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Nachhaltigkeit

Foodwatch kritisiert Beifang bei MSC-Thunfisch

Petition fordert schärfere Kriterien für MSC-Siegel

Foodwatch kritisiert Beifang bei MSC-Thunfisch © Foodwatch

Der Marine Stewardship Council (MSC) steht in der Kritik: Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch wirft der Organisation vor, auch solche Thunfisch-Fischereien als ‚nachhaltig‘ zu zertifizieren, die mit hohen Beifangraten gefährdeter Arten und umweltschädlichen Fangmethoden arbeiten. In einer Petition fordert Foodwatch den MSC auf, strengere Kriterien durchzusetzen und Fischereien mit Fischsammlern das MSC-Siegel zu entziehen.

70 Hochseehaie, rund 4.400 Seidenhaie, acht Meeresschildkröten, drei Mantarochen und zwei Walhaie – so viel Beifang wurde 2022 nach einem Überwachungsbericht auf nur einer MSC-zertifizierten Flotte dokumentiert. Die Kritiker sprechen daher nicht von Einzelfällen, sondern von einem „massiven Beifang geschützter Arten“ trotz Zertifizierung. Viele Fangflotten bekommen laut Foodwatch sogar ein „Siegel auf Probe“.

Einige Fischereien spielen laut der Kampagne außerdem ein doppeltes Spiel: So würden bei denselben Fangeinsätzen neben dem MSC-zertifizierten Skipjack-Thunfisch auch andere Arten wie der überfischte Großaugenthunfisch gefangen – für Foodwatch „profitables Greenwashing“.

Besonders im Blick stehen sogenannte Fischsammler – schwimmende Plastik-Konstruktionen, die nicht nur Thunfische anlocken, sondern auch gefährdete Haie, Rochen, überfischte Thunfische und Jungfische. Viele dieser Netze landen laut Foodwatch später einfach als Plastikmüll im Meer und an den Küsten – immer mehr der Fangflotten würden trotzdem von der MSC als ‚nachhaltige Fischerei‘ zertifiziert.

Mit einer Petition will die Organisation den öffentlichen Druck erhöhen, um strengere Zertifizierungsstandards durchzusetzen. Fischereien mit treibenden Fischsammlern müsse sofort das MSC-Siegel entzogen werden, fordert Foodwatch.

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