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Gentechnik

WWF kritisiert Geflügelwirtschaft

Deutsche Konzerne füttern wieder GVO-Soja

Die deutsche Geflügelwirtschaft, darunter die Marktführer PHWGruppe (Wiesenhof) und Rothkötter Unternehmensgruppe (Emsland Frischgeflügel), hat angekündigt, wieder gentechnisch verändertes und in keiner Weise nachhaltiges Soja, als Futtermittel einsetzen zu wollen. Die Naturschutzorganisation WWF kritisiert diese Entscheidung in einer ersten Stellungnahme als unverantwortliche Rolle Rückwärts und nicht im Sinne der Verbraucher.

„Die Geflügelindustrie hatte eine Vorreiterrolle, da viele Erzeuger weitestgehend auf gentechnik-freies und nachhhaltigeres, zertifiziertes Soja umgestellt hatten. Die Entscheidung ist daher ein falsches Signal“, sagt Brigit Wilhelm, Referentin für nachhaltige Landwirtschaft.

Die Geflügelproduzenten dürften ihr Vorhaben nicht in die Tat umsetzen. Zugleich müssten alle Akteure der Wertschöpfungskette mit einer veränderten Preispolitik reagieren. „Leider ist die Verwendung von gentechnisch verändertem Soja, das ohne Rücksicht auf Natur und Mensch angebaut wurde, immer noch zu billig“, kritisiert Wilhelm. Dass es anders gehe beweise Österreich. Dort haben sich Ende 2013 Einzelhandel, Geflügelhaltern und Futtermittelproduzenten darauf verständigt, alle Legehennen nur noch mit heimischem, gentechnikfreiem DonauSoja zu füttern.

In Deutschland sei neben Bio-Soja auch gentechnik-freies Soja nach den ProTerra- oder dem RTRS-Standard in ausreichendem Maße verfügbar. Darüber hinaus haben sich weitere Initiativen wie DonauSoja  oder nachhaltiges Soja von Kleinbauernprojekte aus Indien entwickelt. Eine erst kürzlich veröffentliche WWF-Studie kam außerdem zu dem Schluss, dass heimische Eiweißfuttermitteln wie Rapsschrot, Erbsen oder Ackerbohnen bis zu 50 Prozent  des Sojaschrots für Legehennen und bis zu 25 Prozent bei Masthühnchen und Mastputen ersetzen könnte.

Laut WWF ist Deutschland mit jährlich sieben Millionen Tonnen einer der größten Sojaimporteure Europas. Der Großteil dieser Importe stammt aus Brasilien und Lateinamerika und landet in den Trögen von Schweinen, Hühner oder Rindern. Dafür wird eine Fläche von 2,6 Millionen Hektar benötigt, wertvolle Wälder und Savannen werden zerstört und Gewässer verschmutzt.

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