Start / Ausgaben / BioPress 67 - Mai 2011 / Frisch und fruchtig

Frisch und fruchtig

Biologisches Obst und Gemüse auf der Fruit Logistica

Die Fruit Logistica 2011 stand im Zeichen von Nachhaltigkeit und Regionalität. „Mehr als drei Viertel der Verbraucher wünschen sich sozial und ökologisch hergestellte Produkte. Diese Orientierung an der Nachhaltigkeit beeinflusst in immer stärkerem Maße die Kaufentscheidung“, betonte Jürgen Boruszewski, Präsidiumsmitglied im Deutschen Fruchthandelsverband. Der Bio-Fruchthandel war auf dieser Drehscheibe des internationalen Handels mit mehr als 400 Ausstellern stark vertreten. Schließlich ist Obst- und Gemüse das Bio-Aushängeschild im LEH.

„Bei Obst und Gemüse ist das Prinzip der Regionalität in Deutschland nur eingeschränkt anwendbar. Mehr als 80 Prozent des in Deutschland verzehrten Obstes stammt aus dem Ausland, bei Gemüse sind es rund 50 Prozent“, stellte Boruszewski fest. Das gilt im Getreideland Deutschland ebenso für Bio-Obst und -Gemüse. Allein die Südfrucht Banane hat am Bio-Obst einen Anteil von mehr als 40 Prozent.


Volkert Engelsmann (2. v. li.) und seine Mitarbeiter haben die Eosta aus Waddinxveen bei Rotterdam zu einem der größten Bio-Obst- und Gemüsevertreiber der Welt gemacht.
Bei der Genossenschaft Landgard stammt das Bio-Gemüse-Angebot zum größten Teil aus Deutschland. Klaus Haak, Bio-Bereichsleiter bei Landgard, hat mit dem Bio-Betrieb Käpplein einen der wenigen Anbieter im zukunftsträchtigen Markt für geschnittene Bio-Salate unter seinem Dach. Mit Bio-Westhof gehört ein bedeutender Erzeuger und Vermarkter von Bio-Möhren und -Kohl zu den Tochtergesellschaften.

In einem energieneutralen Gewächshaus, das mit Windkraft und Bio-Gas betrieben wird, erzeugt Westhof ab 2012 von April bis November Bio-Tomaten. Das deutsche Angebot, das Haak vermarkten kann, ist begrenzt. „Ich sehe im Moment auch keine Umstellungswelle“, erklärt Haak. Solange der Anbau von Energiepflanzen vom Staat weit stärker gefördert wird als die Bio-Landwirtschaft, gibt es wenig Anreiz für die Bauern zum Bio-Anbau zu wechseln.

Europas Bio-Fruchthändler Nummer eins, Eosta aus den Niederlanden, kündigte zwei Neuerungen an. Geschäftsführer Volkert Engelsmann wird frische, gekühlte Bio-Säfte unter der Marke Nature & More auf den Markt bringen. Die Rückverfolgbarkeit von Eosta-Produkten mittels einer Zahlenkombination, die auf der nature & more Internetseite eingegeben wird, ist künftig auch per Foto über Mobiltelefon mit Internetverbindung möglich. Der interessierte Kunde bekommt dann gleich am POS die gewünschte Information über die Herkunft.
Frankreich fördert verstärkt den Ökologischen Landbau.

Auf dem Eosta-Stand war Verpackungslieferant Bio4Pack aus den Niederlanden vertreten. Das Unternehmen produziert kompostierbare Schalen, Folien und andere Verpackungen aus PLA (Polyactide). Zuckerrohr-Fasern, das Abfallprodukt bei der Rohrzuckerverarbeitung, dienen als Rohmaterial. Obst und Gemüse bleiben nach einer Studie der niederländischen Universität Wageningen in den pflanzlichen Verpackungen zwei Tage länger frisch als in herkömmlichem Kunststoff. 

Die deutschen Großmärkte waren wieder mit einem repräsentativen Stand vertreten. Sie haben sich in Frischemärkte umbenannt. Ihr Verband die GFI (Gesellschaft zur Förderung der Interessen Deutscher Frischemärkte) hat Ende 2010 ihre Strategie geändert. Neben Großmärkten können nun Einzelhandelsgeschäfte und Verbände Mitglied werden. Dadurch haben 3.000 Wochenmärkte und 15.000 unabhängige Obst- und Gemüsegeschäfte die Möglichkeit beizutreten.


Kölla Natura stellte das neue Europaprogramm in den Mittelpunkt.
Bio auf dem Großmarkt funktioniert, wenn Mut und Leistungsfähigkeit gegeben sind. Wilfried Schaffer, Geschäftsführer des Naturkostkontor Bremen GmbH, erhielt den Buddy-Bären in der Kategorie „Beste Marktfirma auf einem Großmarkt“ der GFI. Vorstandsvorsitzender Uwe Kluge überreichte den Preis auf dem Branchentreff Fructinale am Rande der Fruit Logistica.

Auf der Fructinale erlebten 400 internationale Gäste in der Marheineke Markthalle in Berlin-Kreuzberg ein abwechslungsreiches Programm nach einem anstrengenden Messetag. GFI-Vorstand Uwe Kluge zeigte sich wieder rundum zufrieden mit der Veranstaltung: „Dem Ruf der Frische sind wieder viele unserer Partner gefolgt. Die Fructinale hat sich als Ereignis etabliert, bei der sich das Who-is-who der Frischebranche trifft.“

Tunesien drängt als aufstrebender Bio-Produzent auf den deutschen Frischfrucht-Markt. Mit Bio-Datteln sind die Tunesier hierzulande bereits präsent. Zitrusfrüchte insbesondere die Malteser Orangen werden traditionell in Frankreich vermarktet. 80 Prozent des konventionellen Exports gehen in die ehemalige Kolonialmacht. Aber die Exporteure sind auf der Suche nach neuen Märkten.
Gesundheit ist nicht nur beim Saatguthersteller bejo das Zentrale Thema. Auch Karin Lehmann (o.Mi.) von Lehmann Natur kommuniziert neben dem reinen Bio-Vergnügen die Gesundheitswirkungen ihrer Früchte.{_umbruch_}Der Handel braucht klare Kennzeichnung der Bio-zertifizierten Früchte. Die Lasertechnik bietet sich an (re.).

36 Gemüsearten und Kartoffeln werden biologisch kultiviert. Dreimal pro Jahr werden in dem Mittelmeer-Land Kartoffeln geerntet. Bio-Tomaten, die Nummer eins auf dem deutschen Gemüsemarkt, bieten die Tunesier von November bis Mai an. Im Folientunnel, der mit Erdwärme geheizt wird, erzeugen die Bauern kostengünstig und umweltfreundlich. Tunesien verpackt selbst und kann die Ware verkaufsfertig liefern.
Anton Großkinsky

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