Start / Business / Themen / Gesellschaft / Parkinson als Berufskrankheit: Streit um Anerkennung und Kosten

Gesundheit

Parkinson als Berufskrankheit: Streit um Anerkennung und Kosten

Wer zahlt für Pestizidfolgen?

Parkinson als Berufskrankheit: Streit um Anerkennung und Kosten © stock.adobe.com/gballgigs

Seit 2024 ist das Parkinson-Syndrom infolge langjähriger Pestizidanwendung als Berufskrankheit für Landwirte anerkannt. Wie der Tagesspiegel Background berichtet, hat das Bundesarbeitsministerium nun angekündigt, die Krankheit offiziell in die Berufskrankheitenliste aufzunehmen, was die Anerkennung erleichtern soll. Während Betroffene auf Entschädigung hoffen, wird darüber gestritten, wer die steigenden Kosten tragen soll.

Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung besteht laut Tagesspiegel nur bei sogenanntem ‚primärem Parkinson‘, das nicht Folge einer anderen Grunderkrankung ist. Deshalb bedürfe es einer Einzelfallprüfung. Nach Angaben der landwirtschaftlichen Sozialversicherung seien bislang rund 400 von 8.800 geprüften Fällen anerkannt worden, die Kosten lägen aktuell bei etwa vier Millionen Euro, könnten aber stark steigen.

Der Deutsche Bauernverband und der Industrieverband Agrar äußerten Zweifel an der wissenschaftlichen Kausalität und warnten vor finanziellen Belastungen. Die Parkinson-Stiftung hält dem wissenschaftliche Erkenntnisse entgegen, wonach ein häufiger Kontakt mit Pestiziden das Risiko, an Parkinson zu erkranken, verdopple.

Zur Finanzierung stellt der Bund laut Tagesspiegel im Jahr 2025 und 2026 jeweils 20 Millionen Euro zusätzlich für die landwirtschaftliche Unfallversicherung bereit. Er betone jedoch, dass dies kein Automatismus sei und jährlich neu entschieden werde.

Der Vorstandsvorsitzende der Sozialversicherung Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, Martin Empl, befürchtet Kosten in dreistelliger Millionenhöhe. Aktuell seien es aber nur rund vier Millionen. Im jahr 2026 rechne man jedoch schon mit 63 Millonen Euro. Bereits 2023 hatte die SVLFG die Risikobeiträge für Landwirte um rund 20 Prozent erhöht.

Grünland- und Biobauern wollen die Kosten, für die sie gar nicht als Verursacher in Betracht kommen können, nicht mittragen. Viele Bauern legten Widerspruch ein. Die Opposition sieht das Verursacherprinzip und spricht sich gegen eine Haftung der Steuerzahler aus.

Während SPD und Bundesregierung eine Haftung der Hersteller ablehnten, forderten Linke und Grüne eine Beteiligung der profitierenden Pestizidkonzerne – nach französischem Vorbild. Die Industrie weist diese Forderung zurück.

[ Artikel drucken ]

Ticker

Das könnte Sie auch interessieren

Einsatz von Flufenacet bis Ende 2026 erlaubt

Deutsche Umwelthilfe und PAN Europe protestieren

Im Mai hat die EU die Zulassung für den Herbizid-Wirkstoff Flufenacet aufgrund einer neuen Risikobewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nicht verlängert. Trotz der Nichtgenehmigung können Mitgliedstaaten den Einsatz Flufenacet-haltiger Pestizide bis Dezember 2026 fortsetzen – eine Übergangsfrist von 18 Monaten. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Europe) betrachten das als rechtswidrig und fordern ein sofortiges Ende der verlängerten Übergangsregelung.

16.07.2025mehr...
Stichwörter: Gesundheit, Pestizide, Landwirtschaft, Erzeuger, Verursacherprinzip, Krankheitskosten, Parkinson

Niederlande müssen Stickstoff-Emissionen in der Landwirtschaft verringern

Greenpeace gewinnt Prozess vor Landgericht Den Haag

Niederlande müssen Stickstoff-Emissionen in der Landwirtschaft verringern © stock.adobe.com/oticki

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat einen Sieg vor Gericht errungen: Das nationale Zivilgericht in Den Haag hat die Niederlande am vergangenen Mittwoch dazu verpflichtet, weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Stickstoffverschmutzung zu ergreifen. Andernfalls könne dies als Verstoß gegen EU-Recht gewertet werden. Umweltschützer sehen in dem Urteil auch eine Signalwirkung für die Bundesrepublik.

27.01.2025mehr...
Stichwörter: Gesundheit, Pestizide, Landwirtschaft, Erzeuger, Verursacherprinzip, Krankheitskosten, Parkinson

bioPress-Events neu aufgestellt

Biofach Meetingpoint BIOimSEH / 4. Bio Handels Forum

bioPress-Events neu aufgestellt

Bio hat den Mainstream erobert. Die qualitätsorientierten, selbstständigen Lebensmitelkaufleute sind die natürlichen Verbündeten für die zu erwartende Bio-Marktentwicklung. Alle diese Kaufleute sollen mit neuen bioPress-Events abgeholt und ihre Bio-Kernkompetenz erweitert werden. Mehr Bio-Vielfalt in den Regalen des SEH bringt uns dem Ziel 30 Prozent Bio bis 2030 näher. 

08.08.2022mehr...
Stichwörter: Gesundheit, Pestizide, Landwirtschaft, Erzeuger, Verursacherprinzip, Krankheitskosten, Parkinson