Start / Ausgaben / bioPress 87 - April 2016 / Mestemacher: 151 Millionen Euro Rekordumsatz

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Mestemacher: 151 Millionen Euro Rekordumsatz

Appell: Umsetzung der Trilog Öko-Reformvorschläge für neues EU-Bio-Recht verhindern

  • © Mestemacher

(v.r.): Fritz Detmers, geschäftsführender Gesellschafter in der Mestemacher-Gruppe, Helma Detmers, Gesellschafterin in der Mestemacher-Gruppe, Albert Detmers, geschäftsführender Gesellschafter in der Mestemacher-Gruppe, Prof. Dr. Ulrike Detmers, Gesellschafterin und Mitgeschäftsführerin in der Mestemacher-Gruppe.

Die Großbäckerei Mestemacher hat 2015 mit ihren Tochtergesellschaften einen Rekordumsatz von 151 Millionen Euro erreicht. Mit SB-verpackten Brotsorten wie Pumpernickel, verschiedenen Vollkornbrotsorten, internationalen Brotspezialitäten und Tiefkühlkuchen sowie Müsli-Spezialitäten konnte das Unternehmen um über 4 Prozent gegenüber 2014 wachsen. Das bedeutet einen Mehrumsatz von rund 6 Millionen Euro. Damit habe sich das Unternehmen deutlich besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Der Exportanteil halte sich weiterhin auf 24 Prozent der Gesamtumsätze, sagte Albert Detmers, geschäftsführender Gesellschafter in der Mestemacher-Gruppe bei der Jahrespressekonferenz am 29. Januar im Parkhotel Gütersloh.

Mestemacher und Detmers Getreide-Vollwertkost sind seit 1985 aktive Verarbeiter von Bio-Zutaten zur Herstellung von Bio-Vollkornbroten und Bio-Müslis. Bio-Brot und -Backwaren von Mestemacher haben nach wie vor einen Anteil von 20 Prozent, Detmers Getreide-Vollwertkost produziert nunmehr zu 90 Prozent Bio-Müslis. Die Herstellung konventioneller Müslis wurde in das Tochterunternehmen BENUS Spólka z.o.o. nach Polen ausgelagert.

Bedrohung durch die geplante neue Bio-Verordnung der EU

ie Familiengesellschafter der Mestemacher-Gruppe, Albert Detmers, Prof. Dr. Ulrike Detmers, Fritz Detmers und Helma Detmers, sehen die Reformvorschläge für eine neue Bio-Verordnung mit Sorge. Der Entwurf der kleinen Kommission Trilog sieht vor, dass Bio-Produkte bereits bei einer minimalen Kontamination durch Pestizide oder Lagerschutzmittel als Nicht-Bio-Ware dezertifiziert werden sollen.

Sollten spezielle Grenzwerte bei Kontaminationen festgelegt werden, würde das bedeuten, dass Bio‐Bauern, deren Produkte Pestizidrückstände ausweisen, weil etwa der konventionelle Nachbar Pflanzenschutzmittel verwendet und diese auch den Bio‐Acker kontaminieren, seine Produkte nicht mehr als ‚Bio‘ vermarkten kann.

Mit dieser widersprüchlichen Entscheidung zu Grenzwerten stiegen Rechtsunsicherheit und Unsicherheit für Investitionen für Bio‐Bauern und die ökologische Lebensmittelwirtschaft, so Albert Detmers.

Die Unternehmen Mestemacher und Detmers fordern die Entscheider auf, Rechtsklarheit und Investitionssicherheit für die nachhaltige Wirtschaft zu garantieren. Sie erwarten ebenfalls die Weiterentwicklung gegenseitiger Anerkennung von Bio‐Standards mit Drittstaaten. Nur so könne der Bio‐Import sichergestellt werden. Die Drittstaaten erhielten Devisen und könnten damit Arbeits‐ und Lebensverhältnisse verbessern.

Rekord-Investitionen

Für das Wirtschaftsjahr 2015 sind Rekord-Investitionen in Höhe von 9,8 Millionen Euro durchgeführt worden. Die Planung für 2016 liegt bei 6,5 Millionen Euro. Die Investitionssummen flossen in Technik zur Steigerung der Energieeffizienz, in die Rationalisierung zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit und in Ersatzinvestitionen sowie räumliche Erweiterungen. So wurde 2015 der Aufbau eines neuen Verwaltungsgebäudes in Gütersloh realisiert.

Problem: Rationalisierung von Roggen

Im Jahresdurchschnitt 2014 wurden pro Monat über 13 Millionen Brotpackungen zum Verkauf im SB-Brotregal hergestellt. Dafür wurden monatlich über 2.000 Tonnen Getreide, hauptsächlich Roggen, verarbeitet.

Da der Roggen bei Mestemacher spezifische Anforderungen für das Backen erfüllen müsse, sei im abgelaufenen Erntejahr das für Mestemacher spezifische Angebot deutlich geringer als die Gesamternte an Roggen gewesen, sagte Albert Detmers.

Die Rationalisierungen innerhalb der Produktion hätten dafür gesorgt, dass die Preise stabil bleiben konnten. Dadurch hätten Mehrkosten für Personal, Logistik, Heizkosten und Kartonagen kompensiert werden können.

Risikofaktoren seien auch in Zukunft die volatilen Preise für relevante Rohstoffe, Witterungseinflüsse und die sinkende Anbaufläche für Roggen. Ein Problem sei nach wie vor, dass der weltweite Roggenanbau weiter schrumpft.

Laut Deutschen Bauernverband ist die Anbaufläche für Roggen im vorigen Jahr um 6.800 Hektar zurückgegangen. Mestemacher befürchtet deshalb als Roggenvollkornbäcker eine Fortsetzung der Preissprünge. Aufgrund der Verknappung der Anbauflächen für Roggen rechne man damit, dass guter und backfähiger Brot-Roggen eher knapp wird.

Aerzener Brot und Kuchen GmbH

Die Aerzener Brot und Kuchen GmbH gehört seit 2002 zur Unternehmensgruppe Mestemacher. Das Kernsortiment Tiefkühlkuchen und Brot für das Segment Preiseinstieg vertreibt Aerzener national und international. Hauptabsatzgebiet ist Deutschland mit dem Vertrieb über den deutschen LEH, insbesondere im Bereich der Eigenmarken. Neu entwickelt wurden 2015 handwerkliche Kuchen, die tiefgekühlt an den LEH geliefert werden. Zuwachs bei Neuheiten gibt es auch beim Sortimentstyp Knusperscheiben aus Bio- und Nicht-Bio-Zutaten.

BENUS Spólka z.o.o.

Eine weiterhin gute Entwicklung verzeichnet das polnische Tochterunternehmen BENUS Spólka z.o.o. Diese konnte ihre Umsätze von 7,7 Millionen Euro in 2014 auf über 8,6 Millionen Euro in 2015 erhöhen und hat ihre Distribution am polnischen Markt dadurch weiterhin deutlich ausgebaut.

Geplanter Umsatz für 2016

Für 2016 plant die Firmengruppe wegen der unwägbaren Wirtschaftslage im In- und Ausland und der noch nicht ganz absehbaren Auswirkungen der Backstationen im LEH mit dem gleichen Umsatz in Höhe von 151 Millionen Euro.

Soziale Aktivitäten für Gleichstellung von Beruf und Familie

Seit 1994 engagiert sich Mestemacher für die Förderung der Gleichstellung von Frau und Mann und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Initiatorin der Aktivitäten ist Prof. Dr. Ulrike Detmers, Gesellschafterin der Mestemacher-Gruppe und Mitglied der Unternehmensleitung. Als Frauenrechtlerin setzt sie sich seit über 20 Jahren für Männeremanzipation und die gesetzliche Frauenquote ein.

Seit zehn Jahren wird der Mestemacher-Preis ‚Spitzenvater des Jahres‘ an Väter verliehen, die Kinder, Küche und Karriere zu ihren Lebenswelten erklärt haben. Diese ‚neuen‘ Väter unterstützen ihre Partnerin aktiv bei deren Karriere und bekennen sich dazu, genauso für die Kindererziehung und den Haushalt zuständig zu sein, wie die Mütter.

Die 11. Preisverleihung fand im März in Berlin statt. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel betonte in ihrem Grußwort: „Gleichstellung ist gleich Frauensache – das ist eine Gleichung, die nicht aufgeht. Es kommt ebenso auf die Männer an. Vor allem Väter spielen eine entscheidende Rolle.“

Familienministerin Manuela Schwesig sagte als Schirmherrin des Preises, dass viele Väter, die sich eine Auszeit nehmen oder im Beruf kürzer treten wollten, auf Unverständnis stießen. „Wir brauchen einen Kulturwandel: In der Wirtschaft und auch in der Gesellschaft.“

„Mütter wie Väter können im Doppelpack Beruf und Familie besser unter einen Hut bringen.“, so Detmers. „Richtig gut kann es allen gehen, wenn die Familie durch familienergänzende qualifizierte Betreuungsangebote und Bildungsangebote unterstützt wird. Die gleichberechtigte Partnerschaft in der Ehe und Familie fördert die Leistungskraft von Gesellschaft und Wirtschaft.

Immer mehr Männer und Väter entscheiden sich, gezielt ihre Fähigkeiten ausgiebiger für Kinder, Haus- und Kocharbeit zu nutzen. Sie haben sich von den Erwartungen an den typischen Mann verabschiedet und sind aufgebrochen zu neuen Ufern.“

Seit 2002 zeichnet das Stifterunternehmen Mestemacher Spitzenfrauen in Chefetagen mit dem Preis ‚Managerin des Jahres‘ aus. Die Top‐Managerinnen sollen weiblichen Nachwuchskräften als Vorbild dienen und die Männerwelt Wirtschaft davon überzeugen, dass die Führung von Personal und Unternehmen selbstverständlich auch Frauensache ist.

„Der Einfluss auf wirtschaftliche und unternehmerische Entscheidungen ist in Deutschland zu männerlastig. Deshalb treten wir für geschlechtlich gemischte Teams ein. Auf die Leistungsfähigkeit von Frauen können weder die Wirtschaft noch die Unternehmen verzichten. Leistungsträger werden gebraucht und dabei spielt das Geschlecht nicht die entscheidende Rolle“, äußert Detmers immer wieder in ihren Veröffentlichungen und Vorträgen.   

Unter anderem wurde in der Zeit von 2001 bis 2013 der Mestemacher KITA-Preis verliehen, der in jährlich wechselnden Regionen Deutschlands Kindertagesstätten für geschlechterdemokratische Erziehung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgezeichnet hat.


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