Start / Ausgaben / BioPress 59 - Mai 2009 / In Vino Veritas, wenn Bio salus!

Wein

In Vino Veritas, wenn Bio salus!

Italiens Bio-Weinanbau ist eine uralte Gabe

Der Wein, liebliches Getränk, geruchs- und geschmacksmäßig, wärmt das Herz und fördert das Zusammensein. Seit Jahrtausenden ist er mit der Freundschaft, dem Erfolg und der Lebensfreude verbunden. Wenn nicht übertrieben, tut er dem Herz gut und fördert den Kreislauf, die Stimmung und den Appetit. In Italien jedenfalls öffnet er seit Menschengedenken die Sinnesfreude.

Man weiß, daß Weinreben schon in der Vorgeschichte in der Toskana existierten, und dass sie in der ganzen mediterranen Tiefebene und im Mittelosten angebaut wurden. Die Assyrer waren die ersten, die den Weinverkauf kommerzialisiert haben, indem sie ihn mit den in der Nähe einsässigen Völkern tauschten. Die Ägypter haben ihn als Symbol vom Leben und Stärke verehrt und die Etrusker haben ihn auf das Feuer gegossen als Gabe an die Götter. Die Griechen wurden geschickte Weinbauern und haben den Wein in großen Krügen aufbewahrt, die sie nur zu besonderen Festgelegenheiten aufmachten. Franzosen und Italiener haben ihn weltberühmt gemacht.

Heutzutage wird im herkömmlichen Weinbau starker Gebrauch von Pestiziden und Unkrautvernichter gemacht, um den Befall durch Pilze und andere Schädlinge zu vermeiden. Im Wein und Baumwollanbau werden der Großteil an chemischen Substanzen (zirka 65 Prozent) eingesetzt. Außerdem werden im herkömmlichen Anbau künstliche Düngemittel verwendet, um den Boden mit Stickstoff, Kalium, Phosphor und anderen Mikroelementen anzureichern.

Bei der Transformation der herkömmlichen Weine wird nicht gespaßt; von der Verwendung des harmlosen Kaolin und Bentonite (Topferde) bis zur Verschwefelung der in Paraffin bespritzten Allile oder von Kaolineisenzyanid (zum Glück noch wenig gebraucht) und die Entmetallisierung der Weine (Kronkorken). Es werden auch GVO Enzyme, Fermentationsbeschleuniger, Säurereiniger, entfärbende Kohle und Deodorante verwendet, und letztlich Schwefeldioxid, Königin der Zusatzstoffe, allbekannt als giftig auf die Menschen wirkend.

Um die Reben im Bio-Anbau zu schützen, werden Kupferchloroxid, Sojalezithin, Algemarina, lösbarer Schwefel, Propoli, natürlich gewonnener Schwefelkies verwendet, und in der biodynamischen Methode gebraucht man Substanzen (pflanzlich und tierisch), die sich auf Anbaufläche und Rebstöcke auswirken. Der Ertrag bei dieser Produktionsart ist 20 bis 30 Prozent geringer als im konventionellen Anbau, in Qualität und Gesundheit aber enorm höher.

Die Trauben werden in Handarbeit gelesen und umgehend zur Verarbeitung befördert. Nach dem Zerstampfen saugt eine Vakuumpresse den Traubensaft schonend in die Kessel. Der Fermentationsprozess wird durch Temperatur kontrolliert und nicht durch Zusatz von Schwefeldioxid. Es werden weder synthetische Substanzen verwendet, noch Enzyme oder GVO Hefen. Der Höchstgehalt an Schwefeldioxid beträgt ein Drittel der herkömmlichen Weine.
Außerdem müssen die Korken biologisch sein. Es erfolgt keine Chlorwaschung, sie sind ungefärbt und ungebleicht, keinen Bestrahlungen ausgesetzt, nicht aus Plastik, und die Etiketten frei von Schwermetall. Stattliche 103 aktive Prinzipien finden Verwendung und die Kontrollbehörde sichert die Anwendung der EU-Bioverordnung 2092/91 bevor das Biosiegel auf dem Endergebnis akzeptiert wird.

Diese Regelung wird aber heute von mehreren Seiten als unvollkommen empfunden, da sie hauptsächlich den korrekten Anbau der Bio-Trauben und weniger die Weinherstellung und die Fasskonservierung regelt: 2009 wird endlich die Verabschiedung der „Europäischen Regelung der Bio-Weinherstellung“ erwartet, die viele Verarbeiter des Sektors seit 1991 erhofften. In den letzten drei Jahren hat sich das europäische Projekt „Orwine“ auf technische Möglichkeiten mit wissenschaftlicher Unterstützung befasst, um ein Reglement aufzustellen, das die Bedürfnisse der Hersteller befriedigt und auch Verbraucher besser orientiert.

Italienischer Wein auf Überholspur

Nach Schätzungen des italienischen Landwirtschaverbandes Coldiretti, der EU und des italienischen Önologenverbandes Assoenologi hat Italien 2008 nach zehn Jahren Anlauf Frankreich überrundet und ist somit anerkannter größter Weinproduzent der Welt. Das Wachstum der italienischen Weinerzeugung wird für 2008 auf acht Prozent geschätzt, auf dann 47 Millionen Hektoliter Jahresproduktion (Frankreich zirka fünf Prozent plus, fast 45 Millionen Hektoliter).

Mit 476 Anbaugebieten und 800.000 Herstellern repräsentiert Italien heute 21
Prozent der weltweiten Weinproduktion und sogar 34 Prozent in der europäischen Union.

Die Weinernte wird von Sizilien angeführt. Die Region produzierte über sieben Millionen Hektoliter, aber trotz des Booms ist Italien weit entfernt vom Durchschnitt der Jahre 1988 bis 1997 und des Jahrzehnts 1998 bis 2007. Der Grund dafür ist, dass man entschieden hat, wieder mehr Qualität zu erzeugen.

Italien wird der harten Konkurrenz auf dem Weltmarkt ausgesetzt und durch den Rapport Pan-Europa über die Pestizidrückstände im traditionellen Wein und vielen Panschereien alarmiert. Deshalb wird für Italien Qualitäts-Wein mehr denn je zur Pflicht, seine Kulturvielfalt zu seiner Kennkarte und Bioqualität die exklusive Wahl.

Bio-Wein in Italien und in der Welt

Immer mehr internationale Weinhersteller zielen auf Bio-Wein oder biodynamische Produktion mit seinem Ursprung bei Rudolf Steiner, der kosmische Einflüsse und Mondwechsel befolgte.

Alessandro Lanza, Erfinder des internationalen Bio-Wein Treffens in Verona, und seit 2000 Exporteur von exklusiven Bio-Weinen nach Europa und in die ganze Welt, Chef der Vin & Organic Products, erklärt als Gründer und Präsident, dass der internationale Markt sich immer mehr nach zwei Charakteristiken richtet: Qualität und Gesundheit. Letzteres als Garantie für die Verbraucher und den Umweltschutz. Der Bio-Wein entspricht vollkommen diesem Trend,  dynamische noch mehr. Daher das Motto „weniger trinken aber mehr Qualitätsweine.“

Im letzten Jahrzehnt führt Italien die europäische Spitze der Bio-Rebfläche an (insgesamt 80.000 Hektar) mit zirka 34.000 Hektar, während Frankreich und Spanien die Quoten von 19.000 und 16.000, Deutschland 2.800 und Österreich 2.500 erreichen.

In sechs italienischen Regionen konzentrieren sich fast 70 Prozent der nationalen Bio-Weinanbaufläche: Auf Platz Eins liegt Sizilien (24 Prozent), gefolgt von der Toskana, Apulien, Abruzzen, Emilia Romagna und Marken. Aus ihren Trauben wird „Wein aus biologischen Reben“ gewonnen, der immer mehr nationale und internationale Liebhaber findet, dank guter Winzer, die technische Leistung im Anbau, Qualität und Ausbau verbinden und ein gesundes, umweltfreundliches Produkt mit höchstem Genusswert produzieren.

Italien zählt 5.900 Weinhersteller mit Zertifikat (über 600 nur in Sizilien) in verschiedenen Größenklassen mit weniger als einem Hektar Anbaufläche bis auf über 200 Hektar. In jedem Fall ist die Durchschnittsfläche bei der Bioproduktion größer als bei der herkömmlichen Methode, und die Bio-Weinbauern sind durchschnittlich jünger als die normalen italienischen Bauern, was Veränderungen erleichtert.

Hinzuzufügen ist, dass die wichtigsten Verkaufskanäle für Bio-Wein Verarbeitungsbetriebe, Grosshandel, traditionneller Einzelhandel oder Auslandsimporteure sind. In Italien ist der Weinkauf direkt beim Winzer auf dem Land ein weit verbreiteter Brauch. (Quelle: Sinab – Italienisches Informationssystem für den ökologischen Landbau)

Weniger Masse und mehr Qualität

In den letzten Jahrzehnten haben Ess- und Lebensstilveränderungen in Italien den Weinverbrauch pro Kopf von 120 auf 50 Liter redu­ziert. Dabei wird klar, dass man „besser“ trinkt. Der Konsum von „her­kunftskontrolliertem Wein und Bio-Wein“ ist um 2,6 Prozent gestiegen. Letzterer findet immer mehr Anhänger. Nach „Coldiretti“ werden nur Qualitätsweine die derzeitige Krise überstehen.

Nach der Statistik 2007 von Ismea-AC Nielsen, machen die alkoholischen Getranke 0,6 Prozent des gesamten italienischen Bio-Lebensmittelverbrauchs aus. An erster Stelle liegt der Bio-Wein, mit einem Anteil von 60 Prozent und einer Steigerung von fast 50 Prozent gegenüber 2006 bei einem Umsatz in den klassischen Absatzkanälen von über 1,2 Milionen Euro. Der Gesamtkonsum liegt bei 245 Tausend Litern.

Export italienischer Bio-Weine

Ungefähr 80 Prozent des italienischen Bio-Weins wird ins Ausland exportiert, wo die Nachfrage für Bioprodukte größer ist. Deutschland ist einer der wichtigsten Märkte mit rund 40 Prozent des gesamten italienischen Bio-Weinexports (Quelle: Dienstleistungsinstitut für den Agrarmarkt Ismea).
Dieser Wert interessiert sicher die Bio-Weinhersteller, deren Produkte seit den 80-er Jahren in Deutschland stark gefragt sind. Bereits Anfang der 90-er Jahre wurde ein Bio-Weinführer mit den ersten italienischen Weinherstellern herausgebracht.

Bei den deutschen Weinliebhabern gehören Prosecco, Pinot Grigio und Merlot zu den meistgefragten italienischen Bio-Weinsorten. Zu den wichtigsten Weinex­port-Märkten neben Deut­schland zählen Japan, Amerika und Australien, sowie weitere nord­europäische Länder, wo der Bio-Konsum stark entwickelt ist.

Neuer Trend: Weinkantinen in Öko-Architektur

Nach den Erfolgen der ersten Pioniere mit der Einrichtung von öko-freundlichen Weinkantinen, wie zum Beispiel Agriverde in den Abruzzen, werden in Italien nun immer mehr „öko-freundliche“ Weinkantinen errichtet unter Verwendung von nachhaltigen und recyclebaren Materialien, sowie der Nutzung von erneuerbaren Energiequellen: Für ein 360-Grad Bio-Erlebnis.

Der beste italienische Bio-Wein 2009 ist ein Weißwein

Der „Soave Colli Scaligeri Vigne della Brà DOC 2006“ vom Weingut Agricola Visco & Filippi di Castelcerino (Soave - Verona) wurde von der Fachjury des Weinführers für Italienische Weine 2009 zum besten italienischen Bio-Wein 2009 gekürt. Die Fachjury  hat über 700 Weine von 184 Bio-Weinbauen verköstigt und mit Zertifikat prämiert. Die Gewinner der prämierten Weine kommen aus verschiedenen Regionen:  34 aus der Toskana, 17 aus Venetien, 12 aus Piemont, usw. Es lebe der italienische Wein – besser noch der Bio-Wein!

Yasmine Ravaglia


Ticker Anzeigen

Das könnte Sie auch interessieren

Premiere: Bioland-Weine bei Lidl

Zwei Weine im Mai bundesweit als Wochen-Aktion erhältlich - zwei andere in Berlin dauerhaft

Es sind ein Weißer Burgunder Auxerrois und ein Sauvignon Blanc Riesling vom Bioland-Weingut Pfaffmann, die im Mai im Rahmen einer Aktionswoche deutschlandweit in den Regalen von Lidl stehen. Die zwei trockenen Pfälzer Weißweine mit dem grünen Bioland-Siegel sind nur der Anfang, weitere Aktionen mit Bioland-Weinen hat Lidl bereits geplant.

18.03.2019mehr...
Stichwörter: Wein

Bio-Weine bringen Dynamik in den deutschen Weinmarkt

Studie des französischen Bio-Weinverbandes SudVinBio identifiziert Bio-Weine als das Wachstumssegment des deutschen Weinmarkts

Stuttgart / Montpellier, 30.11.2018. Der Anteil von Bio-Weinen am deutschen Stillweinmarkt liegt aktuell erst bei sechs Prozent. Das Segment ist aber das einzige im deutschen Weinmarkt, das kontinuierlich und dynamisch wächst – auch in Zukunft. Sich ändernde Konsumgewohnheiten wirken sich positiv auf den Kauf von Bio-Weinen aus. Das ist das zentrale Ergebnis der internationalen Marktstudie „The Global Organic Wine Market 2012 – 2022“. Sie wurde im Auftrag des französischen Bio-Weinverbands SudVinBio vom renommierten britischen Marktforschungsinstitut IWSR erstellt.

30.11.2018mehr...
Stichwörter: Wein

Neue Binnenmarktförderung Wein gestartet

Stuttgart (agrar-PR)  |    „Der europäische und vor allem der deutsche Weinmarkt sind wegen ihrer hohen Kaufkraft heiß umkämpfte Märkte. Brüssel hat die Voraussetzungen dafür geschaffen, Verbraucherinformationen zu den Weinbaugebieten und deren Weinen im Binnenmarkt finanziell zu unterstützen. Baden-Württemberg wird den Betrieben im Land ab 2018 diese Fördermaßnahme anbieten“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL, am Montag (29. Januar) in Stuttgart.

31.01.2018mehr...
Stichwörter: Wein