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Obst + Gemüse

Gesunde Powerfrüchte

für beliebte Bio-Fruchtklassiker und eine moderne funktionale Range

Auf der Food Ingredients Messe in Frankfurt war deutlich erkennbar: Health & Nutrition ist angesagt. Immer wieder stieß man auf exotische Pflanzenextrakte, Botanicals und ähnliches, nicht selten in Kombination mit der Auslobung als organic. In diesem Zusammenhang spielen sogenannte Powerfrüchte oder Superfruits eine große Rolle, und auch für die Zukunft zeichnet sich eine positive Entwicklung ab.

Eine offizielle Definition für Powerfrüchte gibt es nicht. Doch zählt im Allgemeinen dunkel gefärbtes Obst dazu, wie Aroniabeeren, Açaíkirschen, Cranberries, Heidelbeeren, Schwarze Johannisbeeren, Gojibeeren, Holunderbeeren und Granatäpfel, ebenso intensiv gelbe Sanddornbeeren. Die meisten wachsen unter extremen Klimabedingungen, sei es im äußerst unwirtlichen Norden, an rauen, kargen Küsten oder inmitten des Regenwaldes.

Die Pflanzen helfen sich, indem sie besonders viel Vitamine, Antioxidantien, Flavonoide und andere sekundäre Pflanzenstoffe bilden. Gerade das macht sie für die menschliche Ernährung so wertvoll. Umso wichtiger sind Schadstofffreiheit der Rohware und eine nachvollziehbare Herkunft.

Bevorzugt in flüssiger Form

Überwiegend werden Bio-Powerfrüchte in Form von hochwertigen Säften angeboten, so auch von den Traditionskeltereien Beutelsbacher, Rabenhorst und Voelkel. Der Fokus liegt dabei auf Vollfrucht- beziehungsweise Muttersäften.

Als Muttersaft bezeichnet man Direktsäfte aus der ersten Pressung säurereicher Früchte, bei denen die natürlichen Trübstoffe und damit gesundheitsfördernde Pflanzenstoffe, nicht oder nur zu geringen Teilen entfernt wurden, erklärt man bei Voelkel. Und weiter: Sehr intensiv im Geschmack würden ihre Muttersäfte in der Regel nicht pur getrunken, sondern verdünnt und als Basis für Mischgetränke oder Fruchtzubereitungen verwendet.

Der von Bio-Betrieben angestrebte regionale Bezug der Rohware ist bei den Powerfrüchten nur in Einzelfällen möglich, etwa bei Holunder und Sanddorn. Doch arbeiten die Anbieter meist mit festen bio-zertifizierten Partnern zusammen, auch wenn die Früchte aus Wildsammlung stammen. So bezieht Voelkel die Granatäpfel seit 2002 von ihrem Anbaupartner Göknur aus der Türkei.

Die Auswahl an Bio-Muttersäften ist durchweg ansprechend und vielseitig. Auch bei Haus Rabenhorst reicht sie von Aronia bis zu Schwarze Johannisbeere. Als Zielgruppe nennt das Unternehmen alle, die sich mit gesunden Säften etwas Gutes tun wollten. Außerdem würden die Säfte gerne verschenkt.

Beutelsbacher bietet neben Mut­ter- & Pflanzensäften eben­falls mehrere Fruchtsäfte mit einem Anteil von Powerfrüchten an, zum Beispiel die beliebte Sorte Sanddorn-Karotte. Als Nahrungsergänzungsmittel läuft außerdem die neue Produktlinie Bio-Vollfrucht aus der kompletten Frucht. Gleich drei Sorten basieren auf dem Klassiker Sanddornmark und sind mit Acerolaextrakt verfeinert; einmal handelt es sich um reine Acerola- Vollfrucht.

Nahrungsergänzungsmittel und Bio – diese Kombination ist seit einiger Zeit durchaus möglich. Ein umfassendes Angebot an funktionalen Lebensmitteln in Form von Presslingen sowie an besonders nährstoffreichen Säften findet sich bei Medicura Naturprodukte.

Sanddorn- und Holundersaft aus deutschem Anbau, exotischer Aronia- und Gojisaft und mehr sind dabei wie üblich in kleinen Braunglasflaschen abgefüllt.

Dazu kommt jeweils ein schützender Umkarton, den Medicura gleichzeitig für weitergehende Informationen über die jeweils eingesetzten Powerfrüchte nutzt. Die Produktion von Eigenmarken ist möglich.

Spezialisten am Werk

Andere Bio-Hersteller haben sich mehr oder weniger auf eine bestimmte Powerfrucht spezialisiert und damit verschiedene Produkte kreiert:

Ein intensiver süß-saurer Geschmack, sattes orangegelb, Vitaminreichtum und auch aus heimischer Herkunft: Der Sanddorn.  „Die Verarbeitung ist jedoch eine echte Herausforderung. Zum einen sollen die wertvollen Vitamine- und Vitalstoffe erhalten bleiben und zum anderen müssen Optik und Geschmackserlebnis stimmen“, sagt  Christine Berger über ihre Marke Sandokan, die sie mit vielen Mühen eingeführt hat.

Bei der Açaí GmbH und der Aronia Original Naturprodukte gibt sich das Kerngeschäft schon im Firmennamen zu erkennen. Erstere verarbeiten die Powerbeeren aus dem Amazonasgebiet zu einem Mix aus funktionellen Superfruits und beliebten Fruchtklassikern.

Die Linie an Vitaldrinks heißt Superfruit Premium Selec­tion. Dazu kommen Bio-Smoothies, gefriergetrocknete reine Fruchtpulver und  Bio Açaí Juice Pads, das sind tiefgekühlte Fruchtpürees im 100 Gramm Pack.

Für die herben, fast schwarzen Aroniabeeren, die teilweise sogar in Deutschland gedeihen, spricht ihr hoher ORAC-Wert und damit antioxidative Kapazität. Aronia Original verwendet sie sowohl für Lebensmittel als auch für einige Kosmetikprodukte. Die Auswahl reicht vom puren Aroniasaft (Einzelflasche oder 3-Liter-Saftpack) und Aronia-Granatapfel-Direktsaft über Aroniavollfrucht bis zu Aro­niawein, getrockneten Beeren und Süßwaren.

Die Solutions Vertriebs GmbH mit der Marke Oxilien konzentriert sich vor allem auf Produkte aus Granatapfelsaft, die sie sowohl unter dem eigenen Label als auch in Form von Private Label vertreiben. Bei den Verpackungen setzt das Unternehmen ebenso wie Aronia Original auf Einweg, so wird der Granatapfelsaft im TetraPak, das Lifestyle-Mixgetränk Oxilien 100 in PET und das konzentrierte Holunder-Elixier in schmalen Einwegglasflaschen angeboten.

Gemeinsam finden sich Aronia und Granatapfelsaft ansonsten im neuen aromatisierten Kokoswasser Renew von Kulau. Dabei ist schon Kokoswasser - der Saft grüner Kokosnüsse -  selber ein beliebtes isotonisches und mineralstoffreiches Lifestyle-Getränk. Kulau und auch Tropicai gehören zu den wenigen Anbietern, die es hierzulande in Bio-Qualität und ansprechendem Design führen.

Konzentrierte Leichtgewichte

Das Stichwort Trockenfrüchte ist schon erwähnt worden, wobei getrocknete und damit konzentrierte Powerfrüchte im Gegensatz zu anderen Früchten längst noch nicht überall zum Standard gehören. Einige Bio-Anbieter sehen darin jedoch großes Potenzial.

Lemberona aus Österreich führt neben Bulkware auch ein großes Sortiment für Endverbraucher in wiederverschließbaren Tüten, wobei die Rohware überwiegend aus Usbekistan stammt und teilweise zusätzlich fair gehandelt ist. Die lange Angebotsliste macht neugierig: Granatapfelkerne, Cranberries, Preisel-, Sanddorn-, Aronia- und  Holunderbeeren, Berberitzen, Gojis. Schonend solargetrocknet, haben die Früchte Rohkostcharakter.

Dies macht die Produkte zugleich für die wachsende Gruppe an Veganern und Rohkostkunden interessant. Keimling, Life Food, Raab Vitalfood und neuerdings auch TerraSana setzen ebenfalls auf eine Auswahl, die dank geringer Temperaturen bei der Trocknung als vitaminreiche Rohkost gilt. TerraSana bietet die Maulbeeren, Inkabeeren (Physalis) und Gojibeeren dabei bewusst als Glasware an, um so deren Hochwertigkeit zu betonen.

Es sind Unternehmen am Markt, die mit Früchten in unterschiedlicher Qualität ausschließlich für den B2B-Handel produzieren. Während Voicevale sich auf Bio-Cranberries (getrocknet, gesüßt, soft & moist) beschränkt, findet man bei Kiantama aus Finnland eine breite Auswahl an Wild- und Kulturbeeren.

Neben Preiselbeeren, Cranberries und ähnlichen umfasst das Angebot auch ungewöhnliche Fruchtsorten wie Torf- und Vogelbeeren. Neben Trockenfrüchten sind auch gefrorene, Pürees, Pulpen, Säfte, Saftkonzentrate, Sirupe und Pulver erhältlich. Ähnlich bei Tradin Organic, die ihre Ware oft von eigenen Anbauprojekten bekommen und somit eine durchgängige Kontrolle garantieren können.

Bettina Pabel

 

Powerfrüchte-Tipps

 

Mit Bio-Produkten aus Superfruits kommt der Handel gesundheitsbewussten Kunden entgegen. Jede Fruchtsorte punktet dabei mit speziellen Vorzügen:

- Acerola und Sanddorn sind wahre Vitamin C-Bomben. In der Regel entsprechen bereits ein bis zwei Esslöffel Muttersaft dem
empfohlenen Tagesbedarf.

- Sanddorn liefert nicht nur Vitamin C, sondern auch reichlich Vitamin E und Mineralstoffe.  

- Aroniabeeren mit ihrem herben süß-säuerlichen Geschmack zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an schützenden Antioxidantien aus.

- Cranberries enthalten ebenfalls viele Antioxidantien und sollen durch ihre antibakterielle Wirkung helfen, die Ansiedlung von Bakterien in den Harnwegen zu vermeiden.

- Die im Granatapfel vorkommenden sekundären Pflanzenstoffe werden mit positiven Wirkungen auf die Zellneubildung und das Immunsystem in Verbindung gebracht.

Um den Absatz von Bio-Muttersäften und anderen Powerfrucht-Produkten zu unterstützen, bieten sich Thementische und Verkostungen an. Vielleicht ja mit selbst gemixten exotischen Vitaldrinks aus einem roten Muttersaft und styligem Kokoswasser, das ebenfalls gerade gesundheitsorientierte Verbraucher anspricht? Oder mit Crunchy plus getrockneten Gojibeeren und Kokosmilch, Sanddornmark-Joghurt und, und, und….?

 


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