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Wein

Authentischer Bio-Wein

Regionalität pur beim spanischen Monastrell

Bio-Wein hat immer eine Heimat. Ursprung, Rebsorten und Jahrgang sind bei Qualitätsweinen auf dem Etikett vermerkt. Das Institut für Wirtschaftsförderung der Region Murcia steigerte die Regionalität. Im Heidelberger Restaurant Schwarz stellte sie die autochthone, sprich heimische, Rebsorte Monastrell vor. In Südost-Spanien zählt sie zu den ältesten Reben. Auch hervorragende Bio-Spitzenweine stehen zur Auswahl.


Das Publikum im Restaurant Schwarz in Heidelberg probierte und notierte die Besonderheiten des spanischen Monastrell.
 

Die Gebiete Jumilla und Yecla sind geschützte Herkunftsbezeichnungen mit der Hauptsorte Monastrell. Die Sorte stammt ursprünglich aus Ostiberien, also der heutigen Region Murcia. Die Monastrell Hochburgen sind die Anbaugebiete Jumilla und Yecla. Mit 65.000 Hektar Anbaufläche nimmt die Traditionsrebe den vierten Platz ein unter den Roten in Spanien. In Frankreich, Kalifornien und Australien wird die Sorte noch angebaut.


Spanien-Spezialist David Schwarzwälder verkostete Wein der Rebsorte Monastrell.
Diesen authentischen Wein gibt es auch aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA). „Das ist nirgendwo so einfach wie in dem trockenen Gebiet im Südosten Spaniens“, erklärte Sommelier und Spanien-Spezialist, David Schwarzwälder, bei der Probe. Die Weinberge liegen auf Höhen zwischen 350 und 800 Meter mit viel Sonne und wenig Niederschlägen von 200 bis 250 Milliliter pro Jahr. Im deutschen Anbaugebiet Pfalz sind es 500 bis 550 Milliliter.

Die Erträge sind mit einem Kilo pro Rebstock gering, da die Sorte kleine Beeren trägt. Aus den Weinen scheint die Sonne des Südens mit tiefroter Färbung. Der Genießer kann mit ihnen einen Schluck Urlaub im deutschen Winter nehmen.

Die Betriebe bewirtschaften im Schnitt 200 bis 300 Hektar. Die großen Weingüter bearbeiten 600 Hektar und mehr. Die Bio-Kellereien haben dadurch auch Mengen für den LEH. Die traditionelle Vermarktung war der Weg des Fassweins. Die Bezahlung erfolgte nach Farbpunkten. Wegen seines intensiven Rots wird der Monastrell gerne als Deckwein verwendet. In den vergangenen 15 Jahren gingen immer mehr Wein­güter zur Flaschen-Abfüllung über. Die birgt die bessere Wertschöpfung.

Auch vier Bio-Wein konnten probiert werden. In Deutschland importiert Bio-Großhändler Peter Riegel die Erzeugnisse einiger der Kellereien.

Das Weingut Casa de la Ermita arbeitet auf einem Teil seiner Weinberge nach den Richtlinien des kontrolliert biologischen Anbaus (kbA). Es stellte einen sortenreinen Bio-Monastrell des Jahrgangs 2008 vor. Meist werden im Süden der iberischen Halbinsel Cuvees abgefüllt, so dass er rein nur selten genossen werden kann. Der Rotwein wurde entgegen der vorherrschenden Mode nicht im Eichenfass gelagert. Die Verkostung zeigt: Es muss nicht immer Barrique sein. Wer den unverfälschten Geschmack im Mund haben will, trinkt sowieso ohne Holz. Zwei internationale Preise kann der Wein vorweisen. Nur 60.000 Flaschen davon gibt es. Sie gehen an Restaurants und Weinhandlungen. Im Geschäft dürfte der Preis bei vernünftigen sechs bis sieben Euro liegen.

Die Luzón Kellerei aus dem Anbaugebiet Jumilla baut ebenfalls einen sortenreinen Monastrell ohne Holz aus. Das Gut hat 600 Hektar eigene Weinberge. Die Trauben werden nach dem Ernten arbeitsintensiv auf dem Lesetisch ausgewählt. Das Ergebnis ist ein Tropfen, der 88 Parker-Punkte bekommen hat. Das ist schon die Oberklasse.

Die Bodegas San Isidro (BSI) bieten einen Monastrell aus dem Anbaugebiet Jumilla, der im Supermarkt bei 3,50 Euro Verkaufspreis liegen dürfte. Will der Kaufmann seinen Kunden eine vergleichbare Qualität aus deutschem Anbau bieten, wird er schon fünf Euro nehmen müssen. Das Preis/Leistungsverhältnis passt. San Isidro zählt zu den großen Kellereien der Region. Der Weingroßhändler like it in Heidelberg importiert die BSI-Bioweine.

Die Bodegas Guardiola sind mit 250 Hektar für spanische Verhältnisse ein Betrieb mittlerer Größe. Der biologische Solana del Mayorazgo besteht zu 85 Prozent aus Monastrell und 15 Prozent Syrah. Er wird im kleinen Eichenfass ausgebaut. Der Tropfen entspricht dem vorherrschenden internationalen Trend. Bei der Menge von einer Million Flaschen ist er auch für den LEH interessant.

Die Bio-Weine überzeugten im Aroma und können auch bei Preis/Leistung mithalten. Wer sein Glas Rotwein auch noch mit guten ökologischem Gewissen trinken will, hat hier einen echten Mehrwert.

Anton Großkinsky

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