Start / Ausgaben / BioPress 60 - August 2009 / Bio-Vorreiter Scharschuh

Rewe

Bio-Vorreiter Scharschuh

Im Rewe-Markt Radebeul haben lokale und regionale Bio-Lieferanten eine Chance

In Radebeul, das im Nord-Osten an Dresden angrenzt, führt Inhaber Frank Scharschuh einen Rewe-Supermarkt. In der 33.500-Seelen-Stadt gibt es ein Publikum, das nicht allein nach Preis, sondern auch nach Qualität kauft. Scharschuh macht hier ein erweitertes Bio-Angebot, das sich auf die Rewe-Großhandlung, regionale Lieferanten aus Sachsen und einen Naturkostgroßhändler stützt. Regionalität ist die Stärke im Bio-Angebot. Bio-Frische wird betont und bei den Getränken setzt der Rewe-Kaufmann ebenfalls biologische Akzente.

Rund 700 Bio-Produkte stehen im Rewe Markt in Radebeul bei Dresden. Kein großes Bio-Sortiment, aber eines, das die Handschrift des selbständigen Einzelhändlers Frank Scharschuh trägt und an den Standort angepasst ist. Der Rewe-Kaufmann engagiert sich für Bio: „Ich war in diesem Gebiet der Vorreiter. Das ist in den Köpfen der Kunden und trägt zum guten Image des Marktes bei.“

Das Bio-Sortiment ist stark regional geprägt mit Herstellern aus Sachsen. Bei den Milchprodukten glänzt er mit einigen Spezialitäten und auch das Bio-Wein-Sortiment mit lokalen und internationalen Tropfen kann sich sehen lassen.  Das Bio-Sortiment wird  angenommen von der Kundschaft, auch wenn es zahlenmäßig relativ klein ist im Vergleich zu den  mehr als 3.000 Bio-Artikeln, die erstklassige Supermärkte  heute führen. Der Bio-Umsatzanteil von fünf Prozent kann sich sehen lassen. Schließlich begann die Bio-Vermarktung in den neuen Ländern erst 1990 mit einem zeitlichen Rückstand gegenüber den alten Bundesländern. „Jeder hat ein Stück Bio im Einkaufswagen und wenn es nur eine Packung Kekse ist.“, erzählt der Kaufmann, der täglich auf der Fläche steht.

Zehn Bio-Lieferanten

Das Bio-Sortiment stammt von rund zehn Lieferanten. Das Grundsortiment mit 430 Produkten liefert die Rewe Großhandlung.  Farbe und Abwechslung bringt der Kaufmann durch eigene Beschaffung ins Regal. Ein Naturkostgroßhändler und einige Bio-Hersteller aus Sachsen bereichern das Sortiment. Mit regionalen Bio-Produkten passt der Kaufmann sein Sortiment an den Standort an.

Das Bio-Trockensortiment präsentiert er geballt in einem fünf Meter langen Block. Die Tendenz im Handel geht deutlich in Richtung der Sortimentsplatzierung von Bio-Produkten. Denn die Zuordnung lässt die Verkaufszahlen nach oben schnellen.

Bio-Frische, -Getränke und die Bio-Produkte der klassischen Markenhersteller befinden sich ebenfalls in der entsprechenden Warengruppe. Im separaten Getränkemarkt werden zusätzlich einige Bio-Produkte geführt.

Frisches Obst und Gemüse ist im LEH das Aushängeschild für das Bio-Sortiment. Hier nutzt Scharschuh alles, was die Rewe anbietet, einschließlich Karottenstifte für Salat. Das Stadtgut Görlitz sorgt mit Bio-Äpfeln aus dem Anbaugebiet an der Elbe für ein regionales Angebot. Beim Salat ist Rucola vorhanden. Mit Blumenkohl und Rotkraut führt er auch Produkte, die in der Gunst der Verbraucher längst von Tomaten und Paprika abgelöst wurden. Mit diesem Angebot lässt sich schon eine frische Gemüseküche bestreiten.

Mit Bio-Frische punkten

Im Kühlregal dominiert Rewe Bio. Glanzlichter setzen die regionalen Bio-Produkte, zum Beispiel der Molkerei Zimmermann aus Falkenhain. Die Weichkäserei verarbeitet Schaf- und Ziegenmilch. Holländischer Ziegengouda und Frische Ziegenmilch sind weitere Spezialitäten, die das Sortiment auszeichnen. Das Gut Taubenheim aus Sachsen ist mit neun Produkten von Frischmilch bis Joghurt vertreten. Frische Teigwaren in der Bio-Variante für die schnelle Küche sind erhältlich. Bio-Tofu in der kühlpflichtigen Variante für Vegetarier und Veganer liegt ebenfalls im Kühlregal. Fast 50 Produkte der weißen und gelben Linie werden in SB geführt. „Frische geht am besten bei Bio. Milchprodukte sind besonders gefragt“, erklärt Scharschuh.

Die Fleischabteilung wird von einem Konzessionär betrieben. Aus dem Rewe-Fleischprogramm BioFam führt der Fleischer die Geflügel-Artikel und grobe Bratwurst in Selbstbedienung. Bio-Rind und -Schweinefleisch wird nur zögerlich angenommen. „Das funktioniert hier nicht. Der Preisabstand zum konventionellen Fleisch ist wahrscheinlich zu groß für den Kunden“, hat Scharschuh festgestellt.

Tiefkühlkost ist ein bedeutendes Sortiment im Supermarkt. Auch da wird Bio mehr und mehr zur Pflicht. Bio-TK-Gemüse ist ebenso vorhanden wie Wagner Bio-Pizza und Eis von Bucheckchen aus Dresden.

Bei den Trockenprodukten werden einige regionale Bio-Anbieter berücksichtigt. Die Rolle Mühle liefert 23 Getreideprodukte wie ganze Körner, Mehl und Brot  aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA). Die Mühle verarbeitet Getreide der Erzeugergemeinschaft Ökologische Bauernhöfe Sachsen (ÖBS). Bio-Fleischkonserven von sächsischen Anbietern geben dem Sortiment Lokalkolorit. Das Gut Krauscha und das Stadtgut Görlitz liefern in Zusammenarbeit Konserven im attraktiven Glas wie Hühnerfleisch mit Brühe, das sich an dem Standort zu einem Renner entwickelt hat. Hühnerfrikassee, Ragout vom Huhn, Rinder-Gulasch, -Bolognese und  Bio-Fonds, die  aus Rind, Huhn und Gemüse gewonnen werden, zählen zu der Range. Damit setzt der Supermarkt eigene biologische Akzente. 15 Artikel kommen von den beiden regionalen Bio-Betrieben.

Bei Baby-Nahrung ist Bio fast obligatorisch. Wenn es um Sicherheit und Rückstandsfreiheit geht, ist Bio erste Wahl. Hipp und Milupa Bio hat der Kunde zur Auswahl.

Bio-Markenartikel sind präsent

Kaffee, das Lieblingsgetränk der Deutschen zum Frühstück, ist in der Bio-Variante gemahlen und als Pads von Darboven erhältlich. Die Darboven-Produkte sind zusätzlich fairtrade gesiegelt. Tchibo ist mit seinem Bio-Kaffee präsent. Bio-Bärenmarke macht den Kaffee weiß. Für Kinder und Erwachsene gibt es die Mount Hagen Trinkschokolade in Bio-Qualität.

Industriemarken mit Bio-Range haben ihren Platz im Regal. Funny frisch Kartoffelchips, Maggi Bio Küchen mit Garten- und italienischen Kräutern, Teigwaren von Kattus Bio, Getreideflocken von Kölln und die Bio-Gewürze von Wagner sind im Sortiment.

Kaufmann Scharschuh hat mit 26 Bio-Weinen ein ansehnliches Sortiment zusammengestellt. An der Elbe liegt ein kleines Weinanbaugebiet. Weiße Rebsorten wie Gutedel werden hier angebaut,  zum Teil  nach den Methoden des biologischen Landwirtschaft. Das Bio-Weingut Hoflößnitz aus Radebeul präsentiert acht Tropfen der bekannten Rebsorten Müller-Thurgau, Weißburgunder, Riesling, der eher regional verbreiteten Sorte Gutedel und des weniger bekannten roten Regent. Für 9,90 bis 14,90 Euro wird der heimische Bio-Rebensaft in der gehobenen Preisklasse abgesetzt. „Das funktioniert. Der wird überwiegend als Geschenk gekauft“, weiß er Kaufmann.

Neben den Sachsen-Weinen bietet der Markt noch 18 weitere Bio-Weine an, die von Bionisys geliefert werden. Mit 3,49 bis 5,99 Euro liegen diese in einer anderen Preisklasse als die sächsischen Tropfen. Die Weine stammen aus den europäischen Nationen Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland. Aus Übersee sind Südafrika-Weine mit Transfair-Siegel dabei.

Im separaten Getränkemarkt hat Bio auch seinen Platz. Bei den alkoholfreien Bio-Getränken ist Bionade selbstverständlicher Sortimentsbestandteil. Regionale Keltereien sind mit originellen Produkten vertreten. Walters aus Arnsdorf  bietet sechs Bio-Produkte, darunter den seltenen Aronia-Saft abgefüllt in die 0,33 Liter in Bio-Qualität für stolze 4,95 Euro. Alternativ gibt es ihn in der Drei-Liter-Saft-Box mit Preisvorteil. Die Schmieder Wein- und Fruchtsaftkelterei aus dem nahen Lichtenberg bereichert das Getränkeangebot um acht biologische Obst- und Gemüsesäfte in der Flasche.      

Bio-Biere der drei Brauereien Rother, Pinkus und Lammsbräu bereichern das Sortiment. „Bio-Bier ist kein Schnelldreher“, bemerkt der Rewe-Händler. Aber Bio-Gerstensaft gehört heute zu einem Vollsortiment dazu. Im Bio-Sortiment fehlt dem Rewe-Markt in Radebeul vor allem frisches Brot. Aber Kaufmann Scharschuh ist auf dem richtigen Weg.

Anton Großkinsky      


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