Start / Ausgaben / BioPress 70 - Februar 2012 / Bio-Olivenöle glänzen mit Authentizität

Bio-Olivenöle glänzen mit Authentizität

Bei Bio-Olivenöl steht ein breites Produkt­-sortiment vom Preiseinstiegs- bis zum Premiumprodukt zur Auswahl. Dazu gehören Basisöle ebenso wie Spezialitäten.

Im Gegensatz zu anderen Speiseölen bilden Olivenöle eine eigene Warengruppe für sich. Der Grund dafür liegt darin, dass sich Farbe und Geschmack von kaltgepressten Olivenölen je nach eingesetzten Olivensorten, klimatischen oder geographischen Bedingungen deutlich unterscheiden. Diese faszinierende terroirbegründete sensorische Vielfalt der nativ extra-Qualitäten spiegelt sich im Bio-Angebot der meisten konventionellen Lebensmittelgeschäfte jedoch noch nicht wieder.

Anders im Feinkost- und im Naturkosthandel, wo der Kunde die Wahl zwischen diversen Produkten hat – eine Chance zur dauerhaften Kundengewinnung, die auch der qualitätsorientierte Kaufmann im LEH/SEH nutzen kann. 

Viele Verbraucher nehmen die Auswahlmöglichkeit mittlerweile bewusst wahr, auch diejenigen, die nicht regelmäßig Bio-Produkte verwenden. Bei anderen ist dieser Prozess, der einfach Zeit braucht, dagegen noch nicht abgeschlossen. Selbst wenn die Bio-Branche nicht ständig neue Olivenölvarianten auf den Markt bringen kann, gibt sie mit neuen Flaschenformen oder Etiketten immer wieder Kaufimpulse.

Förderlich für den Absatz sind auf jeden Fall Verkostungen und Informationen zu den unterschiedlichen Qualitäten. Die Tatsache, dass die Hersteller hier detailliert und kompetent Auskunft zu den verarbeiteten Früchten und den Erzeugerbetrieben geben können, spricht für einen direkten, engen Kontakt zu den jeweiligen Partnern oder sogar eigene Herstellung.
Zugleich tragen immer wieder Meldungen in den Medien zum guten Image von Olivenöl bei. So berichtete die Ärzte-Zeitung im letzten Jahr von einer großen Studie in Frankreich über die gesundheitlichen Wirkungen von Olivenöl.

Demnach schützt das grüne Gold offenbar nicht nur das Herz, sondern auch vor Schlaganfall. Nachdem auch die EFSA die Gutachten zur antioxidativen, zellschützenden Wirkung der Polyphenole in Olivenöl bestätigt und die Aussage in die vorläufige Liste der Health Claims aufgenommen hat, dürfte sie in der zukünftigen EU-Verordnung endlich einen gesetzlichen Rahmen bekommen.

Unterschiedliche Klassifikationen als Entscheidungshilfe

Während einige Bio-Anbieter als Auswahlkriterium für den Kunden den Geschmack angeben, teilen andere ihre Olivenöle nach den Herkunftsländern ein. Ein universell einsetzbares Olivenöl haben aber eigentlich alle im Programm. Rila mit der Marke Rinatura beschränkt sich beispielsweise auf die Unterscheidung zwischen einem Olivenöl nativ extra in der Halb-Liter-Flasche und einem Premium Olivenöl nativ extra mit 100 Milliliter.

Dennree setzt dagegen auf zwei Marken: Während sich die beiden Dennree-Öle aus italienischer und spanischer Rohware für den täglichen Gebrauch anbieten, wendet sich der Großhändler mit dem Gustoni Olivenöl DOP vor allem an Liebhaber der kalabrischen Küche.

Stichwort Geschmack: Byodo gehört zu den Anbietern, bei denen der Verbraucher eine Einteilung der verschiedenen Olivenöle im Gesamtsortiment nach dem Geschmack findet. Obwohl alle Öle von Partnerbetrieben in Süditalien stammen, reicht das Spektrum abhängig vom individuellen Mischungsverhältnis der Olivensorten von dolce (mild) bis zu fruttato (kräftig-fruchtig).

Bio-Olivenöl aus einem einzigen Land zeichnet auch die meisten kleineren Erzeugerbetriebe aus dem Ausland, die regelmäßig auf der BioFach den Großteil der Olivenhalle füllen, aus. Hier sind spezialisierte Großhändler gefragt, die Erzeugerabfüllungen vermarkten wie das Importhaus Wilms oder Die Olive und mehr….

So hat Wilms mit dem PrimOli DOP Il Frutto della Vita ein intensiv fruchtiges Olivenöl aus Italien und von Gaea ein Bio-Olivenöl aus Griechenland/ Peleponnes im Lieferprogramm. Viele kleinere, noch unbekannte Importeure und Großhändler suchen in der Zwischenzeit den Weg in die Regale der Bio-Anbieter. Sie können in Zukunft für mehr Angebotsvielfalt sorgen.

Das aktuelle Angebot von Die Olive… umfasst vier hochwertige eher mild-schmecken­de Bio-Öle aus dem Latium, Kampanien und Ligurien sowie einem Toskanischen Olivenöl IGP aus dem Chianti.

Sind Kanister im Programm, richten sich deren Angebot hierzulande meist an Großverbraucher. In Italien sind drei Liter oder fünf Liter-Gebinde auch für Familien an der Tagesordnung.

Italien ist das Olivenöl-Land schlechthin, zumindest was den Export und das Image betrifft. Aber auch Spanien und Griechenland mischen auf dem Markt mit. Dabei kommt die Tatsache zum Tragen, dass sich italienische Oliven eher durch einen milden Geschmack auszeichnen, Spanien und Griechenland wiederum mehr für eine fruchtige, pikante oder herbe Note.

Während man Destination oder Dama de Elaia als Vertreter für Olivenöle aus Spanien nennen kann, ist der Name Bläuel fest mit Griechenland verbunden. 58 Prozent des Umsatzes macht das Unternehmen noch mit Private-Label des LEH, wovon immerhin 60 Prozent auf Bio-Produkte entfallen.

Die eigenen Mani Bläuel Olivenöle tragen im Fachhandel aber ebenfalls nicht wenig zum Umsatz bei. Momentan handelt es sich um Kreta Olivenöl DOC sowie sortenreines Kalamata Olivenöl DOC und Mani Bläuel Olivenöl aus Koroneiki-Oliven. Im Regal sind sie durch die unterschiedlichen Flaschenformen schon von weitem zu unterscheiden. Besonders die seltene sogenannte 0,5-Liter-Likörflasche mit dem Kalamata Öl fällt dabei ins Auge. Neben dem Flaschenverkauf findet das hochwertige Mani Olivenöl eine weitere Verwendung, indem Bläuel es auch für die verschiedenen Bio-Olivenspezialitäten einsetzt.

Die Speziellen und die Spezialitäten

Olivenöle aus unterschiedlichen Ländern, aber unter einer Marke, findet man im LEH bisher eher selten. Bio-Gourmet bildet mit einem griechischen und einem spanischen Olivenöl eine Ausnahme. Bei den etablierten Fachhandelsmarken bieten dagegen mit Naturata, Ölmühle Moog (Bio Planète) und Rapunzel gleich mehrere Firmen entsprechende Öle an. Je nach Geschmacksvorliebe und Verwendungszweck hat der Kunde die Wahl zwischen Tunesien, Italien, Griechenland, Portugal und Spanien, wobei es je nach Hersteller durchaus noch weitere Unterschiede gibt.

Häufig dürfen sie als zusätzliches Qualitätsmerkmal das EU-Siegel für Herkunftsschutz und die entsprechende Abkürzung im Namen tragen. Je nach Land und Schutzstufe unterscheidet sich die Abkürzung. So stehen zum Beispiel IGT und PGI für geschützte geographische Angabe und DOC (oder PDO) und DOP für die noch strengere geschützte Ursprungsbezeichnung, bei der sowohl Erzeugung, Verarbeitung als auch Herstellung in einem bestimmten Gebiet erfolgen müssen.

Zu den Spezialitäten beziehungsweise Gourmetölen gehören außerdem die seltenen Abtropföle mit der klangvollen Bezeichnung „Blume des Öls“. Die gemahlenen Oliven werden dabei nicht gepresst, sondern das Öl tropft allein durch Eigendruck ab. Diese, in der Regel ungefilterten und limitierte Qualität bieten Davert, Naturata und Rapunzel an, jeweils spanischer Herkunft und in 0,5-Liter-Flaschen mit typischem Korkverschluss. Noch seltener im Handel ist Olivenöl aus entsteinten Oliven, welches bei Byodo zu haben ist.

Die praktische Eigenschaft von Olivenöl, sich prinzipiell ebenso für die kalte wie für die warme Küche zu eignen, spiegelt sich gleichfalls im Angebot wieder. Beispielsweise gibt es bei Bio Planète ein vielseitiges Oliven-Bratöl, das hoch erhitzt werden kann. Und für Salate hat die erfahrene Ölmühle ein Olivenöl mit Zitrone kreiert.

Eine weitere Möglichkeit, das Olivenöl-Regal zu ergänzen, stellen Kräuter- und Gewürzöle dar. Zu finden sind sie inzwischen bei mehreren Anbietern, unter anderem sieben Sorten bei der Toskana-Linie von Die Olive… . Auch Dama De Elaia hat den Besuchern der Anuga ihre neuen spanischen Kräuteröle präsentiert.

Infos auf Etiketten sind nützlich

Bis es irgendwann einmal so weit sein wird, dass der Kunde die Produkteigenschaften einfach mittels eines Codes auf seinem Smart­phone abfragt, sollen Verbraucher die wichtigsten Informationen auf dem Etikett finden. Neben den Pflichtangaben für Bio-Olivenöl nativ extra können der erwähnte Hinweis auf die geschützte geographische Herkunft oder geschützten Ursprung sowie auf Sortenreinheit den Kaufreiz erhöhen.

Für Qualität sprechen auch Auszeichnungen. Diesen Weg geht unter anderem Bläuel: Das Mani Bläuel trägt einen Flaschenaufkleber für den 1.Platz im Platin Award für das beste griechische Olivenöl mild-fruchtig und das Kalamata Olivenöl für den 1. Platz beim BioFach Olivenöl-Preis 2010. Außerdem gibt bei Letzterem eine auffällige Banderole das Erntejahr an, und bei allen Olivenölen erfährt der Verbraucher durch einen kurzen Steckbrief von der erfolgreichen Pionierarbeit des Familienbetriebs für den Ökolandbau in Griechenland.

Unter den Verbandslabeln stößt man am ehesten auf demeter, beispielsweise bei einigen Rapunzel- und Naturata-Ölen. Manchmal sind die Olivenöle auch mit einem bestimmten Anbau- oder Sozialprojekt verbunden, wofür wiederum zum Beispiel Naturata Pate steht. Ein Fairtrade-Label ist noch  seltener. Das könnte sich aber ändern, so streben zum Beispiel Naturland und Bläuel zusammen eine Zertifizierung an.

Bettina Pabel


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