jahr einen Anstieg auf bis zu 900 Millionen Kilo.

Die Anzahl der deutschen Bio-Milchbauern liege aktuell bei ungefähr 3.200, sagt Rüdiger Brügmann von der Koordinationsstelle Biomilch des Bioland-Verbands. Nicht zuletzt wegen des extremen Preisverfalls, der unter anderem dem Auslaufen der Milchquote vor zwei Jahren und der daraus resultierenden Überproduktion konventioneller Milch geschuldet sei, wollten immer mehr Landwirte ihre Betriebe auf Bio umstellen. Seit 2016 seien das zwischen 600 und 700 Bauern. „In den nächsten drei Jahren müssen wir mit zusätzlich 230 bis 270 Millionen Kilo Bio-Milch rechnen – das entspricht einem Zuwachs von jährlich gut zehn Prozent“, sagt er.

Verbraucher kauften 9 Prozent mehr Bio-Milch

Nach Angaben der AMI und des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) haben sich die Erzeugerpreise für Bio-Milch bereits Anfang letzten Jahres aufgrund der gestiegenen Nachfrage von den sinkenden Auszahlungspreisen der konventionellen Molkereien entkop-
pelt.

2016 kauften die privaten Haus­halte rund 9 Prozent mehr Bio-Milch als im Vorjahr, so die AMI-Analyse auf Basis des GfK-Haushaltspanels. Neben der größeren Nachfrage nach Bio-Milch in Deutschland wächst auch die Exportnachfrage. Ohne Nachzahlung beläuft sich das bundesweite Mittel für Bio-Milch im Jahr 2016 auf 47,8 Cent pro Kilo Bio-Milch mit 4 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß. Der Bio-Milchpreis fiel Ende 2016 um gut die Hälfte höher aus als in der konventionellen Produktion.

Die steigende Produktion von Bio-Milch bietet auch Potenzial für den Absatz von Molkereiprodukten insgesamt. Laut BÖLW führte die umfangreichere Listung breiterer Sortimente bei den Einzelhandelsketten zu wachsenden Verkaufsmengen.

Wie sind deutsche Molkereien und Erzeugergemeinschaften mit der Produktion von Bio-Milch aufgestellt? Wer beliefert wen? Und welcher Bio-Verband produziert die meiste Bio-Milch? Es folgt ein kleiner Einblick in den größer werdenden Bio-Milchmarkt.

Die Hälfte der Bio-Milch ist Bioland-zertifiziert

1.700 Bioland-Milchbauern liefern jährlich 400 Millionen Kilo Milch an über 40 Bio-Molkereien, weiß Brügmann. Somit ist die Hälfte der in Deutschland produzierten Bio-Milch Bioland-zertifiziert. Der Erzeugerpreis liege zwischen 48 und 50 Cent netto, je nach Leistungsfähigkeit der Molkerei.

Aktuell bewirtschaften rund 1.000 Milchviehbetriebe in Deutschland ihren Betrieb nach den Naturland-Richtlinien und produzieren mit etwa 40.000 Milchkühen zirka 250 Millionen Kilo Bio-Milch.

Rund 600 Naturland-Milchviehbetriebe werden über die Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG koordiniert und gebündelt. Sie ist über alle Produktgruppen die größte deutschlandweit arbeitende Bio-Erzeugergemeinschaft und auch als Milchliefergemeinschaft für die Milchwerke Berchtesgadener Land sowie für die Andechser Molkerei Scheitz tätig. „Die Erzeugerpreise werden verhandelt. Der Milchpreis der Berchtesgadener liegt aktuell bei 51,5 Cent je Kilo Naturland-Milch inklusive Winterzuschlag von 2 Cent, die Andechser Molkerei bezahlt 49,5 Cent, jeweils netto bei 4,2 Prozent Fett. Unsere Landwirte produzieren dieses Jahr 120 Millionen Kilo Naturland-Milch für die beiden Spitzen-Molkereien“, sagt Tomás Sonntag, Ressortleiter für tierische Produkte.

472 Demeter-Betriebe produzierten 2016 mit 18.843 Milchkühen ungefähr 94 Millionen Kilo Milch. Demeter-Bauern erhalten für den Mehraufwand der biodynamischen Tierhaltung Zuschläge zum Bio-Milchpreis, der regional und saisonal schwankt.

Im Südwesten bieten immer mehr Edeka-Märkte regionale Demeter-Milch, -Heumilch und -Käse an. Auch im Fachhandel wird zunehmend Demeter-Heumilch nachgefragt. Die Großhändler Dennree und Weiling vertreiben sie unter ihren Handelsmarken.

Zweistelliges Wachstum bei Schwarzwaldmilch mit Bio-Milch
produkten

Schwarzwaldmilch gehört mit 1.100 Milcherzeugern zu den führenden konventionellen Molkereien in Deutschland. 2016 ist sie im Segment der Bio-Milchprodukte zweistellig gewachsen. Die Bio-Milch stammt von Bioland-Bauern, die im Schwarzwald und in den angrenzenden Regionen in Baden-Württemberg beheimatet sind. Rund 20 Prozent der Erzeuger sind Bioland-zertifiziert. Der Bio-Absatzanteil am Markengeschäft am Standort Freiburg betrug 2016 rund 25 Prozent. Für ihre Bio-Milch erhielten die Erzeuger 2016 im Durchschnitt einen Brutto-Betrag von 51,22 Cent pro Kilo. Sie wird zu Trinkmilch, Sauerrahmbutter, Schlagsahne, Joghurt, Quark und Käse für den LEH und vereinzelt für den Bio-Fachhandel verarbeitet.

Die Gläserne Molkerei ist die größte deutsche Bio-Molkerei. Ihre 160 Bio-Landwirte gehören den Verbänden Naturland, Bioland, Gäa, Biopark, Verbund Ökohöfe und Demeter an und kommen hauptsächlich aus Nord- und Ostdeutschland. Der Erzeugerpreis liegt zwischen 47 und 48 Cent. Heumilch-Lieferanten erhalten einen Aufschlag von fünf Cent. 2016 hat die Molkerei an ihren beiden Standorten in Münchehofe und Dechow 120 Millionen Kilo Bio-Milch zu Trinkmilch, Joghurt, Käse, Butter und Milchpulver verarbeitet. Ihre Produkte sind im Fachhandel und im gehobenen LEH erhältlich. Der Umsatz lag 2016 bei 85 Millionen Euro.

160 Milcherzeuger aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen beliefern die Bio-Molkerei Söbbeke mit Sitz in Gronau-Epe. Im letzten Jahr verarbeitete sie ungefähr 58 Millionen Kilo Bio-Milch von Bioland-, Demeter- und Naturland-Höfen. Der Erzeugerpreis liegt derzeit zwischen 48 und 49 Cent. 2016 setzte sie mit Trinkmilch, Joghurts, Desserts, Sahne, Butter, Quark und Käse zwischen 70 und 80 Millionen Euro um. Inzwischen beliefert Söbbeke auch 52 Ikea-Kantinen mit Bio-Milch. Der Fokus liege jedoch weiterhin auf dem Fachhandel und dem ausgewählten LEH wie Rewe und Edeka, sagt Geschäftsführer Nicolò Polla.

Der Upländer Bauernmolkerei in Willingen-Usseln gehören 120 Bauern an. Ihre Bioland-Höfe liegen im Umkreis von 150 Kilometern. In diesem Jahr kämen 15 neue Betriebe hinzu, sagt Vorstandsvorsitzender Josef Jacobi. Seit 2009 verarbeite die Molkerei ausschließlich Bio. Der Grundpreis für Bio-Milch betrage seit einem Jahr 47 Cent pro Liter. Die Molkerei produziert jährlich 38 Millionen Kilo Bio-Milch. Einen Teil ihrer Bio-Frischmilch vertreibt sie über den Naturkostfachhandel. Bio-Frischmilch, Saure Sahne, Schmand und Buttermilch sind auch bei Alnatura erhältlich. Unter der Marke ‚Upländer Bauern Molkerei‘ wird die Bio-Milch in regionalen Edeka und Rewe-Märkten in Teilen Nordrhein-Westfalens, Hessen und Thüringen angeboten.

Sina Hindersmann


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