Start / Ausgaben / bioPress 93 - Oktober 2017 / Wie wichtig ist gesunde Ernährung?

Wie wichtig ist gesunde Ernährung?

Dr. György Irmey informiert über den Zusammenhang zwischen Lebensmitteln und Krebs

Wie wichtig ist gesunde Ernährung? © bioPress, EM
Dr. György Irmey rät prinzipiell zum Kauf von chemiefreien Bio-Lebensmitteln.

Warum ist es so wichtig, sich gesund zu ernähren? Und welche Rolle spielen Bio-Lebensmittel? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Ernährungsweise und Krebs? Die Antworten darauf hat Dr. med. György Irmey, der seit 30 Jahren als ärztlicher Direktor für die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr (GfBK) in Heidelberg tätig ist. Die GfBK ist ein gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Krebspatienten, Angehörigen und Therapeuten.

„Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Gesundes Essen liefert wichtige Schutzstoffe und ist daher bedeutend für die Vorbeugung von chronischen Erkrankungen wie Krebs. Es kann aber auch den Heilungsprozess von Krebskranken unterstützen und Nebenwirkungen der Chemo- oder Strahlentherapie vermindern“, sagt Dr. Irmey. „Ein großes Potenzial steckt in roten Beeren, Soja, Kurkuma, Ingwer, Möhren, Brokkoli, Knoblauch, Zwiebeln, Leinsaaten, Weizen, Hafer und Kartoffeln.“

Er rate prinzipiell zum Kauf von Bio-Lebensmitteln, denn „es ist sehr wahrscheinlich, dass konventionelle Nahrungsmittel krebsfördernder sind als biologische“. Untersuchen lasse sich diese Vermutung aber nicht, weil sich die Menschen sehr vielfältig ernähren. Die Tatsache, dass die Gesamtbelastung durch Schadstoffe und Pestizide in Lebensmitteln in den letzten Jahrzehnten enorm zugenommen hat, könne im Gegensatz eindeutig belegt werden. Dr. Irmey: „Zwar kann unser Organismus mit gewissen Veränderungen umgehen und sich adaptieren. Aber er hat auch seine Grenzen.“

Das zeige sich seiner Ansicht nach darin, dass die Menschen zwar älter würden, aber nur wenige gesund blieben. „Wir könnten viel mehr dazu beitragen, gesund zu alt werden. Eine frische, abwechslungsreiche Ernährung regt in jedem Fall die Immunkräfte an. Die Radikalfänger Beta-Carotin, Vitamin A, C, E und die Spurenelemente Kupfer, Zink und Selen sind herausragend in ihrer antioxidativen Wirkung, beim Aufbau der Zelle und als Zellschutz.“

Jeder sollte deshalb täglich 500 Gramm Gemüse, Salat und Obst essen. Frisches Obst und Gemüse enthielten die meisten sekundären Pflanzenstoffe und Vitamine, aber auch Enzyme und Spurenelemente. Pflanzen, die durch künstliche Dünger oder Gentechnik hochgezüchtet würden, enthielten viel weniger davon. Trotz einiger Studien, die dies belegten, schenke die konventionelle Medizin diesen Erkenntnissen noch viel zu wenig Beachtung.

„Es ist besser, möglichst viele pflanzliche und weniger tierische Produkte zu sich zu nehmen“, sagt er. Beim möglichen mäßigen Fleischkonsum scheint ihm die Auswahl biologischer Produkte mit artgerechter Haltung noch bedeutender als bei Lebensmitteln pflanzlicher Herkunft. Möglichst verzichtet werden sollte auf industriell verarbeitete Lebensmittel – wegen der unzähligen Zusatzstoffe. Ein möglicher Mitverursacher von Krebs sei beispielsweise der raffinierte Zucker.

Mehr Brust- und Prostatakrebs in Europa und USA

„Die Wahrscheinlichkeit an Brust- oder Prostatakrebs zu erkranken ist in Europa und in den USA höher als in Asien. Allein in Deutschland liegt die Zahl der Neuerkrankungen bei 70.000. Von Brustkrebs sind heute leider immer mehr jüngere Frauen betroffen als noch vor 50 Jahren“, erklärt er. „Untersuchungen zeigen, dass diese zwei Krebsarten nicht genetisch bedingt sind. Denn Asiaten, die in den USA aufgewachsen sind, sind genauso betroffen, wie US-Amerikaner.“

Was ist anders in Asien? „Es gibt Hinweise, dass Asiaten weniger häufig von Krebs betroffen sind, weil sie mehr Fisch und Soja essen. Aber ich hüte mich vor einseitigen Zuweisungen. Es ist bekannt, dass auch die asiatische Lebensweise eine andere ist: Meditation und Spiritualität haben dort einen ganz anderen Stellenwert als bei uns.“

Beachte man diese Aspekte, gelange man zu der Erkenntnis, dass es auf eine ganzheitliche Sichtweise ankomme. „Neben der richtigen Ernährung und Entspannung ist auch eine regelmäßige Bewegung wesentlich, um chronischen Erkrankungen wie Krebs oder Alzheimer entgegenzuwirken“, sagt er. 

Selbstheilungskräfte aktivieren

Sicher sei, dass durch eine gesunde Ernährung automatisch die Selbstheilungskräfte angekurbelt würden. „Ich stelle immer wieder bei den Patienten, die wir beraten, fest, dass sie die Nebenwirkungen einer Krebstherapie besser vertragen, wenn sie langfristig mehr Obst und Gemüse zu sich nehmen.“

Die GfBK verstehe sich als Wegbereiter für eine moderne Krebsmedizin, in der sich naturheilkundliche und schulmedizinische Verfahren sinnvoll ergänzen. Sie sei gegründet worden, weil in der universitären Medizin naturheilkundlichen Heilverfahren keine Beachtung geschenkt worden sei. „Das ist auch heute noch weitgehend so“, sagt Dr. Irmey.

Gewisse Maßnahmen wie OP, Strahlen- oder Chemotherapie seien zwar oft notwendig. Jedoch richteten sie sich nur gegen die Krankheit. Um gesund zu werden und zu bleiben, sei es aber wichtig, den Menschen als ganzheitliches Wesen zu sehen.

Problematisch sei, dass es in der Medizin „leider nicht immer in erster Linie um den Menschen, sondern um sehr viel Geld“ gehe. Daher komme es auch vor, dass Kliniken Patienten zu Therapien drängten, die sie eigentlich nicht wollten. „Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen das Gefühl haben, ihren Heilungsweg selbst mitbestimmen zu können.“

Ernährung soll zur Lebensfreude beitragen

Heutzutage gibt es viele Empfehlungen für eine gesunde Ernährung, von der Steinzeitdiät über Rohkost bis hin zu Low Carb. „Diese Anregungen widersprechen sich einerseits, andererseits können wir nicht für jeden Menschen allgemeingültige Wahrheiten finden. Jeder muss spüren lernen, was ihm guttut. Manche brauchen mehr Eiweiß, andere mehr Kohlenhydrate oder beides. Ernährung sollte im Optimalfall wirklich individuell gestaltet werden“, betont er.

Dr. Irmey: „Da es nicht nur wichtig ist, was wir essen, sondern auch wie wir essen, sollten sowohl Gesunde als auch Krebskranke ihre Gewohnheiten hinterfragen.“ Die Menschen müssten wieder lernen, sich Zeit zu nehmen: „für den bewussten Einkauf, das Zubereiten der Mahlzeiten und die Mahlzeit selbst. Der größte Fehler ist, regelmäßig den Schnellimbiss aufzusuchen“. Er rät, wann immer es zeitlich möglich ist, gewisse Rituale im Alltag einzuführen, zum Beispiel ein gemeinsames Abendessen an zwei Tagen in der Woche.

Generell empfehle er allen Gesunden, zweimal im Jahr für je ein bis zwei Wochen zu fasten. „Wir leben im Überfluss. Fasten ist eine ganz wichtige Methode, um dem Organismus Zeit für seine Regeneration zu geben.“
Trotz aller Erkenntnisse sollte Ernährung immer auch zur Lebensfreude beitragen. Deshalb lautet sein Rat: „Essen Sie öfter mit Freude im Herzen etwas vermeintlich Ungesundes, statt mit ständigem Widerwillen etwas vermeintlich Gesundes.“

Sina Hindersmann

Über die GfBK
Die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung ganzheitlicher Therapien und feiert in diesem Jahr ihr 35. Jubiläum. Mit ihren 20.000 Mitgliedern und Förderern ist sie die größte Beratungsorganisation für komplementäre oder ganzheitliche Heilverfahren bei Krebs im deutschsprachigen Raum. Neben der Zentrale in Heidelberg gibt es noch regionale Beratungsstellen in München, Stuttgart, Wiesbaden und Hamburg.

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