Start / Ausgaben / bioPress 97 - Oktober 2018 / AöL Positionspapier zu Biodiversität und Saatgut

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AöL Positionspapier zu Biodiversität und Saatgut

Sorten- und Artenvielfalt ist ein Garant für die menschliche Ernährung. Obwohl mehr als 30.000 Pflanzenarten als essbar bekannt sind, nutzen wir für die menschliche Ernährung nur einen minimalen Anteil derer. Es werden sehr wenige Pflanzen- und Tierarten eingesetzt, die dann konträr zu der Vielzahl an Lebensmitteln stehen.  Weizen, Reis und Mais sind beispielsweise unsere Hauptnahrungsmittel weltweit. Im praktischen Anbau dieser Pflanzenarten selbst spielen wiederum nur wenige Sorten eine Rolle.

Die moderne Saatgutzüchtung

Elementar für die Entwicklung der Kulturpflanzen war die lokale Saatgutzüchtung auf bäuerlichen Betrieben. Dadurch entstanden regionaltypische und standorttypische Sorten, die angepasst an den Boden und das Klima gedeihen konnten. Durch die moderne Saatgutzüchtung, zunächst in öffentlicher und später zunehmend in privater Hand, wurden Sorten – unter Umständen durch gentechnische Veränderung – sehr leistungsfähig und zunehmend überregional eingesetzt. Das führte neben der gewünschten Ertrags- und Qualitätssteigerung auch zu einer Abhängigkeit der Landwirte von einzelnen Saatgutunternehmen und zu einem immensen Rückgang der Sortenvielfalt. Analog ist dies auch bei den Nutztierrassen zu beobachten.

Diese Schmalspurbahn führt in die Sackgasse. Mittlerweile beherrschen immer weniger Unternehmen den internationalen Saatgutmarkt. Sie bieten zunehmend standardisierte, teils nicht reproduktionsfähige Sorten an, die für die industrielle Landwirtschaft und Verarbeitung geeignet sind und die Landwirte in ihre Abhängigkeit treiben. Wir brauchen jedoch Saatgut, das an regionale Bedingungen angepasst ist und eine hohe genetische Vielfalt aufweist. Regional angepasste Pflanzen werden mit dem wechselnden Klima besser zurechtkommen und extreme Wetterbedingungen aushalten. Nur durch Vielfalt können sich Pflanzen langfristig in ihrer Umwelt entwickeln und so mit den Herausforderungen wachsen.

Um auch zukünftig neue, angepasste Sorten züchten zu können, wird vielfältiges, genetisches Material benötigt. Je mehr unterschiedliche Arten und Sorten angebaut werden und je mehr unterschiedliche Rassen von Tieren gezüchtet werden, desto stabiler ist die Ernährungssicherheit.

Die Vorteile des ökologischen Landbaus

Der Erhalt der Biodiversität auf dem Acker ist ein zentraler Bestandteil des ökologischen Landbaus, dessen Rohstoffe in Öko-Lebensmitteln eingesetzt werden. Durch den Verzicht auf chemisch-synthetisch hergestellte Pflanzenschutzmittel sind auf Öko-Flächen Ackerwildkräuter und Tierarten wie Insekten, Schmetterlinge und Bodenlebewesen weniger gefährdet und vielfältiger. Der Öko-Landbau nutzt dabei die Wechselwirkung der Natur durch Fruchtfolgen und dem Verbund von Strukturelementen, um die Artenvielfalt zur Regulierung von Schädlingen zu erhalten.

Ökologische Pflanzenzüchtung leistet über den ökologischen Landbau hinaus einen herausragenden Beitrag für den Erhalt und den Ausbau der genetischen Vielfalt bei Getreide und Gemüse. Es wurden weit über 100 neue Öko-Gemüse-Sorten entwickelt. Die Öko-Lebensmittelwirtschaft setzt diese an den Standort angepassten Sorten ein und entwickelt daraus eine echte Produktvielfalt für unsere menschliche Ernährung, die nicht nur auf der Vielfalt von Rezepturen und Verpackungen beruht.

Um diese Vielfalt zu stärken, lauten unsere Forderungen:
Die im neuen EU Bio-Recht niedergelegten Vorgaben für die Vermarktung und den Anbau von biologisch heterogenem Pflanzenvermehrungsmaterial müssen praxisnah und unbürokratisch umgesetzt werden.

Die ökologische Lebensmittelwirtschaft will Rohstoffe einkaufen, die Vielfalt im Saatgut unterstützen, um daraus innovative Produkte herzustellen und zu vermarkten. Dazu ist ein Umdenken in den Bereich der Qualitätssicherung und Vermarktung notwendig.


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