Start / News / Ökologie / Vegan trifft Ökolandbau

Nachhaltigkeit

Vegan trifft Ökolandbau

V-Label schafft neue Labelvariante für die landwirtschaftliche Erzeugung

Vegan trifft Ökolandbau
Die Solawi Halde in Altendorf (Schweiz) gehört zu den ersten Betrieben, die mit dem ‚V-Label Vegane Landwirtschaft‘ zertifiziert wurden. V.l.n.r.: Leonardo Medina, Manuela Mächler und Christian Mächler von der Solawi Halde, Lubomir Yotov, Bereichsleiter V-Label Schweiz, und Renato Pichler, Swissveg-Präsident und Gründer des V-Label-Projekts

Die Ernährungssysteme der Zukunft werden unweigerlich pflanzenbasierter sein – darin sind sich Wissenschaft, Politik und Gesundheitsinstitutionen einig. Modelle wie die Planetary Health Diet zeigen, dass ein deutlich höherer Anteil pflanzlicher Lebensmittel notwendig ist, um Klima, Biodiversität und Ressourcen zu schützen. Auch die überarbeitete Ernährungspyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) rückt pflanzliche Lebensmittel klar in den Mittelpunkt. Gleichzeitig gilt eine drastische Reduktion der landwirtschaftlichen Tierbestände aus Gründen des Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschutzes als unvermeidlich.

Dass dieser Wandel bereits begonnen hat, zeigt das Kaufverhalten: Vegane Produkte gewinnen im Lebensmitteleinzelhandel und in Drogeriemärkten stetig an Bedeutung. Dabei greifen Verbraucher zunehmend zu Bioprodukten, weil klar wird, dass eine zukunftsfähige Landwirtschaft ohne synthetische Dünger, Pestizide, Monokulturen und Erosion der Böden auskommen muss. Regenerative und naturnahe Methoden rücken stärker in den Fokus.

Doch es entsteht eine strukturelle Schieflage: Der Ökolandbau, der seit Jahrzehnten Maßstäbe für eine nachhaltige Bewirtschaftung setzt, ist tradi- tionell eng mit Tierhaltung und der Nutzung tierischer Betriebsmittel verknüpft. Gleichzeitig kennzeichnet ‚vegan‘ auf Produkten lediglich den Verzicht auf tierische Zutaten und tierische Prozesshilfsstoffe – lässt aber offen, ob die jeweiligen pflanzlichen Rohstoffe aus ökologischem oder konventionellem Anbau stammen und ob sie aus Produktionssystemen kommen, die selbst stark mit Tierhaltung sowie der Düngung mit Exkrementen und tierischen Nebenprodukten (Schlachtabfällen) verbunden sind.

Damit stehen zwei Systeme mit hohem Nachhaltigkeitsanspruch nebeneinander, die sich nur in geringem Ausmaß berühren:

  • bio = ökologische Erzeugung, meist mit Tierhaltung verknüpft
  • vegan = tierfrei im Endprodukt, aber ohne Bezug zur Agrarpraxis

Der biozyklisch-vegane Anbau zeigt bereits seit längerem, dass beides zusammengehört: eine ökologische Landwirtschaft auf der Basis rein pflanzlicher Nährstoffkreisläufe mit starkem Fokus auf Klimaschutz, dauerhaft fruchtbaren Böden, Förderung der Biodiversität und Ressourceneffizienz. Er liefert das Modell für die konsequente Verbindung von bio und vegan in der Landwirtschaft. Und genau in diesem Spannungsfeld setzt das V-Label nun einen neuen Impuls.

Das bekannte V-Label erweitert seinen Geltungsbereich auf den ökologischen und veganen Anbau

Mit der Einführung der neuen Labelvariante ‚V-Label Vegane Landwirtschaft‘ im November 2025 weitet Swissveg – über die V-Label GmbH – die vegane Kennzeichnung erstmals auf die landwirtschaftliche Primärproduktion aus. Das ist ein strategischer Schritt: Die vegane Produktkennzeichnung wird auf die Ebene des Anbaus ausgedehnt und somit nun auf die gesamte Wertschöpfungskette bezogen. 

Biozyklisch-veganer Anbau liefert die fachliche Expertise

Für die neue Labelvariante kooperiert die V-Label GmbH mit Biocyclic Vegan International und ihrer Labelorganisation BVL Biocyclic Vegan Label Ltd., der Inhaberin des Biozyklisch-Veganen Gütesiegels.

Die dem biozyklisch-veganen Anbau zugrundeliegenden Biozyklisch-Veganen Richtlinien, die zur IFOAM Family of Standards gehören, definieren einen weltweit anwendbaren Ökostandard, der insbesondere:

  • ohne landwirtschaftliche Tiernutzung und ohne tierische Betriebsmittel arbeitet,
  • auf rein pflanzliche Nährstoffkreisläufe setzt,
  • Bodenaufbau und Humusmehrung fördert und
  • Biodiversität stärkt.

Für das V-Label stellen die Biozyklisch-Veganen Richtlinien die inhaltliche Basis dar, um die neue Labelvariante fachlich fundiert und glaubwürdig anzuwenden. Biozyklisch-vegan zertifizierte Betriebe können ohne ein zusätzliches Kontroll- und Zertifizierungsverfahren die Lizenz zur Verwendung des V-Labels Vegane Landwirtschaft erhalten.

Marktimpulse: Neue Wertschöpfungsketten werden möglich
Mit weltweit rund 70.000 gelabelten Produkten hat das V-Label eine enorme Reichweite und damit das Potenzial, die landwirtschaftliche Nachhaltigkeit verstärkt in den veganen Bereich einzubringen. Die neue Kategorie kann dazu beitragen, entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Acker bis ins Regal – eine wachsende Nachfrage nach ökologisch und ohne Tiernutzung erzeugten pflanzlichen Rohstoffen zu stimulieren.

Hersteller und Händler können künftig:

  • pflanzliche Rohstoffe gezielt nach biozyklisch-veganen Kriterien einkaufen,
  • Produkte klar differenzieren,
  • konsequent vegane, nachhaltige Lieferketten aufbauen und
  • den Verbrauchern eine klare Orientierung bieten.

Für Erzeuger ergibt sich die Möglichkeit, sich frühzeitig im entstehenden Marktsegment zu positionieren. Und für Handel und Marken eröffnet sich ein glaubwürdiger Weg, pflanzenbasierte Sortimente ökologisch aufzuwerten.

Neue Chancen für Sichtbarkeit und Skalierung

Mit dem V-Label Vegane Landwirtschaft und dem Biozyklisch-Veganen Gütesiegel entsteht ein Ansatz, der die beiden auf Ebene der Landwirtschaft bislang getrennten Welten ‚vegan‘ und ‚bio‘ zusammenführt. Die beiden Label schaffen gemeinsam einen klaren Rahmen für Unternehmen, die pflanzenbasierte Sortimente nicht nur frei von tierischen Inhalts- und Prozessstoffen, sondern auch ökologisch und regenerativ verankert entwickeln möchten.

Damit setzen das V-Label und das Biozyklisch-Vegane Gütesiegel einen deutlichen Impuls für die Weiterentwicklung eines Ernährungssystems, das Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschutz ebenso berücksichtigt wie die steigenden gesellschaftlichen Erwartungen an eine Landwirtschaft ohne Tierleid. Während die Debatte um ein zunehmend pflanzenbasiertes Ernährungssystem häufig auf die Reduktion tierischer Produkte im Konsum fokussiert, bleibt die Frage der praktischen Umsetzung auf landwirtschaftlicher Ebene oft unbeantwortet. Der biozyklisch-vegane Anbau liefert hierfür mit seinem praxiserprobten und zertifizierten Ansatz eine tragfähige agrarische Grundlage. Durch die Erweiterung des V-Labels um die landwirtschaftliche Dimension erhält dieses Modell nun jene Sichtbarkeit, die notwendig ist, um eine breitere Anwendung und Skalierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu ermöglichen.

Axel Anders

 

Biocyclic Vegan International
Das Netzwerk Biocyclic Vegan International und sein rechtlicher Träger, die gemeinnützige Adolf-Hoops-Gesellschaft gGmbH, sind als Dachorganisationen für den biozyklisch-veganen Anbau weltweit koordinierend und beratend tätig. Ansprechpartner für die deutschsprachigen Länder (DACH-Region) ist der gemeinnützige Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau e. V. Grundlage des biozyklisch-veganen Anbaus sind die Biozyklisch-Veganen Richtlinien, ein international anerkannter Ökostandard (IFOAM Family of Standards) für eine Landwirtschaft ohne Tiernutzung und ohne tierische Betriebsmittel. Zum Netzwerk gehören auch die Labelorganisation der Adolf-Hoops-Gesellschaft, BVL Biocyclic Vegan Label Ltd., und weitere Partnerorganisationen in verschiedenen Ländern. Weltweit gibt es derzeit circa 50 zertifizierte Betriebe. 

 

 Swissveg und das V-Label
Swissveg ist die größte Interessenvertretung vegetarisch und vegan lebender Menschen in der Schweiz und Gründerin des V-Labels. Mit über 70.000 lizenzierten Produkten weltweit steht das Label seit drei Jahrzehnten für Transparenz und Vertrauen im pflanzenbasierten Bereich. Das neue V-Label Vegane Landwirtschaft erweitert diesen Ansatz auf die landwirtschaftliche Ebene und unterstützt so die Entwicklung einer konsequent veganen und nachhaltigen Lebensmittelproduktion. 

 

Printansicht

[ Artikel drucken ]

Ticker

Das könnte Sie auch interessieren

Jungwinzer treffen sich zur Ecovin-Tagung

‚Fairgoren – Zukunft im Glas!‘

Jungwinzer treffen sich zur Ecovin-Tagung © ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau

Vom 27. bis 29. März trafen sich junge Winzer in der Rhein-Nahe-Jugendherberge Bingen zur 12. Ecovin-Jungwinzer*innen-Tagung. Zu den Teilnehmern gehörten Studenten, Auszubildende, junge Betriebsleiter und Berufseinsteiger sowie Weinenthusiasten. Unter dem Leitmotiv ‚Fairgoren – Zukunft im Glas!‘ diskutierten sie über zentrale Zukunftsfragen des ökologischen Landbaus – von Humusaufbau und Klimaschutz bis zur sozialen Verantwortung in der Branche.

16.04.2026mehr...
Stichwörter: Nachhaltigkeit, V-Label, Ökolandbau

Krisenfeste Lebensmittelwirtschaft sichern: AöL fordert strukturelle Antwort

Vielfalt als Garant der Ernährungssicherung

Angesichts wachsender globaler Krisen fordert die Assoziation ökologischer Lebensmittelherstellerinnen und -hersteller (AöL) eine Stabilisierung des Ernährungssystems. Kurzfristige Gegenmaßnahmen alleine seien nicht ausreichend. Hintergrund sind erwartete Preissteigerungen bei Lebensmitteln, die sich aus gestiegenen Energie-, Dünger- und Transportkosten infolge geopolitischer Konflikte ergeben.

25.03.2026mehr...
Stichwörter: Nachhaltigkeit, V-Label, Ökolandbau

Swissveg launcht neues ‚V-Label Vegan Agriculture‘

„Ein logischer Schritt zu konsequent veganen Wertschöpfungsketten“

Swissveg launcht neues ‚V-Label Vegan Agriculture‘

Der Schweizer Verein Swissveg, Gründer des international bekannten V-Labels, hat zusammen mit dem Netzwerk ‚Biocyclic Vegan International‘ das neue ‚V-Label Vegan Agriculture‘ vorgestellt. Mit der Erweiterung des V-Labels auf die landwirtschaftliche Produktion wollen die Organisationen einen weiteren Schritt hin zu einer vollständig veganen Wertschöpfungskette markieren.

21.11.2025mehr...
Stichwörter: Nachhaltigkeit, V-Label, Ökolandbau