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Landwirtschftsministerium Baden-Württemberg

Ökologische Perspektiven schaffen, statt in alte Muster fallen

Unternehmerstimmen aus dem BNN zur Kabinettsbildung in Baden-Württemberg

Ökologische Perspektiven schaffen, statt in alte Muster fallen

Der am Montag vorgestellte 138-seitige Koalitionsvertrag der kommenden grün-schwarzen Koalition in Baden-Württemberg lässt bei vielen Branchenakteuren der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft im Land den Eindruck entstehen, dass nur noch eingeschränkt politischer Wille zur Stärkung des Öko-Landbaus und des Bio-Handels vorhanden ist. Gestützt wird diese Wahrnehmung von der Ankündigung der Koalitionspartner, das Ministerium für Ländlichen Raum der CDU zuzuschlagen.

„Viele für uns relevante Themenfelder wie artgerechte Tierhaltung, Ökolandbau, bäuerliche Landwirtschaft, regionale Lebensmittel, gesunde Ernährung, Gentechnikfreiheit und Forstwirtschaft haben im Ministerium für Ländlichen Raum ihre „Heimat“ und werden dort gestaltet“, konstatiert Sascha Damaschun. Er ist Geschäftsführer des Naturkostgroßhandels BODAN mit Sitz in Überlingen. „Als Handelsunternehmen im täglichen Kontakt mit der Landwirtschaft stellen wir fest, dass viele Bauern und Akteure im Land allergrößte Sorgen haben, wieder mit der Arbeitsweise eines Ministeriums zu tun zu haben, das sich an den Machbarkeitsidealen der konventionell-chemischen Landwirtschaft orientiert. Wir fordern die Akteure der neuen Landesregierung daher auf, gemeinsam mit den Unternehmen der Bio-Lebensmittelwirtschaft in die Richtung einer ökologisch-progressiven Perspektive zu wirken und alle Möglichkeiten hierfür auszuschöpfen“, so Damaschun weiter.

Aber nicht nur Rückschritte werden befürchtet. Auch eine mögliche Forcierung aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten wird kritisch gesehen, da Verbrauchererwartungen, die mit Bio natürliche und naturschonend produzierte Lebensmittel verbinden, ignoriert würden: „Die Naturkost-Bewegung, die den Kern der Bio-Branche bildet, war stets Vorreiter einer anderen Wirtschaftsweise, deren große Maxime Nachhaltigkeit, Natur- und Ressourcenschutz sind. Nur so konnten wir hohe Standards etablieren und Kundinnen und Kunden überzeugen. Eine rein betriebswirtschaftliche Betrachtung von Bio als boomendes Geschäftsmodell entspricht nicht unseren Werten. Ich wünsche mir und erwarte von der neuen Leitung des Ministeriums, dass dies bei allen politischen Weichenstellungen stets mit berücksichtigt wird und man so die Produktion und den Handel von Naturkost und Naturwaren stärkt“, fordert Friedemann Vogt, Geschäftsführer der Molkereigenossenschaft Hohenlohe-Franken aus Schrozberg.

Ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft ist mit Blick auf die Verantwortung gegenüber künftigen Generationen alternativlos. Nikolaos Tsiris von den Stuttgarter Bio-Märkten Naturgut ist daher die grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Thema Bio ein wichtiges Anliegen: „Die hohe Qualität der Produkte, die Leistungen für Mensch und Umwelt und die grundsätzlichen Gedanken, die Bio ausmachen, muss man erleben und sich vergegenwärtigen. Daher ist es mir wichtig, dass die künftige Ministerin oder der künftige Minister sich mit unserem nachhaltigen Handeln vertraut macht. Ich bin überzeugt, dass über ein solches gemeinsames Verständnis viel mehr umgesetzt werden kann als es jetzt noch im Koalitionsvertrag möglich erscheint“, so der Geschäftsführer des Unternehmens mit insgesamt elf Filialen in Stuttgart und Umgebung.

Die Unternehmen sind Mitglied im Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. Der BNN vertritt die Protagonisten der Naturkost- und Naturwarenbranche. Der Verband verabschiedet besondere Qualitätsrichtlinien für den Naturkost-Fachhandel, die über die gesetzlichen Anforderungen für Bio-Produkte hinausgehen. Der Naturkost-Facheinzelhandel erzielte 2015 in Deutschland ein Umsatz-volumen von 3,04 Milliarden Euro mit Bio-Lebensmitteln und Naturkosmetik.


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