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basic überzeugt mit Frische

Bio mit Genuss von den Bedienungstheken bis zur Wein-Abteilung

Stephan Paulke, seit 2009 Vorstandsvorsitzender der nicht börsennotierten basic AG, brachte wieder Ruhe in das Unternehmen. Der Bio-Filialist basic aus München hatte zwischen 2007 und 2009 turbulente Jahre erlebt. Die Schwarz-Stiftung als Investor bei basic führte zum Zerwürfnis unter den Gründern und fast zum Ruin des Handelsunternehmens. Unter Paulke nahm das Firmenschiff wieder Kurs in Richtung Gewinnzone und Expansion.

basic ist 1998 angetreten mit dem Anspruch Bio für alle. Heute bietet basic Bio-Genuss für alle. Dahinter verbirgt sich zuerst ein Frische-Konzept. 60 Prozent des Umsatzes geht über Frische. „Das ist eine große Herausforderung“, betont Paulke.

Die Obst- und Gemüse-Abteilungen verfügen über begehbare Kühlräume für die Präsentation empfindlicher Varietäten. Eine Backwaren-Theke mit Bistro wird betrieben. Außerdem ist basic der einzige Bio-Filialist, der Fischtheken betreibt.

„Wir sind stolz auf unsere Qualität. Das muss unsere Leidenschaft sein. Wir können nicht billig“, sagt Paulke. Ein kleiner Filialist wie basic arbeitet nicht preisorientiert, sondern betreibt qualitätsorientierten Handel“, gibt Paulke zu verstehen.

basic besitzt kein Zentrallager. Naturkostgroßhändler Dennree und Reformgroßhändler Pural sind die Hauptlieferanten. Hinzu kommen regionale Naturkost- und Fachgroßhändler für Feinkost, Käse und Wein. Zusätzlich hat jede Filiale ihre Streckenlieferanten. Aus diesem dezentralen Konzept ergibt sich eine höhere Kostenstruktur als mit Zentrallager.

Regionalität schafft Vielfalt

Bei dieser Struktur liegt viel Verantwortung bei den Filialen. Lieferanten müssen aufgebaut, gesteuert und die Streckenlieferung organisiert werden. Für die Vielfalt ist es nützlich; für die Kosten schädlich. Zentralismus dagegen führt zu Einfalt. Randsortimente und Spezialisten verschwinden dort allzu leicht.

Die Sortimente sind zudem regional geprägt. Die lokalen Erzeuger dürfen maximal 150 Kilometer von der Filiale entfernt sein. Die Produkte werden gekennzeichnet mit der Aufschrift: in der Region erzeugt. „Wenn Bio-Hersteller in der Nähe angesiedelt sind, können wir punkten. Wenn jemand das Produkt haben sollte, sind wir es“, erklärt der Vorstandsvorsitzende. So hat jede Filiale ein an den Standort angepasstes individuelles Sortiment.

Eier beschafft basic regional. Das ist ein wichtiger Artikel mit Marge. Beim Eierskandal in Niedersachsen, als die Halter zu viele Legehennen eingestallt hatten, erwies sich das trotz höherer Einkaufspreise als Vorteil. Die Kosten sind mitentscheidend, aber nicht allein­entscheidend im qualitätsorientierten Handel.

Die nationalen Bio-Marken haben natürlich auch ihren Stammplatz in den Regalen. Bevorzugt wird Verbandsware beschafft. Vegetarisch, Vegan und Allergien sind ebenfalls Themen, die sich im Sortiment wiederfinden. Das Vollsortiment umfasst 12.000 Artikel. Für die Ladenflächen von 500 bis 1.100 Quadratmeter wird diese Anzahl gebraucht. Die basic-Märkte sind recht groß.

Paulke ist optimistisch

Paulke blickt optimistisch nach vorn. Über die Zukunftsfähigkeit machen sich alle Gedanken. „Wir haben Aufbauarbeit für eine Nische gemacht“, erklärt Paulke. Den Bioumsatz von sieben Milliarden Euro im Jahr 2012, bei einem Lebensmittelumsatz von insgesamt 163 Milliarden, weist Bio immer noch als Nische aus.

„Wir arbeiten am Modell der zukünftigen Lebensmittelwirtschaft und schaffen Absatzpotenzial für Hersteller, die sauber arbeiten. Der Zeitgeist ändert sich. Dieser Wandel gibt uns Rückenwind und treibt uns nach vorne“, sagt der Vorstandsvorsitzende.

Es sind nach wie vor Pionierleistungen möglich, die der Fachhandel erbringen kann. Bio-Sonnenblumenkerne aus Deutschland gibt es nicht. „Wir können keine Sonnenblumenkerne aus regionalem Anbau verkaufen, obwohl wir Kunden haben, die sie kaufen möchten“, nennt er ein Beispiel. Der Zeitgeist ruft nach sauberen Lebensmitteln. basic kann dieses Bedürfnis erfüllen.

Allerdings fehlen basic die Millionen zum Expandieren. Als Paulke 2009 das Kommando vom Sanierer Joachim Kreuzburg übernahm, war die finanzielle Situation des Einzelhandelsunternehmens angespannt. Kosten senken und Umsätze erhöhen, war Paulkes Aufgabe.

In der Schublade lagen Mietverträge für künftige Objekte, allein es fehlten die Mittel, um die Standorte zu realisieren. Die Mietverträge mussten abgelöst werden, um mittelfristig Geld zu sparen. Betriebsvermögen wurde verkauft. Die Gesellschafter schossen Kapital nach.

Category Management eingeführt

Paulke musste auf bestehender Fläche den Umsatz ausweiten. Dafür brauchte es Investitionen in die Filialen. Die Kühlregale wurden erweitert und Bistros eingerichtet. Das Handelsunternehmen führte ein Category Management ein. Damit verbesserte sich die Flächenleistung. „Zum Teil waren die Sortimente vorher reduziert worden, um Kosten zu senken“, berichtet Paulke.

Paulke brachte das schlingernde Schiff wieder auf Gewinn-Kurs. Seit 2011 schreibt das Unternehmen schwarze Zahlen. 2012 lag der Umsatz bei 111 Millionen Euro. Seit 2012 expandiert das Handelsunternehmen wieder vorsichtig.

basic eröffnete eine Filiale in Augsburg. 2013 machte das Bio-Handelsunternehmen in Rosenheim eine weitere Filiale auf und betreibt aktuell 28 Bio-Supermärkte. Das dünne Filialnetz reicht bis Hamburg und Berlin. „Verdichtung ist das Thema“, klärt Paulke auf. Das Tempo von Dennree oder Alnatura können die Münchner nicht mitgehen.

Seit 2011 geht der Bio-Filialist mit Depots im LEH in die Offensive. 330 Produkte der basic-Eigenmarke werden von ausgewählten Unternehmen des LEH vermarktet. 350 Standorte von Kempten bis Oldenburg hatte basic Ende 2013 zu verzeichnen. Bei Feneberg im Allgäu startete das Pilotprojekt. Mit Tengelmann in München und danach Niederrhein und Berlin ging es weiter.

Bünting im Nordwesten ist ebenfalls eingestiegen in das Boot. „Bio muss raus aus der Nische“, sagt Paulke. Die Depots sind ein Beitrag zu Bio für alle. Vor Bio im LEH fürchtet sich Paulke nicht: „Die Ausweitung der Distribution macht den Fachhandel nicht überflüssig.“

Im Gebäude der Zentrale in München ist ein Markt angesiedelt. Mit 800 Quadratmeter hat er die typische basic-Größe. 12.000 Produkte werden hochwertig präsentiert. Wenn ein Kunde den Markt betritt, steht er vor der Backtheke mit Bistro im Vorkassenbereich. Bei fünf regionalen Bäckereien beschafft basic die Ware. Hermannsdorfer und Mauracher sind darunter.

Kühlzone bei Obst und Gemüse

Die Obst- und Gemüseabteilung mit einer Kühlzone ist ein Glanzstück. Im Herbst sind deutsche Äpfel auch mit alten Sorten wie Boskop angesagt. Zur Saison gibt es eine Sonderplatzierung mit Kürbissen. Die Exoten Apfelbananen, Cherimoya und Jackfrucht sind erhältlich.

Auch bei den Kartoffeln regiert die Vielfalt. So ist die in Bio beliebte Linda erhältlich. Agila, Laura und Nicola sind unter anderem präsent. Beim Gemüse beweisen bunte Karotten, Gelbe Beete, Steck- und Navetrüben, dass es hier mehr gibt als 08/15.

Im Mopro-Regal ist Andechser aus Oberbayern der Platzhirsch. In Oberbayern, wo die Milchwirtschaft eine dominierende Rolle spielt, sind Milchprodukte ein Renner. Veganer Kost gibt basic im Kühlregal ebenfalls viel Platz. Provamel und Heirler sind die wichtigsten Anbieter bei milchähnlichen Produkten. Taifun und Topas sind bei Fleischersatzprodukten autark.

Wurst und Fleisch von  regionalen Anbietern wie Chiemgauer Naturfleisch, Bio Metzgerei Bühler, Hermannsdorfer und Pichler sind noch im Kühlregal zu finden. 400 Fleisch- und Wurstartikel gibt es an der Theke im Wechsel. Rund 100 werden selbst gemacht. Dabei handelt es sich etwa um marinierte Steaks, panierte Schnitzel und Fleischspieße.

In der Käsetheke sind im Wechsel 250 Produkte verfügbar. Etwa 180 sind immer im Markt. Käse aus Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch werden in Bedienung angeboten. Spezialitäten aus Rohmilch sind dabei. Tierisches oder mikrobielles Lab wird ausgelobt, damit Vegetarier eine Orientierung haben. Allergiker können auf lactosefreie Sorten zurückgreifen.

Die meistverkauften in dem Markt sind Gouda und Emmentaler. Parmesan und Raclettekäse haben im Winter Saison. Die Lieblingssorte von Käse-Verkäuferin Ina Peter ist der Alpikoner, ein Schnittkäse aus der Schweiz, der mit Eichenrinde affiniert wird.

Bio-Tee ist ein großes Thema bei basic: Doppelt soviel Regalmeter wie bei Kaffee werden belegt. Entsprechend hoch ist der Absatz. „Tee geht sehr gut“, sagt der stellvertretende Marktleiter. Lebensbaum, Sonnentor, Cha-Do, Gepa und viele, viele mehr tummeln sich hier.

Kaffee lässt mit den Sortimenten von Gepa, Mount Hagen, Lebensbaum, Rapunzel, Nabu-Kaffee und Kaffa von Original Food, um nur einige Anbieter zu nennen, kaum Wünsche offen. Bei den Ölen ist, wie meist im Fachhandel, Bio Planete der Hauptlieferant. Von Bläuel kommt griechisches Olivenöl, ebenso von Naturata. Leinöl ist ein Aufsteiger bei basic und längst kein Randprodukt mehr.

Rohkost-Schokolade im Trend

Die Süßwaren-Abteilung ist recht umfangreich. Vivani führt bei Schokolade das Feld an. Die Schweizer Tradition ist mit Schönenberger vertreten. Rohkost heißt ein neuer Trend, der auch Schokolade erfasst hat. Hier steigt der Absatz schwunghaft an. Beim Knabbergebäck haben die noch jungen Lisa Chips von Aroma Snacks aus Amtzell im Allgäu gut eingeschlagen.

Naturkosmetik wird groß geschrieben. Die Regale sind in Holzoptik gestaltet und die Rückwände verspiegelt. Die Ware wird mit Licht in Szene gesetzt. Eine Drogistin leitet die Abteilung. „Naturkosmetik ist beratungsintensiv. Da braucht man eine gute Kraft, um Umsätze zu machen“, erläuterte Paulke.

Auch die Wein-Abteilung ist in Holzoptik gehalten. Die deutschen Anbaugebiete, Europa und aus Übersee Chile, Argentinien und Südafrika sind vertreten. Auch Weine aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten finden sich in den Regalen.

Der Kunde wird mit einem Leitsystem durch den Markt geführt. Auf Tafeln sind mit Kreide die Warengruppen geschrieben. Das strahlt Hochwertigkeit aus. Diese Idee kam ursprünglich von Mitbegründer Georg Schweisfurth. Die Theken von Backwaren, Käse bis Wurst und Fleisch sind neben O+G, Tee und Wein die Stärken des Marktes. Die Naturkosmetik-Abteilung ist ebenfalls ein Glanzlicht in dem Bio-Supermarkt.

Anton Großkinsky


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