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Agrarwende

Öko-Feldtage machen deutlich: Ökolandbau ist Landwirtschaft der Zukunft

330 Unternehmen präsentieren innovative Lösungen

Öko-Feldtage machen deutlich: Ökolandbau ist Landwirtschaft der Zukunft © Marzena Seidel
Eröffnung der Öko-Feldtage 2022
Eröffnung der Öko-Feldtage 2022
Eröffnung der Öko-Feldtage 2022 mit Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir und der hessischen Landwirtschaftsministerin Priska Hinz

Vom 28. bis 30. Juni fanden die Öko-Feldtage auf der Hessischen Staatsdomäne Gladbacherhof in Villmar statt. Die hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz und der Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir eröffneten die Innovationsschau rund um den Ökolandbau. Auf dem Programm standen neben Präsentationen von Saatgut, Landtechnik, Stallbau und Futtermitteln auch politische Diskussionen über die Zukunft der Landwirtschaft.

Bei seinem Besuch auf den Öko-Feldtagen ist Agrarminister Cem Özdemir immer wieder eine Frage gestellt worden: Hält er am Ziel von 30 Prozent Bio bis 2030 vor dem Hintergrund des Krieges und seinen massiven Auswirkungen auf Märkte und Preise fest? Antwort: ein klares Ja. Die Innovationskraft des Ökolandbaus sowie das Wirtschaften im Einklang mit den Ressourcen könne positiv auf die gesamte Landwirtschaft ausstrahlen. Bio sei daher gerade in der jetzigen Zeit weiterhin das geeignete Leitbild für die Landwirtschaft.

Bioland-Präsident Jan Plagge begrüßt die Unterstützung des Landwirtschaftsministers angesichts der großen Unsicherheit und den Zukunftsängsten bei vielen Akteuren. Gerade jetzt könne der Ökolandbau als Lösung vieler Probleme – mehr Resilienz, gesündere Böden, saubereres Wasser und mehr Artenvielfalt – zu einer größeren Unabhängigkeit beitragen.

Stellschraube GAP

Neben Signalen brauche es aber auch konkrete politische Unterstützung. Allem voran müsse sich das BMEL bei den laufenden Verhandlungen mit der EU-Kommission zum GAP-Strategieplan für attraktive Förderbedingungen für den Ökolandbau einsetzen. Dies beinhalte eine ausreichend hohe Ökoprämie, bessere Kombinationsmöglichkeiten mit den Öko-Regelungen und praxistaugliche GLÖZ-Standards (Regeln für einen ‚guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand‘).Zudem müsse Bio im Außer-Haus-Markt dringend einen Schub erhalten, etwa durch die Einführung einer verbindlichen Bio-Quote von 50 Prozent in den öffentlichen Küchen.

Tina Andres, Vorstandsvorsitzende des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW), mahnte an, bei der nationalen Umsetzung der neuen EU-Agrarpolitik die erforderlichen Mittel einzuplanen. Aktuell liegt die Bio-Fläche in Deutschland bei knapp elf Prozent. Dass die finanziellen Anreize zur Umstellung auf Bio erhöht werden, sei wichtig, um die Leistungen von Bio-Bauern angemessen zu honorieren und veränderungsbereiten konventionellen Betrieben eine Bio-Perspektive zu bieten.

Carbon Farming und Neue Gentechniken

An der Diskussion ‚Carbon Farming mit Emissionszertifikaten: eine Chance für den Ökolandbau‘ nahmen neben Plagge auch Dr. Ophelia Nick, parlamentarische Staatssekretärin des BMEL, und Prof. Dr. Andreas Gattinger, Justus-Liebig-Universität Gießen, teil. Der Bioland-Präsident unterstrich dort seinen Standpunkt, dass es beim Thema Carbon Farming einen systemischen Ansatz brauche – einen wissenschaftlich anerkannten Standard für eine gesamtbetriebliche Bilanzierung, der sowohl die Langfristigkeit als auch die Vorleistungen berücksichtigt: „Praktiken, die auf Bio-Betrieben üblich sind, tragen bereits zu höheren Kohlenstoffvorräten im Boden bei, der ökologische Landbau sollte daher als CO2-Anbaupraxis anerkannt werden.“

Bei einer Veranstaltung zu Neuen Gentechniken mit Podiums-Gast Ilaria Ciabatti (Europäische Kommission / DG Sante) warb Plagge für die Vorteile der bestehenden Regelung für die europäischen Betriebe und Bürger, deren Wahlfreiheit erhalten bleiben müsse. Den gentechnikfrei arbeitenden Landwirten dürfe keine zusätzliche Bürde zum Nachweis der Gentechnikfreiheit auferlegt werden.

Die Vertreterin der EU-Kommission Ciabatti rief alle Praktiker und Experten dazu auf, sich noch bis zum 22. Juli am EU-Konsultationsverfahren zu beteiligen – die Auswertung dieser Rückmeldungen fließe maßgeblich in einen möglichen Regulierungsvorschlag der EU Kommission ein.


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