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Vollsortiment auch bei Bio-Obst und -Gemüse

lehmann natur bringt Nachhaltigkeit und Geschmack in den Handel

Vollsortiment auch bei Bio-Obst und -Gemüse

Seit über 30 Jahren gibt es den Bio-Großhändler lehmann natur, inzwischen ein wichtiger Bio-Obst und -Gemüse Importeur und Erzeuger Europas. Das Unternehmen unterstützt nicht nur kleine und mittelständische Produzenten aus aller Herren Länder, es ist auch der Treiber für neue nachhaltige Entwicklungen wie etwa den Anbau nach Permakultur.

Bei lehmann natur geht es um langfristige Entwicklung und stetige Innovation. Das zeigt sich schon in der zur Mitte des Jahres neu aufgestellten Geschäftsleitung.

Raphael Kennerknecht ist seit 13 Jahren bei lehmann natur tätig, seit 2016 Geschäftsführer zusammen mit dem Unternehmensgründer Friedrich Lehmann. Der studierte Agrarwissenschaftler Kennerknecht hat eine ganz einfache Erklärung, wieso er lehmann natur so lange treu geblieben ist: „Ich musste nie woanders hingehen, denn hier war es immer spannend genug.“ Ihm zur Seite steht seit Juli diesen Jahres eine erweiterte Geschäftsleitung: Yasar Yazici als Leiter Vertrieb & Lager, seit einem Jahrzehnt mit an Bord, sowie Marion Hoffmann, die vor sieben Jahren zu lehmann natur kam und nun Einkauf und Finanzen verantwortet.

lehmann natur international

130 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht lehmann natur heute, zum Unternehmen gehören eine Exportfirma in Spanien und eine in Sizilien. Für die Ausweitung nach Holland existieren schon Pläne: Es werde gerade eine Agentur in den Niederlanden gegründet. Hier könne sich Kennerknecht vorstellen, seine wichtigsten Produzenten zu beteiligen.

Es gibt eine Beteiligung am Unternehmen Biofrusan in Bremen. Die Biofrusan Handelsgesellschaft GmbH importiert Bio-Zitronen und -Bananen vor allem aus der Dominikanischen Republik, wobei sie bei Demeter-Bananen der größte Inverkehrbringer in Europa ist.

Eigenproduktion wird auf zwei andalusischen Fincas in Spanien betrieben, der Finca Jelanisol und seit 2016 der Finca Terra Rica. Auf der 160 Hektar großen Finca Terra Rica werden auf 90 Hektar Bio-Orangen angebaut, der Rest sind Eichenhaine. Bei 1.500 bis 2.000 Tonnen Orangen liege die jährliche Ernte. Seit dem Frühjahr 2017 ist die Anbaufläche Demeter-zertifiziert. Doch die komplette Anbaufläche soll in der Zukunft sogar noch nachhaltiger bewirtschaftet werden. Es wird an der Umstellung auf Permakultur gearbeitet.

Ein Showroom für die Landwirtschaft der Zukunft

Realisiert ist diese besondere Art des Anbaus bereits auf der zweiten Finca von lehmann natur. Schon seit über 20 Jahren besitzt der Unternehmensgründer Friedrich Lehmann die etwas über 50 Hektar große Finca Jelanisol, seit 15 Jahren Demeter-zertifiziert. Wo vor über 20 Jahren noch konventionell in den dort üblichen Monokulturen produziert wurde, findet sich heute eine breite Diversität: Es werden Granatäpfel, Orangen, Khakis und Avocados angebaut und pro Jahr um die 700 Tonnen Obst und Gemüse geerntet. Dieser Betrieb ist etwas Besonderes, beim ganzheitlichen Konzept der Permakultur geht es nicht nur um Diversität, Ressourcenschonung und den Verzicht auf Kunstdünger und Ackergifte. Ein starker Fokus liegt auf dem Boden, die Humusschicht wird hier sorgfältig aufgebaut. Kennerknecht ist überzeugt: „Wir haben die Antworten auf den Klimawandel.“ Gesunde Böden und Pflanzen dienen der Bindung des Kohlenstoffs und damit der Reduzierung des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre – ein wesentlicher Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz.

Deshalb ist der Geschäftsführer besonders stolz auf die Überzeugungsarbeit, die durch diese Finca geleistet werden könne. In den letzten fünf, sechs Jahren seien Erzeuger aus aller Welt auf Jelanisol von dieser Vision der Landwirtschaft überzeugt worden, genau wie die Repräsentanten großer Handelsunternehmen. lehmann natur wolle den biodynamischen Anbau weltweit vorantreiben und Landwirte, Händler, Lebensmitteleinzelhandel, Naturkostmarkt so- wie Endverbraucher von diesem Ansatz begeistern.

70 Prozent der Lieferungen in den LEH

In deutschen Regalen landen 90 Prozent der lehmann natur-Waren, und von diesen fast zwei Drittel im Lebensmitteleinzelhandel. Erst in den letzten drei, vier Jahren seien Kunden aus dem Naturkostfachhandel dazu gekommen. Kennerknecht ist überzeugt, dass die Qualität der Produkte der Faktor sei, der die Kunden am meisten binde.

  • © Tom Jasny

Das Vollsortiment von lehmann natur umfasst übers Jahr etwa 150 Produkte, vieles könnte ganzjährig angeboten werden. Im Schnitt sind 70 bis 80 Sorten am Lager. Beliefert werden im LEH vor allem die Zentralläger, teilweise gibt es auch direkte Lieferung. Kennerknecht betont: „Wir sind stolz darauf, den Großteil der auf dem Markt befindlichen Einzel- und Naturkosthändler als unsere Kunden bezeichnen zu können.“ Auch meist kleinere und mittlere Hersteller der Industrie beziehen Ware von lehmann natur, zum Beispiel für Getränke.

Bisher gebe es auch noch relativ wenige große Kunden, die bereit seien, etwas auszuprobieren und bei denen man angefangen mit kleinen Mengen etwas aufbauen könne. Da sei dann der Naturkosthandel häufig experimentierfreudiger, erklärt Marion Hoffmann. Manchmal müsse man einfach einen langen Atem haben. So sei vor sieben Jahren ein Container Bio-Ingwer über drei Monate hinweg verkauft worden, heute seien es vier bis fünf Container die Woche.

Marktzugang für kleine und mittlere Betriebe

Dabei ist gerade Betreuung und Aufbau kleinerer Lieferanten eines der Herzensanliegen von lehmann natur: „Wir versuchen, die Landwirte nicht nur als Lieferanten, sondern als Partner zu binden.“ Es sind 2.500 dieser kleinen Produzenten, die hinter den ungefähr 250 Partnern des Großhändlers stehen. Hier arbeitet lehmann natur sowohl mit Erzeugergemeinschaften, als auch mit einzelnen Bauern. Die Regel seien langfristige Verträge mit den Lieferanten, die teilweise über Jahrzehnte gehen. Für Spezialitäten würden schon im September/Oktober Verträge für das Folgejahr geschlossen. Bei Überseeware seien 80 Prozent bereits im Vorfeld verkauft.

Die Anforderungen an die Strukturen der Lieferanten würden immer mehr wachsen, gerade aus dem LEH. Da zu bündeln und für kleinere und auch für regionale und lokale Erzeuger einen Marktzugang zu schaffen, sei eine der Funktionen von lehmann natur.

Wichtig seien Lager vor Ort, von denen dann zum Beispiel die Zentralen des LEH beliefert werden könnten. Für den Westen gebe es schon eine solche Drehscheibe mit dem Standort Korschenbroich, ganz in der Nähe der Firmenzentrale in Meerbusch. Hier besitzt lehmann natur eine Packstation, in der nachhaltige Feinkommissionierung und Verpackung betrieben wird und über 4.500 Quadratmeter Lagerfläche zur Verfügung stehen. Je nach Bedarf können Kühlräume dazu gemietet werden. Es ist eine Lieferung am selben Tag möglich, also morgens bestellt und nachmittags geliefert, die Regel sind aber Lieferungen für den nächsten Tag. Dazu ist lehmann natur noch eingetragener Verzoller, von Vorteil für die Überseeware aus Antwerpen oder Rotterdam.

Eine weitere Drehscheibe von lehmann natur befinde sich im Münchner Raum, doch für den Südwesten und Nordosten fehlten noch Standorte, wo nicht nur kommissioniert wird, sondern auch veredelt, also verpackt, banderoliert usw.

100 Prozent Bio von Anfang an

In den letzten Jahren sei der Markt für Obst und Gemüse im Ganzen kaum noch gewachsen, es gebe aber Verschiebungen innerhalb des Marktes hin zu Bio. Da drängen dann immer mehr konventionelle Händler in das Bio-Geschäft. lehmann natur sei seit Anbeginn 100 Prozent Bio – aus Überzeugung. „Da kann dann auch nicht mal eben konventionell und Bio verwechselt werden“, verweist Raphael Kennerknecht. lehmann natur sei schließlich nicht nur wegen des Geldes Bio: „Wir versuchen eine Gratwanderung zwischen ökonomischem Erfolg und visionären Fortschritten für eine nachhaltigere Welt.“ Er vertritt auch die Meinung, bei manchem Obst und Gemüse gebe es keinen Grund, es überhaupt noch konventionell anzubieten. Dazu nickt der für den Vertrieb zuständige Yasar Yazici und nennt auch gleich das erste halbe Dutzend Sorten: Rotkohl, Weißkohl, Hokkaido, Knoblauch, Ingwer, Limetten…

So spiele für lehmann natur auch immer der Gedanke an ‚das große Ganze‘ eine Rolle. Daher ist ein Vorzeigeprojekt eine Limettenproduktion in Kolumbien. Hier fördert lehmann natur seit dreieinhalb Jahren den Aufbau nachhaltiger Produktionsstrukturen, inklusive fairer Bezahlung für die Erzeuger und der Beachtung sozialer Standards: Damals wurden drei konventionelle Bauern geschult, umgestellt und in der eigens hierfür gegründeten ‚The Orange University‘ zertifiziert, um sich dem internationalen Standard anzupassen. Von den Gesamtkosten des Projekts ging die Hälfte allein in die Kalibrierungsmaschine.

Heute ist die Anschubfinanzierung zurückgezahlt und es sind 39 Bauern mit zweihundert Hektar im Projekt zusammengeschlossen. Demnächst soll auch die Demeter-Zertifizierung abgeschlossen sein. Hier sagt Kennerknecht mit Überzeugung: „Da arbeiten wir dann auch mit für den Weltfrieden.“ lehmann natur übernehme Verantwortung auch für die langfristigen und weltweiten sozialen und nachhaltigen Entwicklungen bei seinen Partnern, schon seit Gründung der Firma.

Die Frage der Verpackung

Wie und wo die Waren verpackt werden, ist eine wichtige Frage bei lehmann natur. Zum einen soll wenn möglich durch Verlagerung der Verarbeitung und Verpackung die Wirtschaft der Ursprungsländer gefördert werden, zum anderen ist es natürlich auch einfach eine Frage von Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Wobei es so einfach eben nicht ist, wie alle drei Mitglieder der Geschäftsführung betonen. Am Ende müssten doch mehr Komponenten in Betracht gezogen werden, als der Kunde im Laden direkt nachvollziehen könne. So etwa beim Kompromiss zwischen Plastikverpackung und Haltbarkeit.

Yasar Yazici kann dazu einiges sagen, denn er versucht auch im hauseigenen Verpackungsbereich Ökologie, Warenhaltbarkeit und -sicherheit in Einklang zu bringen. So setzt lehmann natur zum Beispiel auf alternatives Verpackungsmaterial aus Graspapier. Richtig stolz sind alle auf die seit Mai dieses Jahres in der Packstation in Korschenbroich eingesetzte Blitzmatic-Maschine, die Äpfel nachhaltig in Graspapierschalen verpackt.

Was nachhaltige Verpackungen wie Blitzmatic, Banderolen, Laser und Zellulosenetze angehe, sei lehmann natur führend bei Obst und Gemüse gewesen. Und es gehe immer weiter: „Diesen Winter werden wir an den Naturkosthandel Paprika in 500-Gramm-Zellulosenetzen mit kompostierbaren Steg-Etiketten liefern.“ Für so etwas sei schließlich ein Bio-Händler da.

Elke Reinecke

 

Permakultur nach Lehmann’schen Regeln
Das Unternehmen sieht es als seine Pflicht an, Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen und in der Landwirtschaft den Wandel zu mehr Ökologie und Nachhaltigkeit aktiv zu gestalten. Der biodynamische Anbau sei dabei zentral. Für die besonders nachhaltige Permakultur, deren Verbreitung als Zukunft der Landwirtschaft lehmann natur vorantreibt, hat der Bio-Importeur und Erzeuger eigene, besonders weitgehende Grundsätze entwickelt:
- Zertifizierung nach EU-ÖkoVO, bevorzugt werden Verbandsbetriebe
- Möglichst Gemischtbetrieb
- Alleinlage (wenn möglich)
- Schönheit, Ästhetik des Anbaus: Blumen, Farben, Düfte
Bodenschutz/-aufbau
Ziel: Erhöhung der Humusgehalte im Boden bis auf boden- und klimaabhängige Optimalwerte
- Anbau nach Höhenlinien (Keylines)/Terrassierung, wenn sinnvoll
- Aufspüren und Beheben von Bodenverdichtungen
- Schonende, möglichst nicht wendende Bodenbearbeitung; Dammkulturen (wenn sinnvoll); reduzierter Bodendruck durch z.B. Breitreifen, Reduktion der Achslast zur Vermeidung von Verdichtungen
- Bodenbedeckung durch Bepflanzung oder Aufwuchs ortsansässiger Pflanzen (Wildkräuter) und/oder Mulch (wo sinnvoll und nicht kontraindiziert durch Schädlingspopulationen)
- Einsatz von Kompost und anderen Biodüngern (möglichst eigene Herstellung, möglichst regionaler Bezug der Rohstoffe) 
Anbau
- Anbau in Mischkultur/Streifenkultur/Agroforstsystemen mit Leguminosen, Kräutern, lokalem Aufwuchs von Wildkräutern (z.B. bei Dammkultur in Dammtälern)
- Ökologisches Saat- und Pflanzgut
- Erhöhung der Biodiversität durch z.B.:
    Gemischte, breite Heckenelemente zur Gliederung der Landschaft 
    (wenn erlaubt) oder naturnah gestaltete Waldränder
- Biodiversitätsflächen mit lokalen, insektenfreundl. Pflanzen
- Schaffung von Naturhabitaten
- Wasserstellen, Teiche, wenn sinnvoll und möglich
- Bienenhaltung (durch Betrieb oder in Kooperation mit Imkern) und/oder Hummelhaltung; wenn sinnvoll Förderung von Wildbienen (z.B. durch Blühstreifen)
- Anwendung von Komposttees, Mikroorganismen, Kräuterextrakten, äth. Ölen, Homöopathie,  Nützlingen etc. zur Unterstützung, wenn nötig
Wasser
- Maßnahmen zur Wassereinsparung und Wassersammlung
- Wasserretentionsbecken (mit Abdichtung, wenn notwendig)

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