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Fleisch hat seinen Preis

Zweiter Donnerstag-Talk im bioPress Square & Fair Table, jede Woche ab 15 Uhr

Wie funktioniert artgerechte und nachhaltige Fleischerzeugung? Was sollte Bio-Fleisch kosten? Und wie lässt sich erreichen, dass das Geld auch bei den Erzeugern ankommt? Über Tierhaltung, den richtigen Fleisch-Preis und Wertschöpfungsketten sprachen Interessierte beim zweiten Donnerstag-Talk der bioPress.

Mit der Frage nach tiergerechten Schlachthöfen begann bioPress-Herausgeber Erich Margrander das Gespräch. Techniken für fachgerechte Schlachtungen seien möglich, man müsse aber mehr dafür investieren. Viele Schlachthöfe steckten dagegen noch in alten Strukturen fest. Als Ablehner von Retorten-Fleisch stellte Margrander zwar nicht die Fleischproduktion an sich in Frage, jedoch einen überzogenen Fleischkonsum.

„Discounter haben bei Bio-Fleisch als Wachstumstreiber fungiert“, merkte der freie Journalist Jens Brehl an. Einerseits sollte man sich Bio auch als Normalverdiener leisten können. Andererseits begünstigten niedrige Preise aber Großbetriebe und große Schlachthöfe, was die Frage aufwerfe, ob Fleisch nicht lieber doch ein Luxusgut bleiben sollte.

Nicole Thiel von der Nachhaltigkeits-PR-Agentur modem conclusa plädierte dafür, Fleisch solle einen gewissen Preis behalten. Schließlich sei die Fleischherstellung ein Riesenprozess und artgerechte Tierhaltung koste Geld. Es komme zudem sowohl der eigenen Gesundheit als auch dem Klima zugute, nicht jeden Tag Fleisch zu verzehren.

Fleisch als Teil der Milchwirtschaft

„Viel billiges Fleisch aus der Truhe wird außerdem teuer, wenn es auf dem Teller landet“, gab Margrander mit Blick auf die mangelnde Qualität von Billigfleisch zu bedenken. Der wirkliche Preis erschließe sich erst, wenn das Wasser herausgekocht sei. Bei der prinzipiellen Frage nach Fleischkonsum sollte man immer auch den Kreislauf der Milchwirtschaft mit bedenken.

„Männliche Kälber geben keine Milch und müssen in die Mast gehen“, stimmte Brehl zu. Diese Tatsache ignorierten Vegetarier, die sich quasi die Rosinen rauspickten. Margrander erinnerte in diesem Kontext an das Bruderkalb-Programm der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH). Dabei wird der Milchviehbetrieb mit einer artgerechten Kälberaufzucht verbunden und anschließend neben Milch auch Bio-Kalbfleisch vermarktet.

Eine wichtige Frage bei der Tierhaltung sei auch die nach der Herkunft des Futters. So sei das für Kraftfutter verwendete Soja aus Brasilien, verbunden mit der Abholzung des Amazonasgebietes, verantwortlich für horrende Abgase. Deutlich weniger Abgase würden etwa bei der Produktion von Heumilch verursacht, bei der die Kühe im Sommer Gräser und Kräuter und im Winter Heu gefüttert bekommen. Eine Gras fressende Kuh erreiche auch, dass das Gras schneller nachwachse und so den CO2-Speicher von wachsendem Gras beschleunige. Die Kühe auf den Almen sorgten zudem dafür, dass nicht alles zuwächst, fügte Thiel hinzu. „Es kommt auf das richtige Gleichgewicht an.“ Momentan werde jedenfalls zu viel Fleisch gegessen.

Netzwerken für eine gerechtere Wertschöpfung

„Wie kann man erreichen, dass die Wertschöpfung auch bei den Bauern ankommt?“, warf Brehl als Frage auf. Ein Zukunftsmodell für den Erhalt bäuerlicher Strukturen biete vielleicht die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH). Als eigene Gemeinschaft mit eigenem Handel verknüpfe sie Wertschöpfungsketten und habe durch ihre Größe auch eine gewisse Handlungsmacht gegenüber dem Einzelhandel. Auch die Herrmannsdorfer Landwerkstätten seien ein Beispiel für ein erfolgreiches Öko-Netzwerk. Warum aber werde dieses Konzept nicht in ganz Deutschland kopiert?

Die BESH habe das Glück, in Rudolf Bühler einen Bauernführer mit einer eigenen Philosophie gefunden zu haben, erklärte Margrander. Ansonsten habe Bio heute mit der Präsenz im LEH eine Größenordnung erreicht, in der es den normalen Marktgesetzen unterworfen sei – in der es aber auch mehr Menschen erreichen könne.

„Bio als Lebenseinstellung ist im breiten Bewusstsein angekommen“, sagte Thiel. Es sei inzwischen ganz normal, dass Lebensmittel mit Umweltschutz in Verbindung gebracht werden. Man werde auch nicht mehr schief angeschaut für Bio im Einkaufswagen, fügte Brehl hinzu. Heute sei im Mainstream angekommen, dass Essen und Ökologie miteinander verbunden sind, bestätigte Margrander. „Das ist die Entwicklung, die Bio gebraucht hat.“

Lena Renner


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