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Limonade

Bio-Limonaden und Co.

Eine vielgesichtige Warengruppe für unterschiedliche Zielgruppe

Bio-Limonaden und Co.

Alkoholfreie Kaltgetränke in Bio-Qualität frischen den oft als übersättigt erachteten Markt auf. Dafür sorgen Hersteller mit Ideenreichtum, natürlichen Zutaten und einer persönlichen Note ihrer Marke. Die Auswahl reicht von vertrauten Schorlen und Limonaden bis zu wohltuendem Kombucha und anderen Fermentgetränken.

Mit Bio-Erfrischungsgetränken lassen sich vor allem aber nicht nur junge Menschen und sportlich oder gesundheitlich orientierte Verbraucher ansprechen. In der Sommerzeit sind dabei kohlensäurehaltige Produkte besonders gefragt. Spannend ist, wie Bio-Hersteller mit unterschiedlichen Herstellungsverfahren und neuen Geschmacksrichtungen Abwechslung in bekannte Kategorien wie Schorlen und Limonaden bringen. Außerdem wecken sie mit Trendzutaten à la Ingwer oder Kurkuma sowie pfiffigen Kombinationen von Zutaten Interesse, ergänzt durch besondere Herstellungsverfahren.

Bio-Limos von fruchtig bis herb und mehr oder weniger süß

Fruchtsaft, Kohlensäure und Zucker bilden zusammen mit Wasser die Basis für Limonaden. Bio-Hersteller setzen hierbei bevorzugt auf die fruchtigen Aromen von Direktsaft, natürliche Kohlensäure und Bio-Rüben-, Rohr- oder Malzzucker oder Agavensirup. Wenn doch mal einzelne Aromen dazukommen, dann Bio- oder natürliche Aromastoffe, die zusammen mit Mineralsalzen zur geschmacklichen Abrundung dienen.

Die Limonaden-Marken Bionade, Haldina, Now Pure und Seezüngle verbindet zum einen die Abfüllung in modernen Glasflaschen mit Kronkorken oder Bügelverschluss. Zum anderen sind sie mehr oder weniger deutlich vom Brauereiwesen geprägt und werden in Anlehnung an Bier produziert. So ging beispielsweise die Bionade GmbH aus der Privatbrauerei Peter im bayerischen Teil des Biosphärenreservats Rhön hervor. Diplom-Braumeister Dieter Leipold setzte damit seine Idee eines gebrauten biologischen Erfrischungsgetränks ohne Alkohol und mit weniger Zucker als übliche Limonaden in die Tat um. Der Clou: Malzzucker wird während des Herstellungsprozesses zu herber Gluconsäure und gasförmigem CO2 abgebaut. Heute reicht die, zugleich glutenfreie, Auswahl von Litschi bis zu Streuobst. Laut Stefan Müller, Geschäftsführer der Hassia Gruppe als heutiger Bionade-Eigentümer, ist die schon vor 22 Jahren gelaunchte, intensiv rote Holunder-Bionade immer noch die beliebteste Sorte.  
Auch die vier Pure Limonaden vom Bio-Brauhaus Michael Krüger aus Riedenburg, die vier Sorten Seezüngle der Bio-Brauerei Clemens Härle und die Haldina Lemon der Härtsfelder Brauerei Held kommen aus dem Sudhaus, wo sie in diesem Fall Milchsäurebakterien vergären. Schon die Tatsache, dass es sich um traditionsreiche Privatbrauereien handelt, dürfte viele Kunden ansprechen. Bei Härle kommt hinzu, dass er konsequent fast alle Rohstoffe von Bio-Bauern vom Bodensee und aus Oberschwaben bezieht.

Bei den Now-Limonaden von Neumarkter Lammsbräu handelt es sich zwar um normale Mischgetränke, doch punkten die Marke inzwischen mit einer Auswahl von einem Dutzend Geschmacksrichtungen. Aktuell hinzugekommen ist die sommerliche Saisonsorte Paradise Mint mit Ananas, Limette und Pfefferminze. Die besonders gefragten Sorten gibt es hier sogar zusätzlich zu den 0,33 auch in 0,75 Liter-Flaschen. Für die Zukunft sieht sich die Brauerei gut aufgestellt: Es bestehe in der Kategorie ein großer Wettbewerb um die Regalplätze. Doch durch die Kombination Marke, Bio-Qualität, Geschmack und Preis könne man ein überzeugendes Package bieten, meint Key Account Manager Holger Seifert optimistisch. Ausruhen will Lammsbräu sich dabei nicht und strebt zum Beispiel in Zukunft eine Naturland-Zertifizierung an.

Fritz Kulturgüter, LemonAid und Fatdane aus Dänemark mögen als ein erstes Beispiel dafür genannt werden, dass junge Unternehmen trotz der angesprochenen begrenzten Regalfläche ebenfalls eine Chance haben. LemonAid gelingt dies seit nunmehr zehn Jahren, indem sie ihre Limonaden mit einem Fairtrade-Plus verbinden. Zum einen stammen der eingesetzte Rohzucker aus fairem Handel und die Südfrüchte von Kleinbauern. Zum anderen fließt ein Teil des Erlöses in konkrete Hilfsprojekte. Wie viele Start-ups füllt LemonAid allerdings nicht selber ab, sondern arbeitet dazu mit einem erfahrenen Biobetrieb zusammen – auch die Produktqualität muss schließlich stimmen.

Das Team von Fritz Kulturgüter hat dagegen mit konventionellen Szene-Erfrischungsgetränken begonnen, ergänzt diese inzwischen aber schon mit drei Bio-Linien:  Fritz Cola- und -Limos, Anjola-Fruchtlimonaden in der Retroflasche sowie Schorlen. Typisch für viele der heutigen Bio-Start-ups ist, dass sie den Bio-Gedanken ernst nehmen ohne dabei „bierernst“ aufzutreten. Das zeigt sich auch bei Fatdane mit einer kleinen Auswahl an Fruchtsaftsodas in skurril-witziger Aufmachung. Indem diese in einer kleinen ehemaligen Brauerei kreiert werden, greift das Unternehmen zugleich den großen, internationalen Craft-Trend auf.

Aus einer Hand und einem Haus

Neben Mineralbrunnen wie etwa Adelholzener Alpenquellen oder Christinenbrunnen, die ebenfalls ein kleines Sortiment an Limonade oder Schorle in Bio-Qualität aufgenommen haben, spielen Fruchtsaftkeltereien eine große Rolle auf dem Markt für Erfrischungsgetränke. Obwohl die Auswahl groß ist, bringen sie tatsächlich noch neue Sorten heraus.

Beispielsweise Beutelsbacher, die ihre kohlensäurehaltigen Isis-Erfrischungsgetränke jetzt mit einem Tonic Water ohne Chemie und negativen Beigeschmack erweitern. Vergleichbar mit marktüblichem Bitter Lemon wird das kristallklare Getränk normalerweise mit bitter schmeckendem, aber gesundheitlich riskantem Chinin und Aromastoffen versetzt. Die Kelterei erreicht das gewünschte Geschmackprofil stattdessen allein mit Bitter-Kräutern, wobei sich das Bio-Tonic auch ohne Gin gut im Cocktailglas machen dürfte.

Bio-Zisch nennt sich das umfangreiche prickelnde Limo-Pendant von Voelkel. Mit Tonic oder Guarana Cola, heimischem Rhabarber oder „schlanker“ Gurke und anderem mehr werden ganz unterschiedliche Geschmacksvorlieben angesprochen. Wieder geben Kräuter- und Gewürzauszüge den Mischungen aus hochwertigen Frucht- und teilweise Gemüsesäften, Zucker und Kohlensäure einer besonderen Note. Um bei den Zutaten zu bleiben: das natürliche Spektrum wächst weiter.

Well-Being auch im Erfrischungssegment

Mit manchen Entwicklungen waren oder sind die Bio-Hersteller der Zeit auch voraus. Ein gutes Beispiel dafür sind fertige Kombucha-Getränke, die schon recht lange in Bio-Läden und Reformhäusern gehandelt werden. Durch das gewachsene Gesundheitsbewusstsein und das Interessesse an wohltuenden Fermentprodukten, die zugleich mit aparten Aromen punkten, haben sie in diesem Jahr gute Aussichten. Traditionell mit Hilfe des sogenannten Teepilzes hergestellt aus gesüßtem Tee, enthält der nicht erhitzte Trunk aktive Enzyme, eine leichte Säurenote, etwas Kohlensäure und ein wenig Alkohol, der meist unter 0,5 Prozent bleibt.

Beutelsbacher und Voelkel verfeinern ihre Kombucha-Getränke mit aromatischen Kräutern, teilweise auch etwas Fruchtsaft. Letztere stellten auf der Biofach zusätzlich vier pasteurisierte Kombuchagetränke in der kleineren 0,33 Liter-Flasche vor. Neben dem Original stehen hier als Varianten Limette & Ingwer, Sauerkirsche & Minze und Rote Bete.

Einige Bio-Anbieter oder Großhändler unterstützen ihre Kunden mit Rezepten, Material für anlassbezogene Zweitplatzierungen, Verkostungsware oder vereinzelt einem Category Management. Voelkel hat jetzt außerdem den Geschäftsbereich Bio-Marktplatz für innovative Start-ups ins Leben gerufen. Diese sollen einen leichteren Zugang zum Markt bekommen, wobei sie Voelkels Vertriebs- und Logistikplattform nutzen können. Zu den ersten Partnern gehört interessanterweise Primal Life, die unter der Marke Fairment ebenfalls Kombucha-Getränke anbieten. Allerdings handelt es sich in diesem Fall um Rohkost-Qualität. Man sehe die Zusammenarbeit dabei nicht als Konkurrenz, sondern als einen Beitrag zur Vielfalt im Regal für Endkunden. Zudem profitierten beide Seiten von dem Zusammenschluss.

Junge Unternehmen kämen über Voelkel zu einem starken

Vertriebsnetzwerk und erfrischten sie im Gegenzug mit neuen Ideen und Euphorie für Innovationen, sagt Pressesprecherin Evelyn Kaufmann dazu.
Dass es an Innovationsgeist auch sonst nicht mangelt, beweist eine weitere Neuheit bei Voelkel und zwar „Switchel“. Die Schärfe von Ingwer, die Säure von Apfelessig sowie süßer Ahornsirup wird hier mit fruchtiger Zitrone (beim Original) kombiniert. Ausgehend von diesem aparten und durstlöschenden Original hat die Kelterei zugleich die Linie Sparkling Switchel mit mehr Kohlensäure und weniger Zucker vorgestellt, die noch mehr dem Charakter von Erfrischungsgetränken entsprechen.

Abschließend und ohne an dieser Stelle auf die durchaus vorhandenen Bio-Energy- drinks einzugehen, sei in diesem Streifzug über den aktuellen Markt noch eine weitere Start-up-Idee mit Potenzial erwähnt: Nupsy von Trink 1. Das Münchner Unternehmen betont vor allem die bewusst langsame Herstellung ihrer Slow Bio-Schorlen im Sinne von Slow Food. So sollen sich die Geschmacksnoten perfekt entfalten können, sei es bei der Sorte Marille & Vanille oder mit Streuobst-Apfelsaft & Bio-Heu-Auszug. Heu? Tatsächlich spielt die Sterne-Gastronomie schon etwas länger mit solchem  Food Pairing. In Zukunft könnte dieser Ansatz noch stärkere Beachtung auch im Bio-Handel finden.

Bettina Pabel


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