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Ausgeklügeltes Öko-Konzept

Moderne Bio-Olivenöl-Produktion in Familienhand

Oro del Desierto heißt die Ölmühle der Familie Alonso. Das Gold der Wüste um Tabernas in Andalusien ist flüssig und wird aus den grünen Früchten des Ölbaums gewonnen. Rafael Alonso verarbeitet die Oliven aus dem eigenen Bio-Hain zu extra nativem Olivenöl. Ende der 90er Jahre haben die Alonsos die alte Ölmühle in Tabernas gekauft. Die Mühle aus dem Jahr 1920 war längst außer Betrieb. Sie kann als Museum besichtigt werden. Daneben hat Rafael Alonso eine moderne Anlage eingerichtet.

Seit 2008 beteiligt sich Alonso mit dem Bio-Olivenöl aus den fruchtigen Sorten Hojiblanca und Picual an den Prämierungen der Zeitschrift Der Feinschmecker und erhält regelmäßig Empfehlungen. Die Öle der leicht fruchtigen Sorten Lechin und Arquebina reicht er nicht ein. „Die mögen die Tester nicht so gern“, hat er gelernt. 

Die Familie Alonso bearbeitet eine Oliven-Plantage von 100 Hektar Fläche. Die Alonsos haben ein ausgeklügeltes ökologisches Konzept vom Feld bis zur Ölmühle. Oliven brauchen Sonne. Das haben sie zuhauf in Tabernas. Sie brauchen aber auch Wasser. Das wiederum ist knapp.

Der Familienbetrieb hat zum Glück Zugang zu Wasser auf dem Feld. Dem Großvater schon war aufgefallen, dass ein Feigenbaum super gut wächst. Er hat da eine unterirdische Wasserader vermutet. Die wurde vor einigen Jahren mit einer Bohrung angezapft. Eine elektrische Pumpe fördert rund um die Uhr Wasser in einen oberhalb der Anbaufläche angelegten großen Teich.

Die Bewässerung wird automatisch durch Erfassung von Temperatur und Feuchtigkeit gesteuert. Das Wasser wird in kleine 50 Zentimeter tiefe Löcher bei jedem Baum eingeleitet. Das senkt den Verbrauch des kostbaren Nass. Ökologisches Haushalten mit der knappen Ressource Wasser ist in der kargen, regenarmen Gegend so wichtig wie in der Wüste.

Der Strom für die Pumpe wird direkt vor Ort mittels Solarpanel erzeugt. Installiert auf dem Dach eines kleinen Stallgeheges sorgen die für genügend Energie, womit sogar oberhalb des Sammelbeckens noch Wasser zu extra am Berghang angelegten Wildsträuchern gepumpt werden kann. Die Sträucher fangen in der knappen Regenzeit dann mehr Wasser, als sie verbrauchen. Das sickert in die Tiefe und speist wiederum die Wasserader. Im Stallgehege werden eine Zuchtsau riesigen Kalibers und ein kolossaler Wildeber gehalten. Ein perfekter Kreislauf.

Die meisten Oliven-Anbauer leiden unter Wassermangel. „Viele legen eine Plantage an, dann erst suchen sie nach Wasser“, berichtet Alonso. Nur 200 Liter Regen fallen hier jährlich auf den Quadratmeter. Die Olivenbäume brauchen aber 700 Liter.

Die Olivenernte beginnt im Oktober. Beim Pflücken setzt der Familienbetrieb auf Hand- und Maschinenarbeit. Die jungen Bäume werden per Hand gepflückt. Die Oliven werden grün geerntet. Im Dezember, wenn sie dunkel sind, lässt die Qualität nach.

Die Ölmühle

In der eigenen hochmodernen Ölmühle wird innerhalb von acht Stunden das Öl durch Kaltpressung gewonnen. Die Anlage arbeitet mit 27 Grad. „Das gibt das beste Öl. Wir versuchen, gut zu sein. Je höher die Temperatur desto größer die Menge, die man an Öl gewinnt, aber die Qualität sinkt“, erläutert Alonso.

Die Ausbeute beim Pressen beträgt 15 bis 25 Prozent je nach Sorte und Reifegrad. Wasser, Kern und der Ölkuchen bleiben zurück. „Der Ertrag ist nicht hoch“, so Alonso. Auch was übrig bleibt wird genutzt. Mit dem Presskuchen werden Schafe gefüttert. Die Kerne dienen als Brennstoff für die Heizung, und das Wasser wird auf  dem Feld verwendet. So wird nachhaltig gearbeitet.

Eine Solaranlage auf dem Dach der Halle produziert ausreichend Strom. Der Betrieb funktioniert total energieautark. Allein die Olivenkerne qualmen aus dem Schornstein und tragen nicht gerade zur CO2-Verminderung bei. Dank der dünnen Besiedelung stört sich hier keiner daran.

In den Räumen der alten Ölmühle betreibt die Familie ein Restaurant und ein Feinkostgeschäft, in dem das eigene Olivenöl in Geschenkflaschen verkauft wird. Die heimische Gastronomie wird ebenfalls mit Großverbraucher-Gebinden beliefert.

60 Prozent des Bio-Olivenöls werden nach Frankreich, Nordamerika oder Japan exportiert. Außerdem betreibt die Familie mit sechs Bungalows Ökotourismus der feinen Art. Im alten spanischen Landhausstil sind zwölf Wohneinheiten mit allem Komfort im Angebot. Ein Schwimmteich mit organischer Wasserklärung rundet die ökologische Bergidylle ab.

Anton Großkinsky


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