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Ernährungspolitik

Trippelschritte gegen Fehlernährung

Neue Ergebnisse der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie

Gestern stellte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner die Ergebnisse des zweiten Produktmonitorings im Zuge der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salze in Fertigprodukten (NRI) vor. Renate Künast, die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und Foodwatch kritisierten die freiwillige Selbstverpflichtung und forderten verbindliche Maßnahmen.

Seit Anfang 2019 läuft die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Julia Klöckner setzt dabei weiterhin auf die Selbstverpflichtung der Industrie.

Im Fokus des vom Max Rubner-Instituts (MRI) durchgeführten Produktmonitorings, das die Fortschritte der Strategie dokumentiert, standen Energie- und Nährstoffgehalte unter anderem von verpacktem Brot und Kleingebäck, eingeschweißten Wurstwaren und weiteren Fleischerzeugnissen sowie Quetschprodukten – also pürierten Lebensmitteln, die sich aus Kunststoffbeuteln saugen lassen.

Im Vergleich zu einer Ausgangserhebung aus dem Jahr 2016 enthält verpacktes Brot und Kleingebäck nun im Schnitt vier Prozent weniger Salz, Toastbrot 8,3 Prozent. Die erstmals vom MRI untersuchten Quetschprodukte weisen mit durchschnittlich 10,4 Gramm Zucker pro 100 Gramm ähnliche Zuckergehalte auf wie Fruchtsäfte. Bei Müsli-Riegeln mit Schokolade sank der Zuckergehalt um knapp elf Prozent.

„Mit diesen Trippelschritten werden wir die Fehlernährung in Deutschland auf keinen Fall in den Griff bekommen“, warnte Renate Künast, Grünen-Sprecherin für Ernährungspolitik. Mehr als 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland seien übergewichtig. Bei den Erwachsenen seien es bereits zwei Drittel (67 Prozent) der Männer und die Hälfte (53 Prozent) der Frauen. „Im Kampf gegen Fehlernährung müssen wir endlich auf Verbindlichkeit setzen.“

Das wünscht sich auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). „Ein Stückchen Würfelzucker weniger in der Cola macht noch keine wirksame Strategie gegen Diabetes und Adipositas“, erklärte Geschäftsführerin Barbara Bitzer. Es sei nötig, die Hersteller endlich mehr in die Pflicht zu nehmen und eine nach Nährwertprofil gestaffelte Mehrwertsteuer einzuführen.

„Die Zuckerlobby ist nicht Teil der Lösung, sondern Kern des Problems – doch für Frau Klöckner ist sie ein Partner im Kampf gegen Adipositas“, kritisierte Oliver Huizinga von Foodwatch. Die Verbraucherorganisation forderte stattdessen eine Limo-Steuer nach dem Vorbild Großbritanniens und eine gesetzliche Beschränkung des Kindermarketings.

Auch der wissenschaftliche Beirat des Bundesernährungsministeriums hält Selbstverpflichtungen laut seinem Gutachten ‚Politik für eine nachhaltigere Ernährung‘ nicht für ausreichend und fordert verbindliche Maßnahmen.


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