Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Klage gegen das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingereicht, um die Zulassungen der Pestizide Decis Forte und Gat Decline 2.5 EC zu widerrufen. Beide Mittel enthalten den Wirkstoff Deltamethrin, der im Verdacht steht, die menschliche Gesundheit und Ökosysteme zu schädigen. Anlass der Klage seien neue wissenschaftliche Hinweise auf neurotoxische Effekte bereits bei sehr niedrigen Dosen sowie mögliche Gefahren für die frühkindliche Hirnentwicklung.
„Es ist erschreckend, dass das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit veraltete Risikobewertungen nicht aktualisiert, obwohl neue Studien die Gefahren – vor allem für die Entwicklung von Kindern – längst nahelegen“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Diese Erkenntnisse zu ignorieren sei „unverantwortlich und rechtswidrig. Ein Bundesamt darf nicht zum verlängerten Arm von Industrieinteressen werden, sondern muss konsequent die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher schützen.“ Damit die betroffenen Pestizide vom Markt verschwinden, will die DUH wenn nötig bis zur letzten Instanz gehen.
Deltamethrin gehört zu den sogenannten Pyrethroiden und wird im Ackerbau, etwa im Raps- und Zuckerrübenanbau verwendet. Tierstudien zeigten Hinweise auf schädliche hormonelle Wechselwirkungen mit dem Nervensystem, insbesondere während sensiblen Entwicklungsphasen des Gehirns – und das schon bei Dosen unter ein Milligramm pro Liter, die von der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) eigentlich als „ohne beobachtete schädliche Wirkung“ (NOAEL) eingestuft werden. Rückstände von Deltamethrin können über Lebensmittel aufgenommen werden und stellen laut DUH ein besonderes Risiko für Schwangere und deren Kinder dar. Darüber hinaus sei der Stoff hochgiftig für Insekten und für aquatische Lebewesen.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat mit Unterstützung des Pestizid Aktions-Netzwerks (PAN Germany) Klage gegen die Zulassung dreier Pestizide eingereicht, die zur Bildung der Ewigkeitschemikalie Trifluoressigsäure (TFA) führen und damit Grund- und Trinkwasser verunreinigen. Betroffen sind die Mittel Banjo, Brodal und Luna Experience. Die Verfahren laufen vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig, gegen das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).
Rückenwind für die Glyphosat-Klage der Deutschen Umwelthilfe
Anlässlich der Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegen die Bundesregierung wegen der Zulassung des glyphosathaltigen Pestizids Roundup PowerFlex des Herstellers Bayer/Monsanto hat das Umweltbundesamt in einer Stellungnahme negative Umweltauswirkungen bestätigt. Demnach seien bei der Anwendung ‚nicht vertretbare‘ Schäden für Säugetiere, Naturhaushalt und Grundwasser möglich.
Resistenzen und weitere Gesundheitsrisiken im Blick
Die Deutsche Umwelthilfe geht juristisch gegen die Pestizide Folicur und Score vor. Beim Verwaltungsgericht Braunschweig hat sie Untätigkeitsklagen gegen das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingereicht. Ziel ist ein sofortiger Zulassungsstopp – aufgrund von Medikamentenresistenzen, gesundheitlichen Risiken und der Belastung des Grundwassers.