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Lohnt sich ein Vegan-Label?

Die Beantwortung dieser Frage gehörte zu der Reihe an Diskussionen und Vorträgen der ‚Erlebniswelt Vegan‘ auf der Biofach. Julia Schneider vom Vegetarierbund Deutschland, neben der Britischen Vegan Society der zweite große Siegel-Vergeber, verwies auf eine starke Zunahme an Anfragen. Inzwischen habe der Verein weit über 400 Partner als Lizenznehmer für das V-Label, das damit über 5.000 Produkte trügen. Vor allem größere Unternehmen ließen gleich ganze Produktlinien überprüfen. Dabei würde auch gern das Angebot einer Unterstützung bei der Rezepturentwicklung angenommen. Vor allem, wenn sie erführen, dass vielleicht nur ein einziger Stoff einer Siegelvergabe entgegensteht.

Auch Davert gehört zu den Unternehmen, die ihre Produkte jetzt als Vegan kennzeichnen, was Vertriebsleiter Axel Frerks mit der Nachfrage der Konsumenten begründete. Veganz-Chef Jan Bredack ging näher auf die Käuferstruktur ein. So kauften in seinen Märkten vor allem überzeugte Veganer, zum einem eine Gruppe mit bis 30-Jährigen und zum anderen eine wachsende Anzahl an über 55-Jährigen.

Letztere bestehe überwiegend aus gebildeten und gut situierten Frauen. Im Unterschied dazu würden viele Kunden im Einzelhandel mit Veganz-Partnerregal ein Produkt „einfach mal ausprobieren“. Aus solchen Versuchen werde dann oft ein echtes Interesse an veganer Ernährung.

Jörg von Kruse (I+M) und Reinhard Krinke (Nonique) berichteten von der wachsenden Bedeutung einer veganen Zusammensetzung auch bei Kosmetika. Nach Ansicht von Jörg von Kruse würden immer noch viele Verbraucher fälschlicherweise vermuten, dass vegane Produkte automatisch zugleich Bio seien. I+M setze dagegen schon immer auf naturbelassene Öle aus biologischem Anbau.

Genauso gehöre der Verzicht auf Tierversuche zu ihrer Philosophie. Davon unabhängig eigneten sich pflanzliche Rohstoffe für ihre Produkte am besten. „Kosmetika müssen aber auch ihre Funktion erfüllen“, hakte sich Reinhard Krinke ein. Die Branche profitiere dabei von einer wachsenden Auswahl bei den Zutaten, etwa Apfel als Alternative zu Bienenwachs. Trotzdem gebe es im Kosmetikbereich noch viel Unwissenheit.

Eine Vegan-Kennzeichnung könne den Endverbrauchern Sicherheit geben, dass sie nicht unwissentlich ein falsches Produkt wie einen Karmin-gefärbten Lippenstift kaufen – und das ohne lange die Zutatenlisten studieren zu müssen. Nicht zuletzt würden auch die Handelspartner ein Labeling befürworten. „Ein Label wird nötig, wenn ein Trend groß wird und aus der Nische kommt“, sagte Kruse. Ein Label sorge für die Unterscheidung zu Trittbrettfahrern.

In diesem Zusammenhang wurde noch einmal betont, dass der Begriff nach wie vor nicht geschützt sei und es keine Grenzwerte für tierische Stoffe gebe. Julia Schneider konnte allerdings melden, dass es zurzeit Bestrebungen für eine gesetzliche Überwachung gebe. Demnächst sei zudem eine Verbraucherschutzministerkonferenz geplant, bei der über ein nationales Zeichen diskutiert werden soll.

Bettina Pabel

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