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Herausforderungen der wachsenden Bio-Märkte

Professorin Graf gibt den Öko-Marketingtagen 2018 einen Impuls von außen

Mit der Rektorin der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) ist es der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) gelungen, eine Vermarktungs-Expertin mit größter Kompetenz vor das Rednerpult zu bringen. Wenn sie über Bio-Boom weltweit spricht: Wie auf die wachsenden Märkte reagieren?, wird dies einer der Höhepunkte des ersten Veranstaltungstages sein.

Die Professorin Nicole Graf zeigt eine eindrucksvolle Vita vor: Als sie 2010 begann, den Heilbronner Standort der DHBW aufzubauen, hatte sie bereits eine langjährige Karriere in der Wirtschaft bei international ausgerichteten Unternehmen wie Daimler Benz oder Nortel Networks hinter sich. Und sie hatte sich mit der erfolgreichen Etablierung innovativer Studienangebote in der Berufsakademie Bad Mergentheim einen Namen gemacht.

Schon da war ihr Credo für eine zukunftsorientierte Berufsausbildung die konsequente Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft. Genau das, was eine Duale Hochschule ausmacht: Hier besteht das Studium aus einem wissenschaftlichen Studienteil und praktischen beruflichen Ausbildungsphasen in einem externen Unternehmen. Studien- und Praxisphasen wechseln einander ab und sind gleichberechtigt.

Der Erfolg gibt ihr und diesem besonderen Prinzip der Dualen Hochschule Recht. Nicole Graf leitet nicht nur seit Mitte 2014 als Rektorin die DHBW Heilbronn, diese gilt inzwischen auch als Kaderschmiede der Lebensmittelbranche. Drei Studiengänge werden angeboten: BWL-Handel, BWL-Dienstleistungsmanagement und BWL-Food Management. Letzterer fokussiert auf die gesamte Wertschöpfungskette der Lebensmittelbranche, vom Acker bis zum Teller. Außerdem geht es um Nachhaltigkeit und nicht zuletzt um Ess-Genuss und -Kultur.

Die Absolventen der Dualen Studiengänge sind exzellent gerüstet für alle kaufmännischen Aufgaben, da sie nicht nur theoretisch die Grundlagen im Studium erlernen, sondern sich genauso lange vor Ort bei Kooperationsbetrieben in die Praxis einbringen. Im Studiengang BWL-Handel finden sich vor allem diejenigen, die später Führungsaufgaben im konventionellen Handel einnehmen, zum Beispiel als Vertriebsleiter in großen Unternehmen. Der Biohandel findet seine späteren Akteure mehr im Food Management, die Studenten qualifizieren sich für Fachpositionen etwa im Wareneinkauf oder der Markterkundung. Diejenigen, die später als selbständige Kaufleute arbeiten wollen oder dort eine Nachfolge anstreben, sind in beiden Bereichen zu finden.

Gerade im Biohandel kann Graf ihre besondere Expertise einbringen. Sie war unter anderem als Aufsichtsratsvorsitzende von Basic tätig und hat diesen Posten erst im Mai dieses Jahres aus Zeitgründen aufgegeben.
Partner kommen bei der DHBW aus allen Bereichen, konventionell und Bio: Großhandelsunternehmen wie Edeka, Rewe, Metro oder die Schwarz-Gruppe mit Kaufland und Lidl kooperieren, und Denns, Alnatura oder Weiling aber auch Naturkosteinzelhändler oder Produzenten wie Winzer, Metzger und andere. Wichtig ist auch die Betriebsgastronomie und Gemeinschaftsverpflegung; gerade hier ist Bio extrem interessant für die zukünftige Ausrichtung.

Von der ersten Stunde an ist die BESH dualer Partner der DHBW Heilbronn. Rudolf Bühler, Gründer und Vorsitzender der BESH, war Dozent für ökologische Fleischwirtschaft und unterstützt die Ausbildung zum Beispiel durch jährliche Exkursionen in die BESH-Zentrale. Warum die BESH und die DHBW so gut zusammen passen, ist klar: Gerade beim Food Marketing kommt man um Bio und ökologische Lebensmittel nicht herum.
Für ein gelungenes Bio-Marketing hat Graf die vier großen ‚G‘ definiert. Gewissen, Gesundheit, Genuss und Glaubwürdigkeit müssen berücksichtigt werden: Da sind faire Handels- und Arbeitsbedingungen und Tierwohl, um dem Gewissen der Konsumenten entgegen zu kommen, Lebensmittel aus ökologisch erzeugten, Schadstoff-freien Rohstoffen für die Gesundheit und Bio als besserer Geschmack für den Genuss. Das Ganze verbunden mit Glaubwürdigkeit, sowohl auf regionaler und nationaler, als auch auf internationaler Ebene - hier ist der Handel gefragt.

Und Bio ist inzwischen angelangt in der Lehre zum Handelsmanagement. Die DHBW hat aktuell eine Studie erstellt über die Kundenzufriedenheit im Bio-Lebensmitteleinzelhandel. Sie ist erschienen als neueste Publikation der DHBW-Schriftenreihe Handelsmanagement. Diese Reihe erhebt den Anspruch, zu einer wichtigen Diskussions-, Impuls- und Informationsquelle für Studium, Lehre und Praxis zu werden.

Das eindeutige Ergebnis der Studie ist, dass auch im Naturkostfachhandel die Selbstständigen durchweg die besseren Ergebnisse erzielen als die Bio-Filialisten. In einem weiter wachsenden und umkämpften Biomarkt wird die Kundenzufriedenheit ein entscheidender Faktor sein und diesem kommen die selbständigen Kaufleute besser entgegen.

Graf betont, dass gerade das inhabergeführte Geschäft extreme Vorteile gegenüber den Filialisten hat, sowohl was die Kundenbindung als auch was die Mitarbeitermotivation betrifft. Der Erfolg hängt nach ihrer Meinung in beiden Bereichen zum großen Teil von den weichen Faktoren ab, wie Umgang mit den Mitarbeitern oder bei den Kunden Service und Beratung.

Nicht zuletzt sei auch die eigene Hoheit über die Sortimnentszusammenstellung bei der Kundengewinnung entscheidend.
Für die Biobranche ist eine weitere zentrale Botschaft der Professorin: „Der Wettbewerb ist nicht der Biohändler nebenan, sondern der konventionelle Handel, der mit ganz anderen Mechanismen und Größenordnungen arbeiten kann.“ Sie ist der Meinung, der Biomarkt wird ohne Zweifel weiter wachsen und sie sieht ein Defizit darin, dass sich die Biobranche untereinander viel zu wenig solidarisiert, ja sich sogar bekämpft.

Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass Graf auf den Ökomarketingtagen hochspannende Aussichten auf die zukünftige Biovermarktung präsentieren wird – untermauert von ihren Erfahrungen und den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Im Gespräch mit der bioPress stellte sie heraus, dass sie noch bis zum Vortragszeitpunkt aktuelle Fakten und Ideen einfließen lassen wird – die Zuhörer dürfen also gespannt sein.

Elke Reinecke

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