Start / Ausgaben / BioPress 66 - Februar 2011 / Bio-Geflügel ist besser

Geflügel

Bio-Geflügel ist besser

Höhere Fleischqualität durch Auslauf und längere Mast

Die Geflügel-Mast geschieht in der Agrar-Industrie nicht bäuerlich. Die Fleischrassen sind auf Hochleistung getrimmt und werden mit 40.000 Tieren pro Stall in 28 Tagen mit Turbo-Futter schnellgemästet. Die nachhaltige Alternative ist die Bio-Geflügel aus Freiland-Haltung.

Die Bio-Geflügel-Haltung hat wesentliche Vorteil gegenüber der konventionellen Landwirtschaft. Das fängt beim Futteranbau an, da die Natur nicht durch Kunstdünger und Spritzmittel verschmutzt wird. Das Bio-Futter enthält weder Medikamente noch Leistungsförderer, so dass die langsamer wachsen und hochwertiges Fleisch liefern. Denn gut Ding braucht Weile.

Die Tiere werden artgerecht gehalten mit Auslauf und mehr Platz im Stall. 4.800 Masthähnchen pro Anlage sind nach den EU-Richtlinien erlaubt. Das sind weit mehr als in Omas Hühnerhof-Hof spazierten, aber in konventionellen Anlagen werden 40.000 Tiere auf engstem Raum gehalten.

Der klassische Lebensmittelhandel sieht zunächst den Preisabstand von 100 Prozent bei Bio-Ware. Sein Kunde muss tiefer in die Tasche greifen für Bio-Geflügel, bekommt aber mehr Qualität für sein Geld. Das lässt sich an objektiven Kriterien fest machen. Die Mastdauer beträgt nach den Naturlandrichtlinien 63 bis 70 Tage, konventionell 28 Tage. Der Bio-Bauer hat damit viel höhere Futterkosten.

Der konventionelle Kollege kann seinen Stall monatlich räumen und Geld einnehmen, während beim Bio-Bauern nur zweimonatlich Zahltag ist. Bei wenig verarbeiteter Ware wie Frischfleisch ist der Rohstoffpreis der entscheidende Faktor. Das sorgt für einen hohen Preisabstand Bio-Geflügel und konventionellen.

Etwa 19 Kilo Geflügel verspeisen die Bundesbürger pro Kopf im Jahr. Das ist weniger als im EU-Durchschnitt von 23 Kilo. Zwei Drittel der Menge sind Hähnchen-Fleisch.

Insgesamt 1,3 Millionen Tonnen herkömmliches Hähnchen- und Putenfleisch verzehren die 80 Millionen Bundesbürger pro Jahr. In Bio gönnen sie sich nur 9.000 Tonnen. Das ist ein Anteil von weniger als ein Prozent, also eine Hühnerbrust pro Person im Jahr. Kleinere Länder wie Dänemark und Österreich haben bereits ein doppelt bis dreimal so hohen Bio-Anteil. Bio-Geflügel verzeichnet hierzulande im LEH allerdings ein jährliches Wachstum von fünf bis zehn Prozent. Der herkömmliche Markt wächst mit rund zwei Prozent pro Jahr langsamer.

Hähnchen machen in Bio-Bereich die Hälfte der Verbrauchs aus. Das Wassergeflügel Ente und Gans spielt nur in der Wintersaison eine Rolle. Teiltücke als SB-Fischware ist die beliebteste Angebotsform. Bio-Hähnchenbrust ist der beliebteste Artikel. Ganze Tiere wie im letzten Jahrhundert werden nur noch wenige verkauft.

Für die Lieferanten ist eine komplette Bio-Vermarktung des Tieres wichtig. Das Verarbeitungsfleisch muss als Bio-Geflügelwurst am besten aus eigener Herstellung abgesetzt werden, um wirtschaftlich zu arbeiten. Auch Convenience wie marinierte Teile und Hackfleisch-Bällchen wächst dem allgemeinen Trend folgend. Mit Trend-Produkten wie Hähnchen-Flügeln und Nuggets können auch Jugendliche für Bio begeistert werden. Die Aussichten für die Branche sind nicht schlecht.

In Zeiten, in denen der Tierschutz den Menschen am Herzen liegt, und die Massen-Tierhaltung in den Massenmedien angeprangert wird, ist weiteres Bio-Wachstum zu erwarten.

Das Haustier ist heute kein Nutztier wie vor Generationen. Das Kaninchen des Bergmannes stillte den Hunger. Heute sind Tiere lebendige Spielgefährten der Kinder und Hobby für Erwachsene. Da ist artgerechte Tierhaltung gefragt.

Anton Großkinsky


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