Start / Business / International / Länder / Schweizer Biomarkt

Ausland

Schweizer Biomarkt

Die ,Bioschweiz‘ kann 2018 eine ganze Reihe von Bio-Jubiläen begehen - für eine breitere Öffentlichkeit zeigt dabei die 25jährige Geschichte des Coop-Naturaplan-Sortiments die größte Wirkung.

Mit der Lancierung des Naturaplan-Programms vor 25 Jahren rückte der heute mit Abstand größte Schweizer Biovermarkter, die Coop-Genossenschaft Biolebensmittel in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit. Eine echte Pionierleistung, obwohl die Ursprünge des Schweizer Bio-Landbaus viele Jahrzehnte weiter zurück reichen. Zu den Wegbereitern gehörten Bio-Bäuerinnen und -Bauern, aber auch Wissenschaftler und Politiker. Ein wichtiger Treiber dieser Entwicklung war seit den 70er Jahren das heute weltweit bekannte  Forschungsinstitut für biologischen Landbau. Das 45jährige FiBL kann nebenbei vermerkt 2018 ebenfalls einen halbrunden Geburtstag feiern.

1993 - Jahr der Schweizer Biowende

Verschiedene direkt demokratische Volksentscheide bewirkten in der gleichen Zeitspanne eine Neuausrichtung der Schweizer Agrarpolitik in Richtung ökologischer und weiterer wichtiger gesellschaftspolitischer Zielsetzungen. Der Coop-Einstieg löste 1993 in der Schweizer Agrar- und Ernährungswirtschaft eine grundlegende Wende ein, weit über die im Verlauf der 90er Jahre sprunghaft wachsende Biolandwirtschaft hinaus.
In der Biobranche löste die Entwicklung nicht zuletzt einen starken Professionalisierung-Druck aus. Als wichtiger Schritt wurden im Verlauf der zweiten Hälfte der 90er Jahre die Entflechtung der Verbands- und Vollzugsabläufe und die Schaffung gesetzlicher Grundlagen für die Biovermarktung notwendig.

1998 - Schweizer Bioverordnung…

Im Herbst 1997 folgte die Verabschiedung der Schweizer Bioverordnung mit Inkrafttretung per 1998, mit einigen Jahren Verzögerung auf die EU-Bioverordnung. Diese mit einer Prise eidgenössischer Selbstironie autonomer Nachvollzug genannte Dynamik hat sich mittlerweile aus vielen weiteren Branchen und Regelwerken zum Normalfall im komplexen Beziehungsleben der EU-Schweiz entwickelt. Die Schweizer Bio-Verordnung bildet noch heute die absolut zentrale rechtliche Grundlage für den Biohandel sowohl im Schweizer Inland wie in den Handelsbeziehungen mit der EU und weiteren Handelspartnern wie etwa der USA und Kanada.

In einer breiteren Öffentlichkeit ist die Existenz einer gesetzlichen Bio-Grundregelung jedoch kaum bekannt. Dies mag daran liegen, dass alle wichtigen Biolabels und Biovermarkter in der Schweiz kaum ein Interesse an der Kommunikation dieser gemeinsamen Basis zeigen. Angesichts einer desinteressierten Branche verwundert es nicht, dass der Schweizer Bundesstaat sich nie zu einem entsprechend proaktiven Engagement genötigt fühlte. Eine einmalige Branchenbefragung (Vernehmlassung) zu einem allfälligen Bio-Zeichen wurde einige Zeit nach der Einführung der Schweizer Bio-Verordnung umgehend zu den Akten gelegt.

… und bio.inspecta-Gründung

Ein wichtiges Element der Entflechtung und Professionalisierung bildete 1998 die Gründung der bis heute für den Biomarkt wichtigsten Zertifizierungsstelle bio.inspecta. Die noch heute als unmittelbarer FiBL-Nachbar in Frick ansässige Zertifizierungsstelle entstand organisatorisch und rechtlich als gemeinsame Gründung von FiBL, Bio Suisse, Demeter-Verband und vieler weiterer institutioneller und privater Partner. Die Zertifizierung der Bio Suisse-Mitglieder (Landwirtschaft) sowie der Bio Suisse-Lizenznehmer (Verarbeitung und Vermarktung) zählt bis heute zu den wichtigsten Aufgaben der bio.inspecta. Zur Auftragslage gehört jedoch längst auch die Zertifizierung weiterer Bioregelwerke, allen voran den Migros-Bio-Anforderungen der zweiten grossen Grossgenossenschaft im Schweizer Detailhandel (LEH).

Einmal Gewaltentrennung - und zurück?

Obwohl das in den ersten Jahren exklusive bio.inspecta-Mandat für die Bio Suisse-Zertifizierung längst gefallen ist, bildet die Bio Suisse-Zertifizierung noch immer den wichtigsten Grundauftrag.

Nach vielen Jahren der Entflechtung und Gewaltentrennung - teilweise auf Druck der Behörden, oft jedoch vielmehr der Branche oder der eigenen Mitglieder - vollzog Bio Suisse vor wenigen Jahren eine kleine Trendwende. Die 100 Prozent Bio Suisse-Tochterfirma International Certification Bio Suisse (ICB) konzentriert sich vollständig auf die Anerkennungsprüfung von Bio-Importen und kontrolliert damit zumindestens bezüglich Bioqualitätsprüfung den wichtigen Zugang der Vermarktung im Coop-Kanal. Der jüngste Akteur der Schweizer Bioszene, die ICB, kann 2018 bereits ein kleines 5-Jahre-Jubiläum feiern.

Biomarkt Schweiz wächst weiterhin

Gemäß aktuellen von Bio Suisse erhobenen Zahlen für 2017 stiegen die Umsätze und die Marktanteile in allen Produktkategorien. Spitzenreiter bei den Marktanteilen waren wie in den Vorjahren die Eier mit fast 27 Prozent. Gemüse mit 23 Prozent liegt weiterhin auf Platz zwei, gefolgt vom Frischbrot mit 22 Prozent. Die größten Umsatzträger im Bio-Markt bleiben Milchprodukte und Käse, darauf folgt die Produktgruppe Gemüse, Salate und Kartoffeln und auf Platz drei Fleisch und Fisch. Die guten Werte zeigen die Akzeptanz und zugleich das große Potenzial von Bio-Produkten.

Coop machte 2017 mit Bio-Produkten einen Umsatz von 1.199 Mio. Franken und erreichte damit einen Marktanteil von 44,3 Prozent. Migros erzielte einen Umsatz von 889 Miillionen Franken und einen Anteil von 32,8 Prozent am Bio-Markt. Coop und Migros erzielten drei Viertel des Bio-Umsatzes. Die Direktvermarktung hat auf 144 Millionen Franken (Vorjahr: 132 Millionen Franken) zugelegt. In diesem Wachstum zeigt sich unter anderem das zunehmende Bedürfnis der Konsumentinnen und Konsumenten nach Produkten mit bekannter Herkunft. Auch die Anzahl Verarbeiter nimmt laufend zu, die Entwicklung neuer Produkte läuft auf Hochtouren. So stieg die Anzahl Lizenznehmer 2017 auf 923 (Vorjahr: 885). Die Anzahl Gesuche für neue Produkte wuchs auf 2.186 (Vorjahr: 1.701). Auch neue Marktteilnehmer wie der Gross- und der Onlinehandel spielen eine zunehmend wichtige Rolle für den Bio-Markt.

Bio-Trend in der Romandie

Die Knospe legte im letzten Jahr erneut deutlich zu. Die stärkste Zunahme zeigte dabei die Westschweiz (Romandie). 6.423 Bauernbetriebe in der Schweiz und Liechtenstein arbeiteten per Ende 2017 nach den Richtlinien von Bio Suisse, das sind 279 Betriebe mehr als im Vorjahr. Die biologisch bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche erreichte einen Anteil von 14,4 Prozent, so viel wie noch nie. Gleichzeitig hat der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln einen Rekordwert erreicht, ist auf über 2,7 Milliarden Franken gewachsen (Vorjahr: 2,5 Milliarden Franken) und hat einen Marktanteil von neun Prozent erzielt.

Als unbestrittene Vorreiterin beim Thema Nachhaltigkeit macht Bio Suisse nun den nächsten Schritt. Der Verband hat die Nachhaltigkeit von 185 Knospe-Betrieben durch das Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL mit der Methode SMART bewerten lassen. Damit erhält Bio Suisse bezüglich nachhaltige Bewirtschaftung eine Datenbasis zum aktuellen Stand, aber auch zu den Potenzialen der Knospe-Betriebe. Erste Resultate zeigen, dass die große Mehrheit der Betriebe bei den meisten Nachhaltigkeitskriterien gute bis sehr gute Leistungen aufweist.
Peter Jossi

 

Links zu weiteren Infos
www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/kennzeichnung/biolandbau.html 
www.bio-suisse.ch/de/bioinzahlen.php 
www.bio-suisse.ch/de/geschichte.php 
www.coop.ch/de/labels/naturaplan/philosophie/geschichte.html

Angebots-Ticker Anzeigen

Das könnte Sie auch interessieren

Hornkuh und die Schweizer Ernährungspolitik

Fair Food, Ernährungssouveränität, Hornkuh - alle drei Volksinitiativen wurden klar abgelehnt. Mit Blick auf die politische Debatte zur Weiterentwicklung der Schweizer Agrarpolitik bilden diese Verdikte jedoch nur eine Etappe auf einem langen Weg.

29.01.2019mehr...
Stichwörter: Ausland, Schweiz

Forschungs- und Bildungscampus in Frick wird ausgebaut

Forschungs- und Bildungscampus in Frick wird ausgebaut

Das FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) investiert über 25 Millionen Schweizer Franken, während gleichzeitig staatliche Forschungsstandorte unter Druck stehen. Ein Blick auf die Erfolgsgeschichte des Bio-Forschungszentrums, die seit Jahren über die Landesgrenzen hinauswirkt.

25.09.2018mehr...
Stichwörter: Ausland, Schweiz

Direktdemokratisch zum Bioland Schweiz?

Die Schweizer Agrarpolitik ist derzeit geprägt von einem selbst für helvetische Verhältnisse ungewöhnlich großem Aufkommen an Volksinitiativen und weiteren politischen Vorstößen. Der Ausgang der kommenden Abstimmungen wird auf die Zukunft der Vision Bioland Schweiz konkrete Auswirkungen zeitigen.

25.09.2018mehr...
Stichwörter: Ausland, Schweiz