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Achtung, wenig Zucker!

Lemonaid soll vor zu wenig Zucker in seinen Limonaden warnen

Achtung, wenig Zucker! © Lemonaid

Der Fairtrade-Getränkehersteller Lemonaid hat seit langem Ärger mit den Behörden, da seine Bio-Limos laut den Leitsätzen der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission zu wenig Zucker enthalten. Jetzt soll er nach einem Vorschlag der Kommission auf seinen Flaschen davor warnen – und reagiert mit kreativem Widerstand.

Das Sozialunternehmen Lemonaid aus Hamburg soll in Zukunft auf seinen Flaschen darauf hinweisen, dass seine Limonaden weniger Zucker als üblich enthalten. So der heute veröffentlichte Vorschlag der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission. Für das Startup würde das wohl bedeuten, dass es seine bisherigen Mehrwegflaschen ohne den Hinweis vernichten müsste.

Lemonaid-Gründer Paul Bethke dazu: „Dass wir einen Warnhinweis anbringen müssen, weil unsere Limonaden ‚zu gesund‘ sind, widerspricht jeder Intuition. Es sollten doch die Hersteller, die überzuckerte Getränke vermarkten, abgestraft werden. Nicht umgekehrt. Für uns würde es bedeuten, dass wir Millionen neue Flaschen anschaffen müssten – und das in der Corona-Krise.“

Die Limo-Hersteller aus St. Pauli leisten deshalb – wieder einmal – kreativen Widerstand gegen die in ihren Augen verwirrende Regelung. Um ihre Absurdität aufzuzeigen, tragen die Lemonaid-Flaschen in den Supermarktregalen des Landes ab sofort große Aufkleber im Stil der Warnhinweise von Zigarettenpackungen. Der Aufdruck: ‚Achtung – wenig Zucker.‘

In Aktionen gegen Behördenirrsinn ist Lemonaid gezwungenermaßen schon geübt. Seit 2018 wurden sie mehrfach wegen angeblich zu wenig Zuckers in ihren Limonaden abgemahnt. Schnell kam es zu starkem Rückenwind von Öffentlichkeit, lokaler Politik und Wissenschaft. Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Sebastian Meißner zu den geplanten Regelungen: „Was wir hier sehen, torpediert sämtliche Absichtserklärungen. Wenn einem Hersteller der Limonadengeschmack mit deutlich weniger Zucker gelingt, sollte es auf den Flaschen eher eine Empfehlung geben und keine Warnung.“

Selbst das Bundesgesundheitsministeriums erklärte über Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel schließlich das „klare Ziel, in Fertiglebensmitteln und auch Erfrischungsgetränken den Gehalt von Zucker zu reduzieren“ und „die klare Erwartung, dass sich die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission der aktuellen Problematik nun zügig annimmt und die entsprechenden Leitsätze überprüft.“

Umso überraschender kam deshalb der aktuelle Beschluss auch für die Lemonaid-Macher. Sie geben ihren Widerstand gegen Bürokratie und Lobbymacht jedoch nicht auf und legen offiziell Protest gegen die geplante Regelung ein. Paul Bethke: „Es muss ein Ende haben, gesündere Lebensmittel in Sonntagsreden zu fordern – in der Praxis aber zu verhindern!“


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