Start / Ausgaben / bioPress 106 - Januar 2021 / Überdurchschnittliches Öko-Wachstum in Niedersachsen

Markt

Überdurchschnittliches Öko-Wachstum in Niedersachsen

Marktdaten 2020 zeigen, was den Ökolandbau zum Wachsen bringt

Finanzielle Förderung des Öko-Landbaus, Verarbeitungsmöglichkeiten vor Ort und gute und stabile Erzeugerpreise – das sind Strukturen, die den Ökolandbau anwachsen lassen. Dies ist nach Meinung des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen deutlich in den aktuellen Marktdaten 2020 für ihr Bundesland zu erkennen.

Niedersachsen holt auf im Öko-Landbau: Aktuell sind zwar nur 4,7 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet, der Durchschnitt liegt bei 9,7   Prozent. Doch das Bundesland glänzte 2019 mit fast 13.000 Hektar neuer Öko-Fläche. Das ist der zweitgrößte Flächenzuwachs aller Bundesländer und 12 Prozent mehr als 2018. Nur in Bayern wurde noch mehr Hektar an Öko-Fläche zugelegt.

Es wurden 2.115 landwirtschaftliche Bio-Betriebe gezählt, 162 davon neu dazugekommen. Allerdings betrug der Anteil der Öko-Betriebe an allen landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen nur sechs Prozent, das ist deutlich weniger als der Bundesdurchschnitt.

Die durchschnittliche Betriebsgröße der Öko-Betriebe in Niedersachsen stieg um zwei Hektar an, auf jetzt 57 Hektar. Insgesamt waren die Öko-Betriebe im Durchschnitt rund 16 Hektar kleiner als der Durchschnitt aller niedersächsischen Betriebe. Etwa die Hälfte der Öko-Betriebe in Niedersachen war einem der Öko-Anbauverbände angeschlossen, von diesen knapp ein Drittel an Bioland.

Regionale Verarbeitung und finanzielle Anreize wirken

Insgesamt konnten die Marktdaten 2020 bestätigen, dass regionale Verarbeitungsmöglichkeiten sich erkennbar auswirken. Die Nähe zu Verarbeitungsbetrieben sei ein wichtiger Faktor für die Entwicklung des Ökolandbaus.

Auch stabile Erzeugerpreise wirken sich stark auf die Umstellungsbereitschaft aus. So hätten aufgrund stabiler Öko-Milchpreise zu Zeiten sinkender Preise für konventionelle Milch die Umstellungen bei den Milchbetrieben stark zugenommen. Als seit 2017 die Molkereien keine neuen Verträge für Biomilch mehr annahmen, fiel die Anzahl der Umsteller wieder auf früheres Niveau zurück. Genauso einen deutlichen Effekt zeigten die Anhebung der Öko-Flächenförderung in Niedersachen und die Umstellungsförderungen – allerdings dauere es bis zur Umsetzung der Umstellung rund drei Jahre.

Vermarktungsmöglichkeiten verändern Fruchtfolgen

Nach dem Kompetenzzentrum verändern sich die Fruchtfolgen der ökologischen Betriebe. Inzwischen treten stärker Vermarktungsaspekte in den Vordergrund statt pflanzenbaulichen, standortbedingten oder betrieblichen Kriterien.

Der Anbau von Körnermais, Futtertriticale und Roggen ging im Aussaatjahr 2020 zurück, während Dinkel und Hafer zulegten. Aufgrund des boomenden Hafermarktes habe es hier sogar eine Steigerung um 69 Prozent auf 2.232 Hektar gegeben. Auch der Anbau von Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen legte zu. Diese seien als Eiweißträger für die Fütterung gefragt und die Preise über Jahre stabil. Beim Öko-Gemüse sind es vor allem die Zwiebeln, die stark zugelegt haben. Ihre Anbaufläche stieg um 42 Prozent auf 269 Hektar.

Chancen durch neue Vertriebswege

Es ändern sich auch die Vermarktungswege generell. Henning Niemeyer vom Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen machte besonders auf die Chancen des Online-Handels für den Bio-Absatz aufmerksam.
Er sieht die Chance, dem Zeitgeist zu entsprechen und einen einfachen Einkauf von Bio-Lebensmitteln über das Netz mit Information und Unterhaltung zu verbinden. So verzeichneten regional agierende Lieferdienste mit Bio- und Frischekompetenz in der aktuellen Zeit „traumhafte“ Zuwächse, allen voran die Abo-Kistenanbieter. Die herkömmlichen Vertriebswege verschwänden nicht – doch sie verlören an Bedeutung.

Elke Reinecke

[ Artikel drucken ]

Ticker

Das könnte Sie auch interessieren

Regionale Bio-Tomaten werden knapp

Bio.Fru.Pro fordert mehr Planungssicherheit

Regionale Bio-Tomaten werden knapp © Bio.Fru.Pro

Der deutsche Bio-Markt wächst weiter: Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken um 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Tomatensaison, wie anfällig die Versorgung bei klimatischen Problemen in den europäischen Anbauregionen ist. Die AMI berichtet von geringeren Erntemengen und einer lebhaften Nachfrage.

07.09.2026mehr...
Stichwörter: Markt, Öko-Wachstum

Bio-Ernte 2026: Weizen durchschnittlich, Hafer und Gemüse unter Druck

Hitze und Trockenheit setzen Sommerungen zu

Die Bio-Ernte fällt 2026 durchwachsen aus. Nach Einschätzung der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) liegen die Erträge bei Winterungen wie Winterweizen, Roggen und Gerste auf einem durchschnittlichen Niveau, während die Ernte bei Sommerungen unterdurchschnittlich ausfalle. Hafer, Sommergetreide und Gemüse litten unter der Dürre.

18.08.2026mehr...
Stichwörter: Markt, Öko-Wachstum

Bio wächst weiter – vor allem in Drogerien

Vollsortimenter überholen Discounter

Bio wächst weiter – vor allem in Drogerien © BÖLW

Im zweiten Quartal 2026 ist der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln im Vergleich zum zweiten Quartal 2025 um 3,8 Prozent auf 4,75 Milliarden Euro gestiegen. Für das gesamte erste Halbjahr ergibt sich damit ein Umsatzplus von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit hebt sich das Bio-Segment vom stagnierenden Lebensmittelmarkt ab, dessen Gesamtumsatz sich im ersten Halbjahr in Höhe der Inflationsrate von 1,4 Prozent entwickelte. Ein besonders großes Wachstum verbuchten erneut die Drogeriemärkte, während die Vollsortimenter stärker zulegten als die Discounter. Die neuen Zahlen hat der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) heute bekannt gegeben.

03.08.2026mehr...
Stichwörter: Markt, Öko-Wachstum