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Ernährungspolitik

Engagement der Länder im Überblick

Wie engagieren sich die Bundesländer für mehr Bio in der AHV?

Engagement der Länder im Überblick © MUEEF
Der Kochbus bietet eine fest etablierte Bühne für gute Ernährung und Ernährungsbildung.

Von Ernährungsstrategien über Projekte bis hin zu Online-Tools und neu geschaffenen Einrichtungen – die Bundesländer Deutschlands sind auf vielfältige Weise aktiv, um das Thema Bio in der AHV voranzubringen. Die Projekte der Länder reichen von Bio für Kinder bis Bio-Regio in die Kantinen.

Baden-Württemberg

Baden-Württemberg hat die Förderung gesunder Ernährung im November 2017 zur Aufgabe der ganzen Landesregierung erklärt und eine landesweite, ressortübergreifende Ernährungsstrategie mit neun Leitsätzen entwickelt. So soll etwa die Ernährungsbildung landesweit für alle gestärkt, in der öffentlichen Verwaltung mit ökologisch erzeugten Produkten mit gutem Beispiel vorangegangen und nachhaltiges und qualitätsvolles Essen außer Haus gefördert werden.

Zur Unterstützung wurde zum 1. Januar 2019 an der Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und ländliche Räume (LEL) ein ‚Landeszentrum für Ernährung‘ eingerichtet. Es begleitet Modellprojekte zur Verbesserung der Gemeinschaftsverpflegung in Hochschulen, Kliniken und öffentlichen Kantinen. Außerdem soll mit ihm ein Kompetenzzentrum Ernährungsinformation und -bildung aufgebaut werden. Für die Umsetzung wurden im Doppelhaushalt 2020/21 zusätzliche drei Millionen Euro bewilligt.

Darüber hinaus gibt es in den sogenannten Bio-Musterregionen (das baden-württembergische Pendant zu den Öko-Modellregionen) Leuchtturmprojekte, welche den Bio-Anteil in der Gemeinschaftsverpflegung erhöhen wollen. In Karlsruhe etwa werden bereits 25 Prozent der gelieferten Nahrungsmittel in öffentlichen Einrichtungen ökologisch erzeugt.

Bayern

2006 startete das Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München, gemeinsam mit dem Tollwood-Festival, das Pilotprojekt ‚Bio für Kinder‘ in München. Sein Ziel war es, Münchner Kitas und Schulen bei der Umstellung auf Bioverpflegung zu unterstützen. Von 2006 bis 2012 wurden 32 unterschiedliche Kinderbetreuungseinrichtungen bei der Umstellung auf 100 Prozent Bio-Kost begleitet.

Seit 2014 hilft der Bio-Speiseplanmanager Verantwortlichen für die Mittagsverpflegung in Kindergärten und Schulen bei der Umstellung auf Bio. Das Online-Tool bietet Sechs-Wochen-Speisepläne, eine passgenaue Berechnung des Lebensmittelbedarfs entsprechend des Alters und der Anzahl der Essensgäste sowie praxiserprobte Rezepte und Wissenswertes zum Thema Bio. Darüber hinaus kann eine kostenlose Beratung durch Mentoren in Anspruch genommen werden.

Seit August 2020 ist die Online-Plattform ‚RegioVerpflegung‘ im Netz. Vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) initiiert, bietet sie eine Übersicht der bayerischen Einrichtungen der Gemeinschaftsverpfle- gung mit bioregionalem Interesse. Darüber sollen Angebot und Nachfrage gezielt zusammengebracht und Kantinen, Kindergärten etc. mit Erzeugern, Verarbeitern und Händlern vernetzt werden.

Berlin

Im Oktober 2015 hat sich Berlin mit der Unterzeichnung des Mailänder Abkommens über städtische Ernährungspolitik (Milan Urban Food Policy Pact) zur Umsetzung einer umfassenden, langfristigen und sozial gerechten Ernährungspolitik verpflichtet. Im aktuellen Koalitionsvertrag wurde das Ziel konkretisiert und als Auftrag festgehalten, eine zukunftsfähige sowie regional gedachte Ernährungsstrategie zu entwickeln. Kernziel der Berliner Ernährungsstrategie ist die Qualitätsverbesserung in der Gemeinschaftsverpflegung. Ein Expertengremium hat hierfür Nachhaltigkeitskriterien über die gesamte Lieferkette erarbeitet. Wesentlicher Baustein für den Erfolg der Ernährungsstrategie ist das Zentrum für gute Gemeinschaftsverpflegung ‚Kantine Zukunft‘.

2016 wurde die zentrale ‚Qualitätskontrollstelle Schulessen‘ eingerichtet. Ein vierköpfiges Team aus Kontrolleuren untersucht seither regelmäßig das Essen von den etwa 30 Großküchen für die rund 400 Berliner Grundschulen. Nach und nach sollen aber auch die Essensausgaben in den Schulen stichprobenartig unter die Lupe genommen werden. Bis 2022 soll der Bio-Anteil im Schulessen auf 50 Prozent erhöht werden.

Brandenburg

Ziel des von der EU geförderten EIP-Projekts ‚Regionales Bio-Gemüse aus Brandenburg‘ ist der Auf- und Ausbau einer wettbewerbsfähigen, nachhaltig rentablen und skalierbaren Bio-Gemüseproduktion in Brandenburg. Hierfür wird mit etablierten Bio-Betrieben, Landwirten, Handel, Verarbeitung und Anbietern von Gemeinschaftsverpflegung zusammengearbeitet. Für die Kulturen Kartoffel, Möhre und Zwiebel soll eine koordinierte Anbauplanung realisiert werden.

Für die Schulverpflegung wurde im Schuljahr 2019/2020 von der Brandenburger Vernetzungsstelle für Kita- und Schulverpflegung das Web-Tool ‚Unser Schulessen‘ entwickelt. Mit Hilfe eines Qualitätsmanagement-Tools und entsprechenden Unterrichtsimpulsen will es Schulen eine nachhaltige Hilfestellung auf ihrem Weg zur Verbesserung des Schulessens geben. Aktuell wird die Übertragbarkeit des Tools auf andere Bundesländer vom Kooperationspartner Rheinland-Pfalz getestet.

Bremen

Vom Verein SozialÖkologie wurde das Pilotprojekt ‚Mehr Bio in Bremer Kitas‘ in die Wege geleitet. Hierfür wurden drei Bremer Kitas untersucht, welche zwischen Januar und Oktober 2017 ausschließlich Biolebensmittel verwendeten. Im Vordergrund standen die Fragen, wie sich die Umstellung auf die Kosten auswirken würde und wie viel Bio sich in der Kitaverpflegung realisieren lässt. Bei allen Kitas stiegen die Mehrkosten um 10 bis 15 Prozent.

Zwei der Kitas werden auch in Zukunft bei 100 Prozent Bioversorgung bleiben, während die dritte zum Teil Kompromisse machen und einzelne Produkte wieder konventionell erstehen will. Im Rahmen der 11. Kommunalen Klimakonferenz 2018 erhielt das Projekt einen Sonderpreis in Höhe von 25.000 Euro. Im Folgeprojekt ‚Mehr Bio in mehr Bremer Kitas‘ werden weiterhin Workshops für Küchenleitungen und Personal angeboten.

Der mehrstufige Bremer ‚Aktionsplan 2025‘, der im Februar 2018 beschlossen wurde, hat einen hohen qualitativen Standard der Gemeinschaftsverpflegung bis 2025 zum Ziel. Die Einführung von Bioprodukten soll aufwendungsneutral erfolgen, wofür eine notwendige Reduzierung des Fleischanteils vorhergesehen wird. Es ist ein Modellversuch geplant, mit Hilfe dessen Daten zu Akzeptanz, Kostenstrukturen und Arbeitsabläufen bei Umstellung des Speiseplans erhoben werden. Bis 2022 sollen die Kantinen in Schulen, Kitas und Betrieben zu 100 Prozent Biospeisen anbieten. Bis 2024 sollen Krankenhäuser auf 100 Prozent Biomilch sowie 20 Prozent tierische und pflanzliche Produkte in Bioqualität umgestellt werden. Eine Projektgruppe engagiert sich zudem für die Umstellung auf Bio bei öffentlichen Veranstaltungen.

Hamburg

2018 hat sich in Hamburg ein Bündnis von Verbraucher- und Umweltorganisationen zusammengefunden, um die Bio-Ideen und Ziele Hamburgs umzusetzen und weiterzuentwickeln – darunter etwa der Ernährungsrat, Slow Food und Greenpeace Hamburg. Im ‚Dialogpapier Bio-Stadt Hamburg‘ haben die Vertreter der NGOs Ziele und Maßnahmen formuliert, mit denen bestehende Bio-Strukturen erhalten und gestärkt werden sollen. Dazu gehört, die Bio-Nachfrage durch Verbraucherinformation zu erhöhen, behördenübergreifende Strategien zu entwickeln und einen Bio-Stadt-Botschafter zu benennen.

Mit dem Hamburger Umweltleitfaden 2019 verpflichtet Hamburg öffentliche Einrichtungen zu einem Mindesteinsatz von zehn Prozent Bio-Lebensmitteln (des geldwerten Anteils). Gentechnisch veränderte Lebensmittel dürfen überhaupt nicht beschafft werden und Fische und Meeresfrüchte müssen entweder den Anforderungen des Marine Stewardship Council (MSC), des Aquaculture Stewardship Council (ASC) oder dem EU-Bio-Siegel entsprechen. Zudem muss Kaffee nach den Fair Trade Standards eingekauft werden.

Im Juni 2019 wurde von der Bürgerschaftsmehrheit von SPD und Grünen ein Antrag vorgelegt, in welchem sie mehr Bio-Essen in den Kantinen der Hamburger Behörden und städtischen Unternehmen fordern. Der Senat solle die Verwendung von Bio-Lebensmitteln in städtischen Kitas und Schulmensen fördern und auch bei den eigenen Großveranstaltungen der Stadt für Standbetreiber und Caterer entsprechende Vorgaben machen.

Hessen

Im aktuellen Koalitionsvertrag in Hessen wurde verankert, dass eine Ernährungsstrategie für Hessen entwickelt wird. Angebot und Nachfrage nach nachhaltig erzeugten und gesunden Lebensmitteln sollten dadurch gesteigert und die Lebensmittelverschwendung reduziert werden.

Im Rahmen des Praxisprojekts ‚Essen in Hessen‘ wurden Anfang 2019 sieben Modellbetriebe ausgewählt, deren Abfallmenge verringert sowie deren Rezepturen nach gesundheitlichen und ökologischen Gesichtspunkten optimiert werden sollten. Für 128 Rezepturen wurden spezifische Optimierungsempfehlungen ausformuliert – etwa die Reduktion der Fleischportionen und des Salzgehalts sowie die Erhöhung des Anteils an Gemüse und Hülsenfrüchten. Außerdem wurde im Zuge des Projekts das Dialogforum ‚Auf dem kulinarischen Weg zur Nachhaltigkeit‘ etabliert. Die Finanzierung des Projekts erfolgte über die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Projektpartner waren WWF Deutschland (Koordinierung), der Verein ‚United against Waste‘ sowie das Institut für nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft e.V.

Mecklenburg-Vorpommern

Die Strategie des Landwirtschaftsministeriums setzt vor allem auf eine stärkere Vernetzung auf Angebotsseite. Mit über 550.000 Euro wurde 2016 der Aufbau des auf drei Jahre angelegten Projekts ‚Netzwerk Ökologischer Landbau‘ unterstützt. Dessen Ziele waren etwa der Aufbau von themenspezifischen Vernetzungen entlang der Wertschöpfungskette, die Weiterentwicklung der Öffentlichkeitsarbeit sowie die Koordinierung länderübergreifender Projekte. Für die Nachfrageseite erarbeitet das Ministerium einen Leitfaden dafür, wie Gastronomen Bioprodukte zukünftig gezielter verwenden und bewerben können.

Niedersachsen

Alle zwei Jahre seit 2016 findet in Niedersachsen der Wettbewerb ‚Betriebliche Esskultur – nachhaltig gut essen‘ statt. Gesucht werden Leuchtturmprojekte in puncto Nachhaltigkeit, Regionalität und artgerechte Tierhaltung. Die Ausschreibung richtet sich an Betriebsrestaurants, Kantinen und Cateringunternehmen.

2016 wurde von der Marketinggesellschaft  der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft e.V. das erste umfassende Serviceportal für die gesamte Branche der Gemeinschaftsverpflegung umgesetzt. Es bündelt bundesweite und niedersächsische Informationsangebote, stellt Akteure vor und bietet Anregungen für Betreiber von Kantinen und Betriebsrestaurants, die ihre Verpflegungskonzepte nachhaltig weiterentwickeln wollen.
Im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium müssen die Mitarbeiter weiterhin auf Speisen und Getränke aus dem ökologischen Anbau verzichten. In der Kantine gibt es kein entsprechendes Angebot.

Nordrhein-Westfalen

Im Jahr 2016 wurde das Projekt ‚NRW kocht mit Bio‘ gestartet. Initiiert wurde die Initiative vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MKULNV), die Umsetzung erfolgt über das Beratungsunternehmen a’verdis. Neben Netzwerkveranstaltungen für Küchen und Lieferpartner gibt es Weiterbildungsangebote für Fachlehrer an Berufskollegs und individuelle Beratungsangebote für Küchen.

Das ‚NRW isst gut – 100-Kantinen-Programm‘ soll Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen dabei unterstützen, mehr regionale und artgerechte Produkte in den Speiseplan aufzunehmen. Die Netzwerke zwischen Lieferanten und Kantinen sollen dafür erweitert und ausgebaut werden.

Von April 2017 bis Juli 2019 wurde das Modellprojekt ‚Nachhaltige Verwaltung der Zukunft‘ durchgeführt. Mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und dem NRW-Umweltministerium entwickelte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in diesem Rahmen ein umfassendes Nachhaltigkeitsmanagement – darunter die Handlungsfelder Liegenschaftsmanagement, Beschaffungswesen sowie Kantinenbetriebe.

Rheinland-Pfalz

Die Initiative ‚Rheinland-Pfalz isst besser‘ soll die Ernährungsbildung, die Wertschätzung von Lebensmitteln sowie die nachhaltige, regionale Lebensmittelproduktion in RLP weiter voranbringen. In bislang mehr als 20 Projekten soll für regional und biologisch erzeugte Produkte geworben werden. So bietet etwa der erstmals 2013 in Aktion gebrachte Kochbus heute eine fest etablierte Bühne für gute Ernährung und Ernährungsbildung.

Mit über 90 Terminen im Jahr und ausgestattet mit einer mobilen Küchenzeile fungiert der Bus als Plattform für Akteure aus der Gastronomie, dem Lebensmittelhandel, dem Ernährungshandwerk und der Ernährungsberatung, aber auch für Landfrauen, Regionalmarken oder Slow-Food-Gruppen, die dort ihre Projekte präsentieren können. Ebenso bekommen mit dem Bus ernährungspolitische Themen wie die Kita- und Schulverpflegung, Armut oder Klimaschutz eine Bühne.

Die Programme ‚Schule isst besser‘ und ‚Kita isst besser‘ unterstützen die Verantwortlichen bei ihrer Aufgabe, in den Ganztagsschulen und Kitas für eine abwechslungsreiche und bedarfsgerechte Ernährung gemäß den DGE-Qualitätsstandards zu sorgen. Dafür gibt es an den sechs Dienstleistungszentren Ländlicher Raum (DLR) und der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung landesweite Angebote der Ernährungsberatung.

Im Rahmen des vom BMEL finanzierten In-Form-Projektes ‚Kita- und Schulessen – die gesündere Wahl erleichtern‘ von 2019 bis 2020 wurde mit Hilfe der drei Modellkommunen Trier, Montabaur und Bad Dürkheim, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erstellung eines Verpflegungskonzepts für kommunale Kita- und Schulträger erarbeitet. Dieses reicht von der kommunalen Zielsetzung und Zeitplanung bis zur Abstimmung im politischen Gremium, zum Beispiel dem Stadtrat oder dem Trägerausschuss.

Saarland

Als erstes Bundesland hat das Saarland am 1. Mai 2019 im Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz eine Vernetzungsstelle Seniorenernährung eingerichtet. Hierdurch sollen die bestehenden Aktivitäten gebündelt, die Akteure vernetzt und die Ernährungssituation der Senioren verbessert werden.

Am 1. Oktober 2020 wurde der 1. Saarländische Ernährungspreis verliehen. Bewerben konnten sich Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung in den Kategorien Kitas & Schulen, Betriebe, Krankenhäuser & Reha-Einrichtungen sowie Seniorenhäuser. 40 Einrichtungen haben sich mit ihren Verpflegungskonzepten für den Preis beworben, der gemeinsam von der Innungskrankenkasse IKK Südwest und dem Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz ausgelobt wurde.

Sachsen

Nach einer Marktstudie über die Außer-Haus-Verpflegung in Sachsen – initiiert vom sächsischen Ministerium für Energie, Klima, Umwelt und Landwirtschaft (SMEKUL) und durchgeführt von den Vereinen EkoConnect sowie NahHaft – verwenden 68 Prozent der Kantinen und Gemeinschaftsküchen bereits Bio-Komponenten in der Speisenzubereitung.
Im Jahr 2017 ist Leipzig dem deutschen Bio-Städte-Netzwerk beigetreten.

Seither arbeite die sächsische Kommune kontinuierlich daran, eine regionale und biologische Lebensmittelproduktion kommunal zu unterstützen, versichert der Leipziger Bürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke). Dabei prüfe die Stadt auch, wie sich das Bio-Angebot in der Gemeinschaftsverpflegung, insbesondere in der Schul- und Kita-Verpflegung, erweitern lässt.

Im September 2020 fand in Leipzig das erste Dialogforum der Initiative BioBitte statt. Dazu kamen mehr als 50 Verantwortliche aus Landes- und Kommunalpolitik, Verwaltung und Ernährungswirtschaft zusammen, um zu erörtern, wie der Anteil an Bio-Lebensmitteln in der sächsischen AHV erhöht werden kann.

Sachsen-Anhalt

Die Convita GmbH hat 2006 gemeinsam mit der Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt e.V. das Modellprojekt ‚Bio Offensive Sachsen-Anhalt – Gemeinschaftsverpflegung‘ ins Leben gerufen. Von 2006 bis 2009 wurden elf Cateringunternehmen erfolgreich zur Bio-Zertifizierung begleitet. Gemessen am Gesamtwareneinsatz eines Monats setzten sie in ihren Speiseplänen für Kitas und Schulen zehn Prozent Bio um.

Schleswig-Holstein

Das Gemeinschaftsprojekt ‚Nachhaltige Entwicklung in der Gemeinschaftsverpflegung‘ wurde im Jahr 2017 parallel bearbeitet von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, Sektion Schleswig-Holstein, dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) sowie dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein. Darin werden verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen, die kontinuierlich und von den Kantinen auch selbstständig weiterentwickelt werden können. Es wird zudem dazu geraten, einen Verantwortlichen für diesen kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu benennen. Maßnahme 4 empfiehlt, Lebensmittel in Bio-Qualität einzukaufen. Hierfür sollte individuell ein Mindestanteil entweder in Bezug auf das Gewicht oder den monetären Wareneinsatz festgelegt werden.

Thüringen

Das Pilotprojekt ‚Bio-Regio in die Kantinen‘ wurde bereits 2017 durch das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (TMIL) initiiert, ursprünglich für zwei Jahre konzipiert und mit 13.500 Euro gefördert. Sein Ziel ist es, mit einer effizienten Logistik eine Wertschöpfungskette für bio-regionale Urproduktion, Vorverarbeitung und Außer-Haus-Verpflegung in Großküchen und Kantinen zu etablieren. Begonnen wurde das Projekt mit einer Bio-Woche in der Kantine des Regierungsviertels, worauf die Resonanz allerdings eher noch verhalten war. 2018 gab es verschiedene Workshops mit Verarbeitern, Erzeugern und Köchen; außerdem Kochevents, Messebeteiligungen und Exkursionen. Auch hier traf man auf eine gehemmte Bereitschaft der Kantinenbesucher, für Bio mehr auszugeben, sodass das Konzept überarbeitet wurde.

2019 wurde das Projekt durch den Thüringer Ökoherz Verein (TÖH) verändert fortgeführt. Als neue Zielstellung wurde definiert, konkret interessierte Partner zu finden, welche die Verpflegung mit fachkompetenter Begleitung auf bio-regional umstellen wollten. Diese sollten dann wiederum für andere als Leuchttürme und Best-Practice-Akteure dienen. Seit mehr als 15 Jahren führt der TÖH thüringenweit Workshops für Kitas, Schulen, Caterer und Verantwortliche aus dem Verpflegungsbereich durch – heute auch im Rahmen der Infokampagne ‚Bio kann jeder‘, deren Koordination er inzwischen für die neuen Bundesländer übernommen hat.

Das Projekt Rekuk zielt darauf ab, in Form von Workshops eine berufsbegleitende Weiterbildung in nachhaltiger Verpflegung und ressourcenschonendem Küchenmanagement für Köche und Küchenleiter von Großküchen anzubieten. Es wurde gemeinsam von den vier europäischen Projektpartnern Deutschland, Österreich, Italien und Tschechien entwickelt und wird mitfinanziert von Erasmus+.

Lena Renner


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