Start / Ausgaben / BioPress 70 - Februar 2012 / Mehr Bio-Frucht im Regal

Mehr Bio-Frucht im Regal

Differenzierung und Nachhaltigkeit sind in der Bio-Fruchtbranche gefragt

Obst und Gemüse auch in Bio-Qualität  ist der Anfang vom Rundlauf durch einen
Lebensmittelmarkt. Für viele Verbraucher ist O+G  Einstieg und wichtiges Produkt beim
Bio-Einkauf.

Der Anteil von Frischfrucht am Bio-Markt ist überproportional hoch. Sechs Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland werden biologisch bewirtschaftet. Bei Obst und Gemüse sind es mehr. Auf zehn Prozent der Fläche wird nach Informationen des BÖLW in Berlin Bio-Gemüse kultiviert und auf neun Prozent Bio-Obst. Das erste Halbjahr ist in Deutschland für die Fruchtbranche Schwerpunkt in der Vermarktung, da aus dem Inland nur lagerfähige Ware wie Kartoffeln, Karotten und Äpfel zur Verfügung stehen. 

Im grünen Bio-Sortiment gibt es eine weitere Differenzierung. Der LEH baut Bio-O +G wieder aus. 2009 und 2010 in der Finanzkrise haben einige Handelsunternehmen Randprodukte wie Mango oder Saisonangebote ausgelistet, nachdem es in den drei Jahren vorher eine Ausweitung gegeben hatte.

Feld- und Romana-Salat hielten etwa bei der Rewe Einzug und ergänzten den Eisbergsalat und Rucola. Bei den Tomaten hat sich neben der Rispe inzwischen die Kirschtomate etabliert. Ein Discounter wie Netto bietet biologische Topfkräuter und Ingwer an. Das sind nicht unbedingt die Schnelldreher. Der Fachhandel legt vor und bietet Exoten wie Maracuja, Granadilla und die Mamey-Sapote von Eosta aus den Niederlanden an. Der Markt entwickelt sich in Richtung mehr Auswahl.

Auf der Fruit Logistica in Berlin, der größten Messe für O + G, ist die Bio-Fruchtbranche im Katalog mit 393 Ausstellern  übersichtlich geordnet nach Ländern vertreten. Berlin ist seit Jahren die bedeutendste Plattform für den weltweiten Bio-Fruchthandel. Die Lieferanten für LEH und Fachhandel sind vertreten. Bei der Zahl der Aussteller mit Bio liegt Italien mit 86 vor Deutschland mit 62 Unternehmen.

Das wichtigste Bio-Obst Produkt aus europäischem Anbau ist der Apfel. Die Ernte 2011 hat in der Menge und Qualität die Erwartungen erfüllt, wie das europäische Bio-Obstforum mitteilte. In Deutschland, speziell am Bodensee, waren Ertrag und Qualität aufgrund des Wetters gut. Die Ware ist lagerfähig. Die Verfügbarkeit dürfte bis in die Sommermonate reichen. Die Preise sind zufriedenstellend und liegen leicht unter dem Vorjahresniveau.

Geschnittene Ware, wie sie der Bio-Betrieb Käpplein in Waghäusel/Baden-Württemberg herstellt, ist noch recht spärlich zu finden in den Supermarkt-Regalen. Convenientes Obst und Gemüse wird sich auch in Bio-Qualität durchsetzen. Edeka Kirchner in Alzenau hat ein Bio-Sortiment eingeführt. Das wird Nachahmer finden.

In Düsseldorf ist Unternehmensgründer Tobias Keye mit dem Lieferservice Biodirekt 2010 auf den Markt gegangen. Er bringt frisches Obst zu Beschäftigten in Firmen. Ein Service, den es in Skandinavien seit mehreren Jahren gibt. Je mehr Unternehmen mit Nachhaltigkeit und CSR Ernst machen, desto mehr werden sich solche Dienste durchsetzen und die Beschäftigten mit entsprechenden Angeboten versorgen.

Soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit sind die Themen, die die Branche aktuell kommuniziert. Fairtrade feiert 20. Geburtstag im Jahr 2012. Früchte sind nicht die Hauptprodukte im Fairtrade. Mit Banane, Ananas, Datteln und Mango gibt es  einige Artikel. Die Mango wird dabei fast ausschließlich getrocknet angeboten. Die Banane hat einen Markt-Anteil von 99 Prozent und rund ein Prozent die Ananas. Fairtrade Blumen spielen noch eine Rolle auf dem Markt.

BioTropic aus Duisburg, Landgard aus Straelen, Biofrusan, Port International, Dole Deutschland alle aus Hamburg und Univeg aus Bremen sind deutsche Lizenznehmer von Fairtrade. AgroFair aus den Niederlanden hat sich auf Fairtrade spezialisiert. Die faire Banane hat ihre Zukunft noch vor sich, auch die Ananas  und die Mango sind mögliche Aufsteiger in Bio und Fair gehandelt.  

Anton Großkinsky

 

Bio-Pionier mit neuem Service­-Center

Was Walter Rizzi im Jahre 1980 mit einer kleinen Agentur begann, präsentiert sich gegenwärtig nicht nur als Beschaffer und Logistiker von biologischen Lebensmitteln: Heute ist die Rizzi-Gruppe aus Latsch in Südtirol ein in sich integriertes System aus vornehmlich land­wirtschaftlicher Erzeugung, Abpackung und Vermarktung von ökologisch erzeugten Produkten.

Mit dem Bau des neuen Selimex Fruit Service Centers im Vinschgau wurde auf neue Anforderungen am Markt reagiert. Jetzt kann Rizzi noch konsequenter auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen. Neben Bio Äpfeln aus der Eigenproduktion in Südtirol und der Slowakei werden auch Überseeprodukte wie Bio Paprika und Bio Strauchtomaten aus Israel, Bio Kiwis aus Chile, Bio Zitronen und Bio Orangen aus Südafrika in Eigenregie importiert und verarbeitet. Die Ware wird größtenteils in Großgebinden angeliefert und zeitnah weiterverarbeitet.

Ideale Kühltemperaturen und schneller Umschlag sorgen dafür, dass Kunden mit Ware in maximaler Frische versorgt werden können. Die Verpackungsmaschinen der neuesten Generation realisieren zum einen sämtliche vom Markt und von den Kunden geforderte Standardverpackungen als auch kundenspezifische Sondersortierungen. Auch die neue Apfelsortiermaschine, das Herz- stück der Anlage,  ermöglicht es, flexibel zu arbeiten.
Die Kombination aus der  Packstation und der eigenen Logistikplattform in Nürnberg gewährleistet einerseits die Nähe zum Kunden mit täglichen Zustellungen als auch individuelle Verpackungslösungen.

Durch die Eigenproduktion in Südtirol, der Slowakei, in Deutschland und nicht zuletzt aufgrund der unmittelbaren Beteiligung an Vermarktungsorganisationen können gemeinsam mit den Kunden Anbauprogramme festgesetzt werden. Zusätzlich überwacht ein Qualitätsmanagement Anbau, Ernte, Verpackung und Versand.

BioFach-Messe
HALLE 6, Stand 151 g/f

Eosta erweitert Wild Wonders

In den letzten Jahren erfreut sich das Wild Wonders-Sortiment von Eosta aus den Niederlanden in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Besonders erfolgreich war die Einführung der Wild Wonders-Tomaten.

Die kleine Sammlung von zehn unterschiedlichen Sorten, wie die gelbe Snowberry oder die gestreifte Green Zebra kamen bei den Verbraucher gut an. Grund genug für den biologischen Fruchthändler Eosta das Sortiment um 30 neue traditionelle Bio-Gemüsesorten zu erweitern.
Ob die Wild Wonders-Urgurke, eine alte asiatische Sorte, ob violette-, gelbe- und orangene Karotten, lila Rosenkohl, bunte Rüben, rote und weiße Jerusalem-Artischocken oder Mini-Kürbisse: Alle Produkte sind in Demeter Qualität erhältlich und bieten eine wahre Farbenpracht sowie ein geschmackliches Erlebnis.

Angebaut werden die Wild Wonders von Nature & More Erzeuger Krispijn van den Dries in Zusammenarbeit mit anderen Erzeugern aus den Niederlanden. „Ich finde es bedauernswert, dass so viele Gemüsesorten, die unsere Vorfahren angebaut haben, in Vergessenheit geraten sind“, erklärt Krispijn van den Dries. 

Bio-Äpfel rund ums Jahr

Das Besondere am  Apfelgarten Vinschgau in Südtirol, der sich von 500 bis 1.100 Meter Meereshöhe erstreckt,  ist sein spezielles Mikroklima. Geringe Niederschläge, eine hohe Anzahl an Sonnentagen und  starke Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht lassen die Früchte langsam reifen. Dadurch sind sie fest, saftig, von kräftiger Farbe und reich an Fruchtzucker.

„Aber erst das Zusammenspiel zwischen  Natur und Mensch garantieren den Erfolg der Marke Bio Vinschgau“, betont Verkaufsleiter Gerhard Eberhöfer. Die 130 Biobauern der Erzeugerorganisation VI.P ernteten im Herbst 2011 knapp 20.000 Tonnen Tafeläpfel. Damit gehört die VI.P zu den größten Anbietern Europas. Dank modernster Lagertechnik kann der Handel in Europa ganzjährig bedient werden. Auch für die zweite Saisonhälfte ist ein abwechslungsreiches Bio-Sortiment verfügbar: Gala, Braeburn, Pinova, Topaz, Fuji, Red Delicious und der Club-Apfel Kanzi sind je nach Sorte bis April oder in den Juli hinein verfügbar, Golden Delcious und Jonagold sogar bis einschließlich August. „Ende August/Anfang September schließt sich der Kreis. Der Verkaufsstart der neue Gala-Ernte steht an“, teilt Eberhöfer mit. 

Die Marke Bio Vinschgau garantiert die Herkunft aus der Region westlich von Meran. Alle Prozesse vom Anbau bis hin zur Verpackung und Versand sind genauestens beschrieben und kontrolliert. Transparenz auf allen Ebenen wird garantiert.

Zum größten Teil produzieren die Apfelanbauer nach den Bioland-Richtlinien.  Das Bioland Logo findet der Kunde auf jeder Verpackung. Die Herkunftsmarke Bio Vinschgau und das Verbandszeichen Bioland  stehen für  Genuss, Qualität, Sicherheit und Nachhaltigkeit.

Einige Biolandwirte im Vinschgau  haben sich der biodynamischen Anbauweise  verschrieben. Diese Produzenten sowie der Vermarkter VI.P sind deshalb auch nach Demeter-Richtlinien zertifiziert. Nicht zuletzt sind  laut Eberhöfer die Lieferfähigkeit, Zuverlässigkeit und der beste Service für die Geschäftspartner wichtig.

BioFach 2012

Halle 7, Stand 737

Port ist Bio und fair

Mit Golden Bio ist Port International der bekannteste Name in diesem Sektor. Die Hamburger begannen vor 15 Jahren mit dem Bio-Import. Die Hanseaten beliefern den Fruchtgroßhandel, Naturkostfachhandel, Supermärkte und Discounter. Oft wird Golden Bio durch die Handelsmarke anonymisiert, ist aber bei genauerem Hinschauen meist erkennbar. Die BioBanane gibt es auch  aus Fairtrade und die Fairnando Banane ohne Bio. Eine Fairnando-Ananas ist ebenfalls im Programm und ein Übersee-Programm. Außerdem führt Port ein Sortiment aus Übersee.

Von März bis August gibt es Äpfel aus Argentinien, Chile und Neuseeland. vertreten sind die Sorten Braeburn, Gala, Fuji, granny Smith und andere. Das Farbspektrum von grün, gelb bis rot ist vorhanden und die Geschmacksrichtungen süß und süßsauer.

Aus Neuseeland kommen grüne und goldene Kiwi. Die Mangos stammen aus Südamerika.
Argentinische Bio-Birnen, darunter die bekannten Sorten Williams und Packhams werden von Februar bis Juli aus Argentinien eingeführt. Aus Argentinien kommen außerdem Bio-Pflaumen. Türkei ist eine zweite Herkunft für Bio-Pflaumen. In der jetzt endenden Zitrus-Saison kamen Grapefruits aus der Türkei.

 


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