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Mit Öko-Züchtung für die Zukunft wappnen

BÖLW veröffentlicht Positionspapier zur Ökologischen Pflanzenzüchtung

Berlin, 19.07.2018  |   Öko-Züchtung ist eines der Fundamente des Ökolandbaus. „Bio-Pflanzenzüchter gelingt es, dass Öko-Sorten erfolgreich ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel oder Kunstdünger gedeihen. Das ist gut für die Böden und Gewässer, die durch Ökolandbau von Pestiziden oder zu viel Nitrat verschont bleiben“, beschreibt Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), die Stärken der Öko-Züchtung und ergänzt: „Weil Bio-Kunden großen Wert auf die Güte ihrer Lebensmittel legen, selektieren Öko-Züchter neben Merkmalen wie gutem Ertrag auch verstärkt auf Qualität.“

Die regional gezüchteten Öko-Sorten haben den Vorteil, dass die Pflanzen gut an die jeweiligen Standortbedingungen, also zum Beispiel die Bodenbeschaffenheit, Niederschläge oder Höhenlagen, angepasst sind. „Wer von Pestizidreduktion und Ressourceneffizienz redet, findet Antworten in der Ökologischen Pflanzenzüchtung. Mit Öko-Züchtung kann sich die Landwirtschaft für die Zukunft wappnen“, so der BÖLW-Vorsitzende.

Mit ihren auf die Bedingungen des Ökologischen Landbaus spezialisierten Sorten, die ohne gentechnische Risikotechnologien entstehen, sind Öko-Züchter essentielle Partner der Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern. Denn für die Arbeit der Züchter gilt: ‚Bio von Anfang an‘. Sorten, die für den Ökolandbau gezüchtet werden, sind robust und nährstoffeffizient. Das macht sie als Kreuzungspartner für die übrige Pflanzenzüchtung wichtig. Denn unter Öko-Bedingungen selektierte Pflanzen müssen mit weniger Nährstoffen zurechtkommen und sich gegen Unkräuter oder Schädlinge selbst wehren, weil dieser Umweltstress nicht mit Pestiziden von ihnen ferngehalten wird – so werden die Eigenschaften der Pflanzen ungeschminkt sichtbar.

In der Öko-Züchtung sind Patente auf Pflanzen tabu. Löwenstein: „Nur in einem Open-Source-System, in dem jeder Züchter mit Kreuzungspartnern aus jeder Sorte arbeiten kann, entsteht Fortschritt und Vielfalt. Die  kleinen und mittelständischen Öko-Züchter sind deshalb wichtige Pfeiler der Vielfalt in einer Züchterlandschaft, die zunehmend von großen internationalen Chemie-Konzernen dominiert wird.“

„Damit das für unsere Gesellschaft so wichtige Potenzial der Öko-Züchtung nicht unter die Räder der Konzerne gerät, bei denen die größten drei Konzerne bereits 60 Prozent des globalen Saatgutmarktes beherrschen, muss sich die Politik engagieren“, so Löwenstein weiter. In seiner Position zur Öko-Pflanzenzüchtung zeigt der BÖLW, welche Hebel dafür bereit stehen.

Hintergrund

Öko-Pflanzenzüchter erforschen und testen ihre Sorten von Beginn des Züchtungsprozesses an nach Bio-Prinzipien. So können passgenau die Pflanzen selektiert werden, die für den Ökologischen Landbau geeignet sind. Die Öko-Züchtung birgt Lösungen für globale Herausforderungen wie Anpassung an den Klimawandel, Ressourcenschutz oder Gentechnikfreiheit und den Zugang zu patentfreiem Saatgut. Damit diese Potenziale freigesetzt werden können fordert der BÖLW die Politik auf EU-, Bundes- und Länderebene auf Folgendes zu tun:

  • Züchtungsstrategie und Züchtungsfonds mit partizipativen Entscheidungsprozessen aufzulegen
  • Investition in die Öko-Züchtungsforschung (Pre-Breeding) sicherzustellen
  • Transparenz der Züchtungsmethoden herzustellen
  • Behördenkompetenz und öffentliche Strukturen zu erhalten und Expertise für die Öko-Züchtung in diesen Strukturen auszubauen
  • Kriterien der Sortenzulassung dem Bedarf des Ökolandbaus anzupassen
  • Zulassung von Populationen zu verstetigen
  • Zugang zu Sorten zu sichern
  • Ökologische Pflanzenzüchtung als Teil der Ausbildung zu etablieren

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