Start / Ausgaben / BioPress 70 - Februar 2012 / Süße Momente für die ganze Familie

Süße Momente für die ganze Familie

In Qualität als und Verarbeitung sind Bio-Süßwaren den konventionellen Produkten längst ebenbürtig. Glaubwürdigkeit sowie weitere innere und äußere Mehrwerte tragen dazu bei, dass sie auch hohen Ansprüchen des Einzelhandels und seiner Kundschaft mehr als
gerecht werden.

Bunt und verlockend präsentieren sich die Süßwarenregale. Ob Weingummi und Lakritz, Bonbons, Schaumküsse oder -kissen, Schokolade in allen Varianten oder Waffeln und Kekse, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Die Kunden, die nicht gezielt die Süßwaren angesteuert haben, bekommen im Kassenbereich mit Schokoriegeln oder Dropstütchen in Spezialaufstellern eine zweite Chance. Das gilt in den meisten Einzelhandelsgeschäften und Supermärkten vor allem für konventionelle Produkte, obwohl es fast alles längst auch in Bio-Qualität gibt.

Das Angebot ließe sich sogar noch durch Süßwaren erweitern, bei denen die Bio-Branche Vorreiter war und die ohne erhobenen Zeigefinger zugleich dem Bewusstsein für einen gesünderen Lebensstil entgegen kommen.

Dazu zählen vor allem die zahlreichen verschiedenen Frucht- und Müsliriegel, Reiswaffeln sowie schokolierte Trockenfrüchte. Woran liegt es also, dass sich der konventionelle Handel mit Bio-Süßwaren zurückhält? Ist es die fehlende Logistik? Scheuen die Händler einfach davor, auch das Süßwarenregal mit ökologischen Produkten zu bestücken? Sollten es unaufgeklärte Verbraucher sein?

Wie im konventionellen Bereich, lassen sich in der Warengruppe keine auffälligen neuen Trends feststellen. Der Fortschritt liegt vielmehr im Detail und in der erfolgreichen Optimierung der bisherigen Bio-Linien. Die Anbieter machen es dem Kaufmann insofern leicht, dass sie ihre Bio-Produkte nicht als reine Me-Too Produkte konzipieren, sondern in der Regel einen Mehrwert bieten. Das zeigt sich besonders gut bei den Tafelschokoladen.

Bio-Kakao ist besonders hochwertig

Die Gepa, Vivani/ Björn­sted, Naturata, Ritter und andere setzen auf hochwertigen Kakao mit eindeutiger Herkunft, den sie teils sortenrein, teils aus fairem Handel oder von eigenen Partnerprojekten beziehen. Wo es möglich ist, dehnen sie den fairen Bezug auf weitere Zutaten wie Zucker aus, die Gepa seit letztem Jahr auch auf die Milch.

Die Sortenvielfalt spricht für sich: Beliebte Klassiker à la Zartbitter-Orange oder Vollmilch sind ebenso zu haben wie außergewöhnliche Hanf-Schokolade (Hanf und Natur), Vollmilch mit Physalis oder Kardamom (Gepa) oder Cashew-Ananas (Zotter). Oft erhalten die Schokoladen durch langes Conchieren ganz ohne Emulgatoren ihre zart schmelzende Konsistenz. Weitere Beispiele für leicht kommunizierbare Zusatznutzen sind etwa Laktosefreiheit (im Angebot von Naturata und Rosengarten) und individuelle, ansprechende Verpackungen, für die vor allem Vivani, Bio Art und Zotter bekannt sind.

Überzeugende Keks-Vielfalt

Bei Dauergebäck liegen die Bio-Vorteile ebenfalls nahe, beispielsweise nachhaltig angebaute Rohstoffe, die nicht mit Pestizidrückständen belastet sind, glaubwürdige Rezepturen ohne unnötige Backhilfsstoffe oder auf Wunsch gesunde Vollkornvarianten. Flexibel zeigen sich die Anbieter bei den eingesetzten Getreidesorten. So sind sowohl zarte Mürbegebäcke aus hellem Weizenmehl als auch nussige Dinkel- oder Haferkekse in Vollkorn- und Weißmehl zu finden. Gerade bei Gebäck, wo die Liste an weiteren Rezepturbestandteilen in der Regel relativ kurz ist, machen sich hochwertige Zutaten wie Butter, Schokolade oder echte Vanille geschmacklich bezahlt.

Das breite Ganzjahressortiment aus Butterkeks, Waffelröllchen, Löffelbisquits, Doppelkeksen etc. wird ergänzt durch Saisonware wie Spekulatius, Kipferl oder Lebkuchen. Daher lassen sich mit Bio-Keksen problemlos verschiedene Zielgruppen erreichen.

Da gibt es mit Liebe zum Detail hergestellte Kinderkekse wie die drei Motivserien von Fleming im Naturkostfachhandel oder die LEH-Marke Sesamstrasse von CoSa. Als Vollsortimenter ist außerdem die Bio-Zentrale mit dabei und hat unter der Subrange BioKids gefüllte Milchwaffeln im Programm.

Besonders viele kindgerechte Gebäcke führt die Naturkornmühle Werz, wobei sie klar auf Vollwert  setzt und somit auf Fabrikzucker verzichten. Neben glutenfreien Gebäcken aus Reis, Mais, Hirse und Buchweizen, die vor allem Allergiker ansprechen, liegt der Schwerpunkt auf Dinkelprodukten in rund 120 verschiedenen Varianten.

Parlasca und die Bohlsener Mühle verfügen gleichfalls über langjährige Erfahrung. Parlasca hat die Erfahrung gemacht, dass Bio-Gebäck genussvoll, ansprechend und glaubwürdig zugleich sein sollte. Dies will man unter anderem bei der neuen Linie Pur mit feinem Keksgebäck aus nur fünf Zutaten umsetzen.

Der Exklusiv-Vertrieb liegt momentan bei Fleming/Haus Rabenhorst. Die Bohlsener Mühle, wie Parlasca aus Niedersachsen, betont dazu die Bioland-Qualität ihrer Klein- und Dauergebäcke und die eigene handwerkliche Herstellung. Da man selber ausliefere, käme das Plus der absoluten Frische hinzu.

„Gerade im Bio Bereich sind die Qualitätsanforderungen hoch. Aber auch das Preis-Leistungs-Verhältnis wird für den Vertrieb immer wichtiger. Die Aufmachung soll ebenso ansprechend wie auch zeitgemäß sein – das Auge isst auch in der Biobranche mit“. So heißt es bei Fleming, doch legen die anderen Anbieter ebenfalls diese Richtschnur an.

Beispielhaft kann man hier  Rinatura nennen, die ihr Sortiment aus Waffeln und Vollkornkeksen gerade mit ansprechendem Butter-Mandel- und Kokos-Ingwer-Gebäck erweitert haben. Einen anhaltenden Trend hin zu qualitativ hochwertigen, nicht alltäglichen Zutaten sieht man auch bei CoSa mit den Whole-Earth-Keksen. So entwickle sich in diesem Sortimentsbereich die etablierte Range der Inka-Taler mit Amaranth äußerst erfreulich. Außerdem setzen sie große Erwartungen in die neuen quadratischen Twin Cookies mit Schokoladen- oder Fruchtfüllung.

Senior Brand Manager Eike Mehlhop: „Wir wollen bei unseren Produkten Genuss mit Gesundheit und stylischem Design verbinden.“ Dabei sehe man große Chancen, jüngere Zielgruppen für die biologische Landwirtschaft zu begeistern, indem man qualitativ hochwertige Bio-Rohstoffe mit Spaß am Genuss verbinde.

„Unserer Meinung nach sind biologische Gebäcke im klassischen LEH unterrepräsentiert. Wir erwarten, dass diesen in Zukunft mehr Beachtung seitens Handel und Konsumenten zugeschrieben wird“, ergänzt Mehlhop.

In Konditoreiartikeln kommen Gebäck und Schokolade gewissermaßen zu einer innigen süßen Verschmelzung mit Feinkostcharakter. Eine große attraktive Auswahl findet man unter anderem bei Rosmarin bioback und Rosengarten.

Erstere bieten neben normalem Kleingebäck dekorative Artikel mit Nougat und Marzipan, Lebkuchen und mehr an, ergänzt durch Produkte für Veganer und Menschen mit Unverträglichkeiten. Etwa je zur Hälfte werden diese als Fertigpackungen oder Thekenware gehandelt und durch Private Label-Herstelllung ergänzt.

Rosmarin beliefert den Groß- und Einzelhandel, Caterer sowie die Gastronomie, hat insofern also eine gute Marktübersicht. Geschäftsführer Ingo Karrasch meint, wie viele seiner Branchenkollegen, dass es keine deutlichen Trends gebe. Die Verbraucher seien nicht kalkulierbar, daher seien Überraschungen immer möglich, wenn denn die Qualität stimmt.

So legt auch Rosengarten Wert auf feinste Rohstoffe bei ihren in Eigenproduktion herstellten Confiserieartikeln, seien es schoko- lierte Früchte, Pralinés, Waffeln oder Saison- und Allergikerprodukte.

Gerade bei solch hochwertigen Artikeln lassen sich die Absatzchancen durch dekorative Verpackungen vergrößern. Schon bisher haben viele Rosengarten-Produkte Geschenkcharakter. Man darf daher gespannt sein, wie der zur BioFach angekündigte neue Markenauftritt aussieht.

Typische Bio-Klassiker in neuem Gewand

Trotz der Nachahmer aus dem konventionellen Bereich sind runde braune Honigwaffeln, leichte, gepuffte Reiswaffeln und Riegelprodukte nach wie vor eine Domäne der Bio-Anbieter. Längst gibt es diese in zahlreichen zeitgemäßen Varianten. Rinatura bietet zum Beispiel Waffeln aus Vollreis, Hirse, Mais oder Dinkel, mit Erdbeer-oder Natur-Jogurt, mit Zartbitter- oder Vollmilchschokoladenglasur in zwei Größen an.

Bei den Riegeln und Schnitten reicht die enorme Auswahl der Bio-Anbieter von unverändert beliebten Müsli-Riegeln über Sesamkrokant-Blätter bis zu aromatischen Fruchtschnitten oder edlen Schokosticks. Kreativität zeigen die Bio-Anbieter dabei nicht nur bei der Sortenwahl, sondern auch bezüglich der Süßungsmittel: Statt weißem Rübenzucker oder Glucosesirup werden Rohzucker, Agavendicksaft oder Honig eingesetzt. Alternativ kommt die milde Süße von Trockenfrüchten zur Wirkung und sorgt zugleich für ein fruchtiges Aroma. Hier bringen neben den typischen Rosinen unter anderem Aprikosen, Cranberries und Datteln Abwechslung.

Immer wieder kommen bei Allos oder Rapunzel neue Sorten heraus. Rapunzel verpackt Kakao-Orange, Aprikose-Mandel und andere Fruchtschnitten in frischem, modernen Design und hebt bestimmte Benefits, wie Ballaststoffe, Honig-Süße oder Leinmehl besonders hervor. Dank der generell beliebter werdenden Oblaten, die saubere Finger garantieren, eignen sich die Produkte hervorragend als Snack für Unterwegs oder Zwischendurch. Das gilt genauso für die auffällig sorgfältig verarbeiteten vitana Fruchtschnitten, mit denen Liebhart’s sein umfangreiches Sortiment an Schokofrüchten, Tafelschokoladen und Bonbons ergänzt und die sogar schon in mundgerechte Segmente geschnitten sind.

Vitalriegel mit gesundheitlichem Nutzen hat wiederum Dr. Ritter auf den Markt gebracht. Und die neuen Kro­kantriegel der Marke Mühlenbach von der Bio-Zentrale in stylischem Schwarz und mit raffiniertem Sichtspalt versprechen dagegen primär Genuss, unter anderem mit Sorten wie Paranuss oder Multifrucht.

Von den vielen Schoko-Varianten seien abschließend noch die innovativen Rohkostschokoladenriegel mit Fair-Trade-Zutaten von Lovechock aus Amsterdam und die handgefertigten Schoko-Pralinenriegel von Styx aus Österreich erwähnt. Das Hauptgeschäft von Styx ist Naturkosmetik. Den Bezug zu Bio-Schokolade konnte Geschäftsführer Wolfgang Stix bei der Eröffnung der Manufaktur aber leicht herstellen: „Schokolade ist ein verbindendes Element von Geschmack und Schönheit.“

Fruchtgummi nicht nur bei Kindern gefragt

Bei Süßigkeiten im engeren Sinn sind die Bio-Vorteile nicht auf den ersten Blick sichtbar. Marketingmäßig haben die konventionellen Anbieter Vorteile wie den Ersatz von Farbstoffen durch färbende Pflanzenextrakte übernommen. Beim genauen Hinsehen wird jedoch klar, dass bei den Zutaten weiterhin auf die Billigschiene gesetzt wird.

Anders die Bio-Branche, wo nach wie vor Wert auf hochwertige Zutaten gelegt wird. Sie sind es, die beispielsweise mit hohen Fruchtsaft- oder Fruchtpureegehalten authentischen Geschmack und Farbe zugleich in Gummibärchen und Co. bringen. Auch Süßwaren ohne Gelatine, welche nicht nur Veganer bevorzugen, haben hier ihre Heimat.

Marktführer in diesem Bereich ist die Georg Rösner Vertriebs GmbH mit den Marken Bio Primissimo für den klassischen Einzelhandel und Ökovital für Naturkostläden. Mit ihrem Vollsortiment bedienen sie außerdem einen Großteil der Private-Label Marken Deutschlands. Weingummi in allen möglichen Varianten, Lakritz, Marsh Mellows, Toffees und Bonbons stehen zur Auswahl. Dabei kann der Hersteller mit Vorzügen wie Zucker aus Fairem Handel oder Gluten- bzw. Laktosefreiheit werben. Auch sind Produkte ohne Gelatine ebenso erhältlich wie mit Bio-Gelatine. Dabei sollen die Kunden auch knifflig herzu-stellende Produkte bekommen können. Jüngster Coup sind hier gegossene Lakritz-Bärchen und -Konfektmix, mit fair gehandeltem Zucker.

Abwechslungsreich gestaltet sich auch das Angebot der Bio-Zentrale, die unter anderem weiche Fruchtbärchen, Colafläschen und Jogurtfruchtgummi vertreiben. Im Süßwarensortiment der Gepa war es bis auf Schokolade längere Zeit ruhig. Dafür kündigt das Fair Handelshaus für dieses Frühjahr gleich fünf verschiedene Fruchtgummis mit fair gehandeltem Zucker oder Honig an.

Durchaus offen für ein kleines Zusatzsortiment mit Naschereien zeigen sich auch auf den Fachhandel orientierte Unternehmen wie Pural, Sobo oder Sonnentor. Neben Weingummi fallen hierunter Bonbons. Mal sind es Beerendrops von Sonnentor oder Cream Toffees von Pural, mal wohltuende Honig- und Kräuter-Bonbons von Edel und anderen. Mit einer besonders großen Vielfalt punktet hier Liebhart’s. Unter den neun Sorten finden sich unter anderem gefüllte Eukalyptus und Salbei-Bonbons, scharfe Ingwer-Orange-Bonbons, Grantatapfel-Sanddorn- oder Multifrucht-Bonbons und zeigen, dass selbst diese Warengruppe aktuelle Geschmacksvorlieben aufgreifen kann.

In diesem Zusammenhang fallen auch die bereits angesprochenen Lakritzwaren, die immer wieder eine Beliebtheitswelle erleben. Terrasana aus den Niederlanden kommt diesem Trend gleich mit einer ganzen Range in moderner Aufmachung entgegen. Da gibt es etwa süße Lakritzstangen, Anis-Pastillen, Konfetti-Lakritz, Blockstreifen oder Salz-Lakritz, von denen sich erneut nachhaltig denkende junge oder jung gebliebene Genuss-Esser besonders angesprochen fühlen dürften.

Bettina Pabel


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