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Anuga Organic: Erfolg versprechende Wachstumsstrategien für Bio-Unternehmer 2020

Umsatz und Ertragssicherung in Zeiten dynamischer Marktentwicklungen

Bio ist im Mainstream angekommen. Die Branche ist extrem schnell und kontinuierlich gewachsen. Für die einen eine unangenehme Überraschung, für die anderen eine Bestätigung ihrer lebenslangen Bemühungen um eine chemiefreie Natur und einen lebenswerten Planeten. Bio alleine ist jedoch kein Alleinstellungsmerkmal mehr. In Teilbereichen – ohne echte Differenzierungsmerkmale – ist bereits ein Preis- und Verdrängungswettbewerb im Gange. Der Fachhandel wächst aktuell deutlich langsamer als Bio im LEH. Bio-Unternehmer stehen vor ganz neuen Herausforderungen, um in Zeiten dynamischer Marktentwicklungen auch morgen noch wettbewerbsfähig zu sein. 

Mit welcher Unternehmensstrategie ist man als Bio-Unternehmer auch morgen noch erfolgreich? Um diese Frage zu beantworten ist es ratsam, sich zunächst die folgenden Überlegungen und Entwicklungen zu vergegenwärtigen: 

1. Alleine in Deutschland hat die Biobranche in den letzten Jahren eine Vervielfachung des Wachstums auf bald acht Milliarden Euro zu verzeichnen. Die Wachstumsgrenzen sind aber bei einem Marktanteil von knapp fünf Prozent noch lange nicht erreicht. Die Entwicklung hin zu „Bio und regional“ ist weiterhin auf dem Vormarsch.

2. Das einzig vernünftige Ziel „100 Prozent Bio für alle“ muss alle Verbraucher mitnehmen. Bio für alle geht nur mit allen! Alle vorhandenen Lebensmittel-Vertriebswege einbeziehen versus nur Naturkostfachhandel, ist die aktuelle Frage.

3. Das Bio Wachstum im Lebensmitteleinzelhandel wirkt sich bei einem Bio-Marktanteil von rund 60 Prozent dynamischer aus als im Fachhandel. Für die Premiumanbieter im Fachhandel wird die Fachhandelstreue immer mehr zur Gretchenfrage. Die Situation ähnelt der der Reformwarenbranche um die Jahrtausendwende. Die negativen Auswirkungen sind hinreichend bekannt.

4. Bio im LEH hat also ein riesiges Potenzial.

5. Konkret: Bei einem durchaus realistischen Ziel von 20 Prozent Marktanteil, wie es Renate Künast 2001 verkündet hatte, sind mittelfristig noch mehr als 16 Milliarden Euro Umsatzentwicklung in der Pipeline.

6. Ein weiteres Problem, um die ungebremste Nachfrage nach Bioprodukten zu befriedigen, ist die Tatsache, dass die Produktion der meisten deutschen Bio-Hersteller immer wieder an Grenzen stößt. Traditionelle Bio-Hersteller stehen vor der Herausforderung, erhebliche Erweiterungsinvestitionen (sprungfixe Kosten) für mehr Kapazität in der Zukunft finanzieren zu müssen. Zukunftsfähige Produktions- und Vermarktungsstrategien werden zu einem existenziellen Erfordernis.

7. Filetstücke der Bio-Pioniere der ersten Stunde stehen in den nächsten Jahren zum Verkauf. 
Interessierte Kapitalinvestoren mit lukrativen Angeboten liegen in Wartestellung. Hauptsächlich aus dem angloamerikanischen Raum. PionierUnternehmer laufen Gefahr, Handlungsspielräume zu verlieren, wenn Sie sich nicht richtig aufstellen für die Zukunft.

Die Besten prägen die Zukunft

Um künftig profitables Wachstum in den Bio-Märkten generieren und unabhängig wachsen zu können, ist es für Bio-Unternehmer sehr hilfreich, sich an den Erfolgsstrategien der sogenannten Hidden Champions der deutschen Wirtschaft zu orientieren.

Bereits in den neunziger Jahren hat Professor Hermann Simon den Begriff der Hidden Champions geprägt. Hidden Champions, das sind relativ unbekannte mittelständische Weltmarktführer (über 2.500 Unternehmen, zum Beispiel Brita Wasserfilter, Kärcher, Webasto). Sie gelten als die Speerspitze der deutschen Wirtschaft, weil sie es durch ihre Spezialisierungs- und Erfolgsstrategie geschafft haben, sich selbst in umkämpften Märkten (wie Bio heute im LEH) gegen die Global Players der Großindustrie (große Marken wie Nestlé) durchzusetzen. Die­se Firmen operieren extrem kundennah. 

Hidden Champions leben in engen Marktnischen – oder schaffen sie sich. Sie entwickeln einzigartige Produkte, einzigartige Problemlösungen oder haben sich auf homogene Zielgruppen spezialisiert. Sie  haben ihr Produkt als Innovatoren selbst entwickelt und eingeführt, mitunter ihre Position als Pionier im Markt behauptet. Die Wettbewerbsvorteile beruhen selten auf reinen Kostenvorteilen, sondern fast immer auf hohe Produktqualität, Innovation und überragende Leistungen in der Unternehmensführung. Die richtige Strategie bei der richtigen Zielgruppe, nicht primär Kapital oder Größe, waren die wesentlichen Erfolgsursachen dafür.

Wie könnten – orientiert an den Hidden Champions –  grundlegende erfolgversprechende Wachstumsstrategien 2020 für Bio-Unternehmer also aussehen?

Damit die Bio-Erfolgsstory weitergeschrieben werden kann, müssen Bio-Unternehmer sowohl nach AUSSEN (auf die Kunden) als auch nach INNEN (innerbetriebliche Entwicklung) schauen und jetzt die richtigen Antworten finden (vgl. Kasten).

Die Entwicklung und Umsetzung einer  Strategie 2020 ist jetzt ein Gebot der Stunde. Dem Thema Bio-Wachstumsstrategien 2020 stellen sich der bioPress-Verlag und ein Pionier der umweltorientierten Strategieberatung, Roland Schön+Partner, auf der Anu­ga, indem sie ihre Erfahrungen als komprimierten Input im Rahmen eines Experten-Dialogs zur Verfügung stellen.

In der anschließenden Dialogrunde mit Unternehmern, Pionieren und Machern des Bio-Marktes geht es unter anderem um folgende Fragen:

-Mit welchen fundamentalen Veränderungen der Marktkräfte müssen Bio- Akteure in den nächsten zehn Jahren rechnen? 
-Wie kann ich profitabel weiter wachsen in einem sich dynamisch wandelnden Markt? Welches strategische Denken und Handeln braucht es dafür?
-Sind Spezialisierungsstrategien die richtigen We­ge aus der Austauschbarkeitsfalle?
-Mit welcher Markenstrategie halte ich dem kommenden Preisdruck stand?
-Wie sichere ich die strategische Nachfolge meiner Firma, ohne unter die Räder von Konzernen zu geraten?

Moderation: Roland Schön, Mo. 12.10 um 16:15 Uhr 
im Pressecentrum Ost.

Zu Fragen der Markt- und Strategieentwicklung stehen Roland Schön (Roland Schön + Partner) und Erich Margrander (bioPress und emBIOconsulting) als Dialogpartner und Beratungsexperten für interessierte Bio-Un- ternehmer auf der Anuga zur Verfügung (Halle 5.1/E001). 
Messe-Terminvereinbarung ab sofort Tel. 06220-914540.

Roland Schön und 
Erich Margrander

Wachstumsstrategie 2020 für 
Bio-Unternehmer

1. Klare, hochgesteckte Ziele, um führender Anbieter im relevanten Markt (idealerweise Nr. 1 deutschland-/europaweit) zu werden oder zu sein. Dieser sollte fest umrissen für eine spezielle Zielgruppe definiert sein (also nicht zu global).

2. Kräftekonzentration und Spezialisierung auf das was man kann und konsequent auf das eigene Kerngeschäft ohne faule Kompromisse. Keine Verzettelung der Kräfte (z.B. Mehrmarkenstrategie im Fachhandel und LEH oder überdimensioniertes Sortiment, um es allen recht zu machen).

3. Gezielte Stärkenorientierung und Vertrauen auf eigene Stärken, speziell in der Produktentwicklung und der gesamten Unternehmensführung.

4. Fokus auf die Lösung brennender Kundenbedürfnisse und -wünsche (Produkt/Prozess), sowohl bei den Endkunden als auch bei den Handelspartnern/Lieferanten. Ermittlung und Erfüllung kritischer Erfolgsfaktoren bei allen Handelspartnern.

5. Engpassorientiertes Vorgehen, sowohl operativ als auch strategisch. Regelmäßige Überprüfung und Lösung des aktuellen operativen und strategischen Engpasses.

6. Werte und wertorientierte Kundenstrategie. Mit konsequenter Nutzen- und Qualitätsorientierung anstelle der üblichen Kapitalorientierung von Großunternehmen Wettbewerbsvorteile schaffen. Regelmäßiger und systematischer Dialog mit den (End-) Kunden.

7. Kontinuierliche Innovation in den Produkten und transparenten Wertschöpfungsprozessen. Starke Antriebskräfte in die Marktentwicklung stecken.

8. Eindeutige Wettbewerbsvorteile in Produkt, Service, Partnerschaften sowie sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit erarbeiten und umsetzen.

9. Mit den richtigen Kooperationspartnern Vorteile gegenüber kapitalstarken Konzernen erzielen (effektive Kooperationsstrategie).
 


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