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Der Biomarkt: Transparenz, Fairness und Fachhandelstreue

Siebter Donnerstag-Talk im bioPress Square & Fair Table, jede Woche ab 15 Uhr

Ideologie und Schwarz-Weiß-Malerei prägen immer noch weite Teile der Bio-Szene. Dabei könnten Gesetzes-Verstöße, mangelnde Transparenz und Solidarität den Ruf der Branche in Mitleidenschaft ziehen, wenn sich nicht bald etwas ändert. Beim letzten Donnerstag-Talk kam die bioPress-Redaktion mit einem Bio-Hersteller ins Gespräch.

Der Vertriebs-Verantwortliche einer Bio-Mühle erzählte von seiner Betriebssituation. Das Geschäft laufe gut, mit dem Bau einer neuen Mühle stünden bald Kapazitäten für 36.000 Tonnen Getreide zusätzlich zur Verfügung. Mit der Marke wolle man zukünftig weiter den Naturkostfachhandel beliefern, sowie Bäckereien und die Gastronomie. Auch über das Ausland als zusätzlichen Absatzkanal sei man am Nachdenken.

Hier hakte bioPress-Herausgeber Erich Margrander kritisch nach, ob es nicht sinnvoller sei, das Geschäft zunächst auf die Supermärkte innerhalb Deutschlands auszuweiten. „Zunächst müssen wir die Marke noch breiter aufziehen“, meinte der Vertriebler. Weiter profilieren könnte man sich etwa über Demeter-Ware, die dem Unternehmen momentan wegen eines Mitstreiters verwehrt würde.

Zu viel Ideologie in der Marke sei aber auch nicht unbedingt förderlich, merkte Margrander dazu an. Ausschlaggebend sei doch die Qualität. Den aktuellen Hype um Demeter im Handel kann er nicht nachvollziehen und hält den Verband aufgrund seiner überschaubaren Mitgliedszahlen für ungeeignet, um die breite Masse zu versorgen. Für Letzteres sucht er weiter nach Verbündeten.

„Fehlende Fairness und Solidarität könnten der Bio-Bewegung noch zum Verhängnis werden“, warnte Margrander. Würden Bio-Akteure sich solidarischer verhalten, würde der Bio-Markt auch nicht in die Hände der falschen Leute abrutschen. Wenn dagegen alle in ihrer Nische blieben, könnten sie die Entwicklung auch nicht mitbeeinflussen. 2021 sei der Umsatz im Fachhandel nach dem Pandemie-Run wieder rückläufig und man müsse nach vorne denken.

„Es werden noch die gleichen Inhalte gepredigt wie vor 50 Jahren“, stimmte der Gesprächspartner zu. Er erklärte aber die Befürchtung vieler Hersteller, bei einer Öffnung für den konventionellen LEH von Bio-Großhändlern boykottiert zu werden. Trotzdem laufe es für Bauck, Spielberger und Allos gut, räumte er ein. Vieles geschehe natürlich auch unter der Hand und mit anderen Markennamen.

Durch fehlende Transparenz könne man sich viel Vertrauen verbauen, meinte Margrander dazu. Oder durch die Nichteinhaltung von Gesetzen. So verstoße der Bio-Fachhandel oft gegen Vorgaben des Ökolandbau-Gesetzes. Alnatura und dennree sind es gewohnt, verpackten Käse zu öffnen, zu portionieren, zu etikettieren und dann pre-packed anzubieten, sowie Halbfertigprodukte aufzubacken und zu verkaufen. Um derlei neu portionierte und veränderte Ware anbieten zu dürfen, müsste jeder Markt dem Gesetz nach bio-zertifiziert sein.

Ganz anders laufe es beim Bio-Musterland Dänemark. Hier gebe es keinerlei Reibereien zwischen Fachhandel und Supermärkten. Die Kunden von Bioläden seien an hochwertigen Spezialitäten, Whiskey oder Bier, und auch an lokal, handwerklich hergestellter Ware interessiert – die Bio-Grundversorgung sei über die Supermärkte ausreichend gewährleistet. Alle sechs Parteien im Parlament zögen an einem Strang. Daran könne sich Deutschland ein Beispiel nehmen.

Lena Renner


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