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Ernährungswende

Polit-Oscar für nachhaltige Landwirtschaft

Das 100 Prozent-Bio-Gesetz aus Sikkim, Indien, gewinnt Future Policy Award

Hamburg/Rom, 12. Oktober 2018 – Die weltbesten Lösungen, Gesetze und Programme zur Förderung von Agrarökologie und nachhaltigen Ernährungssystemen werden dieses Jahr mit dem Future Policy Award, dem „Polit-Oscar“ der Hamburger Stiftung World Future Council, ausgezeichnet. Das „100 Prozent-Bio“-Gesetz aus Sikkim, Indien, hat sich gegen 51 nominierte Gesetze aus 25 Ländern durchgesetzt und wird mit dem Future Policy Award in Gold ausgezeichnet. Gesetze aus Brasilien, Dänemark und Quito (Ecuador) erhalten Silber. Der Preis wird in diesem Jahr in Kooperation mit der UNO-Ernährungsorganisation (FAO) und IFOAM – Organics International verliehen.

Der indische Bundesstaat Sikkim, der diesjährige Gold-Preisträger, ist der erste 100 Prozent-Ökolandbau-Staat der Welt. Sikkims Ansatz geht jedoch weit über bloße Öko-Produktion hinaus und hat Land und Menschen nachhaltig verändert: Von der Umstellung auf 100 Prozent Bio hat das Land nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich und sozial enorm profitiert. Sozio-ökonomische Aspekte wie Verbrauch und Wachstum, kulturelle Elemente wie Gesundheit, Bildung, ländliche Entwicklung und nachhaltiger Tourismus spielen in dem Gesetz eine zentrale Rolle. Bemerkenswert ist ebenfalls das schrittweise Verbot von chemischen Düngemitteln und Pestiziden, mit Unterstützung und Anreizen, um so nachhaltige Alternativen zu schaffen. Von dem Wandel zu 100 Prozenz Bio haben über 66.000 Bauernfamilien profitiert. Der Tourismussektor ist stark expandiert und zwischen 2014 und 2017 um 50 Prozent gewachsen. Das Sikkim-Modell ist vorbildlich für die Stärkung von Agrarökologie in Regionen und Staaten weltweit. Das ZDF strahlt am 14. Oktober, am Tag vor der Preisverleihung, den Film „Öko-Rebellen“ aus, eine Dokumentation über den Bundesstaat Sikkim und seine 100 Prozent-Bio-Politik.

Drei Silber-Awards werden vergeben an

  • Brasilien, Nationale Politik für Agrarökologie und Ökolandbau (PNAPO, 2012): In den ersten vier Jahren investierte PNAPO rund 364 Millionen Euro in agrarökologische Maßnahmen. Unter anderem wurden etwa 5.300 Gemeinden dabei unterstützt, mindestens 30 Prozent ihres Schulessenbudgets für den Einkauf von biologischen und agrarökologischen Produkten von Familienbetrieben aufzuwenden.
  • Dänemark, Nationaler Bio-Aktionsplan: Zusammenarbeiten für mehr Bio (2011-2020, aktualisiert 2015): Durch den Aktionsplan hat Dänemark heute den höchsten Marktanteil für ökologische Lebensmittel in der Welt und die höchsten jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für Bio-Lebensmittel. 80 Prozent der Däninnen und Dänen kaufen Biolebensmittel.
  • Ecuador, Quitos partizipatives städtisches Landwirtschaftsprogramm (AGRUPAR, 2002): Zu den beeindruckenden Ergebnissen von AGRUPAR gehören u.a. mehr als 3.600 Stadtgärten, die insgesamt 32 Hektar umfassen, die mehr als 21.000 Menschen – 84 Prozent davon Frauen – die in der ökologischen Produktion geschult wurden und die jährliche Produktion von mehr als 870.000 Kilo Bio-Lebensmittel für die Stadt Quito.

Der Vision Award für zukunftsweisende Politik geht an TEEBAgriFood, eine Initiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. TEEBAgriFood ist ein bahnbrechender, weltweit anwendbarer Bewertungsrahmen für Lebensmittelsysteme, der erstmalig umfassend alle Vorteile und Kosten aller relevanten Dimensionen (Umwelt, Gesundheit, Soziales, Kultur) der Öko-Landwirtschaft-Lebensmittel-Wertschöpfungskette in einem einzigen Bericht aufzeigt. Damit ist es erstmals möglich, die wirklichen Kosten unserer Lebensmittel zu berechnen und auf dieser Grundlage effizientere Politik zu gestalten.

Drei Ehrenhafte Würdigungen des Future Policy Awards werden dieses Jahr vergeben an das philippinische „Von den Waffen zu den Farmen“-Programm der Stadt Kauswagan (2011), an Los Angeles' (USA) Beschaffungsprogramm für Gutes Essen (2012), sowie an den Agrarentwicklungsplan der senegalischen Stadt Ndiob (2014).

Die Gewinner des Future Policy Awards werden offiziell mit einer Preisverleihung am kommenden Montag, den 15. Oktober 2018, im Rahmen der Welternährungswoche geehrt. Ein Live-Webcast wird zur Verfügung stehen: http://www.fao.org/webcast/home/en/item/4874/icode/

Ausführliche Informationen zu allen Gesetzten finden Sie hier

Dieses Jahr wird der Future Policy Award der Stiftung World Future Council in Zusammenarbeit mit der Welternährungsorganisation (FAO) und IFOAM – Organics International ausgerichtet, mit der freundlichen Unterstützung von Green Cross International, DO-IT – Dutch Organic International Trade, der Sekem Group (Ägypten) und EcorNaturaSi (Italien).

Offizielle Stellungnahmen

„Durch eine Ernährungswende hin zu mehr Agrarökologie können wir den Klimawandel bekämpfen, den Rückgang von Biodiversität stoppen, Armut und Mangelernährung sowie soziale Ungleichheit beenden. Durch ganzheitliche, nachhaltige Politik können wir ein Ernährungssystem schaffen, das Menschen und Mutter Erde gleichermaßen respektiert. Die Gewinnergesetze des Future Policy Awards haben dies auf beeindruckende Weise vorgeführt. Sie zeigen den Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern dieser Welt, wie es geht – Zeit, von ihnen zu lernen!“, sagt Alexandra Wandel, Direktorin der Stiftung World Future Council.

„Der diesjährige Future Policy Award ehrt herausragende Gesetze von politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern, die Umweltverschmutzung, Armut und Mangelernährung nicht länger akzeptieren wollen. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, bessere Agrar- und Ernährungssysteme zu schaffen und haben dabei Unglaubliches erreicht“, so Louise Luttikholt, Geschäftsführerin von IFOAM – Organics International. „Einer von ihnen ist Sikkims Ministerpräsident Pawan Chamling, dessen Vision es war, Sikkim zum ersten 100 Prozent-Bio-Staat der Welt zu machen. Er hat gezeigt, wie diese Vision Realität wird, ein Weg, von dem Sikkim außerordentlich ökologisch, sozial und wirtschaftlich profitiert hat. Ein Vorbild, dem man folgen sollte.” 

Über den Award

Unser „Polit-Oscar“, der Future Policy Award (FPA), zeichnet Gesetze aus, die bessere Lebensbedingungen für heutige und zukünftige Generationen fördern. Jedes Jahr wählen wir ein Politikfeld aus, in dem innovative Lösungen besonders wichtig sind. Ziel des Awards ist es, gute Gesetze weltweit bekannt zu machen, um die Schaffung gerechter, nachhaltiger und friedvoller Gesellschaften zu unterstützen. Der FPA ist der erste Preis, der Gesetze auf internationaler Ebene auszeichnet.

Über die Stiftung World Future Council

Die Stiftung World Future Council stellt die Interessen zukünftiger Generationen ins Zentrum von Politikgestaltung. Sie setzt sich für gesetzliche Rahmenbedingungen ein, die heutigen wie zukünftigen Generationen das Leben in einer gerechten und ökologisch intakten Welt ermöglichen. Die Hauptansprechpartner hierfür sind Abgeordnete, politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, aber auch Partner aus der Zivilgesellschaft, Wirtschaft und internationalen Organisationen. Für eine nachhaltige, gerechte und friedliche Zukunft, in der universelle Rechte respektiert werden, erforscht, identifiziert und verbreitet der World Future Council die besten globalen politischen Lösungen.
 



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